Zwei Displays in einem Klappgehäuse
Wer beim ersten Blick auf den neuen ANBERNIC RG DDS an Nintendos frühere DS- und 3DS-Familie denkt, dürfte damit nicht allein sein. Das neue Gerät setzt auf ein klassisches Klappdesign mit zwei übereinander angeordneten Displays und integriert sogar einen ausziehbaren Eingabestift direkt ins Gehäuse.
ANBERNIC bezeichnet den RG DDS selbst als neues Flaggschiff seiner Dual-Screen-Reihe. Das Kürzel steht für „Dream Dual-Screen“ und soll deutlich machen, dass der Handheld technisch über den günstigeren RG DS und RG DS Plus angesiedelt ist.
Besonders interessant ist, dass die beiden Displays nicht einfach identisch sind. Das obere IPS-Panel misst 4,7 Zoll, löst mit 1.200 × 720 Pixeln auf und verwendet ein Seitenverhältnis von 5:3. Darunter sitzt ein 4 Zoll großes IPS-Display mit 960 × 720 Pixeln im 4:3-Format.
Beide Bildschirme erreichen laut Hersteller 300 PPI und eine maximale Helligkeit von 500 Nits.
Snapdragon statt günstiger Retro-Hardware
Unter der Haube geht ANBERNIC beim RG DDS ebenfalls einen deutlichen Schritt nach oben. Als Prozessor kommt der Qualcomm Snapdragon G2 Gen 2 zum Einsatz, der im 4-Nanometer-Verfahren gefertigt wird.
Dazu gehört eine Adreno-A22-GPU. Damit richtet sich das Gerät nicht nur an Spieler einfacher Retro-Titel, sondern soll auch anspruchsvollere Android-Spiele und Emulation bewältigen.
ANBERNIC demonstrierte den Handheld bereits mit verschiedenen Systemen und positioniert ihn klar als leistungsfähigere Alternative innerhalb des eigenen Sortiments. Gerade das Dual-Screen-Layout dürfte interessant für Spiele sein, die ursprünglich für Hardware mit zwei Displays entwickelt wurden.
Wie gut einzelne Systeme und Spiele tatsächlich laufen, dürfte allerdings erst nach Veröffentlichung und unabhängigen Tests wirklich feststehen.
Android 16 als Grundlage
Als Betriebssystem setzt ANBERNIC auf Android 16. Damit unterscheidet sich der RG DDS beispielsweise vom günstigeren RG DS Plus, der mit einer speziell angepassten Linux-Oberfläche arbeitet.
Das Android-System eröffnet Zugriff auf Apps, Emulatoren, Streaming-Dienste und unterschiedliche Spieleplattformen. Zusätzlich unterstützt der Handheld sogenannte Turnip-Grafiktreiber, die insbesondere bei bestimmten Emulatoren und Qualcomm-GPUs eine Rolle spielen können.
Auch kabellos ist das Gerät modern ausgestattet. Mit an Bord sind Wi-Fi 6 und Bluetooth 5.4. Über USB-C lässt sich außerdem ein externes Display mit bis zu 1080p ansteuern.
Damit eignet sich der RG DDS nicht ausschließlich für den mobilen Einsatz. Wer möchte, kann Spiele auch auf einen größeren Bildschirm übertragen.
Zwei Speichervarianten stehen zur Wahl
ANBERNIC bietet den Handheld in zwei Ausstattungsversionen an. Das Basismodell verfügt über 8 GB Arbeitsspeicher und 128 GB internen Speicher.
Darüber sitzt eine Variante mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher. Der interne Speicher lässt sich zusätzlich über eine microSD-Karte um bis zu 2 TB erweitern.
Bei den Farben stehen Basalt Black, Glacier White und Phantom Blue zur Auswahl. Damit bleibt ANBERNIC optisch vergleichsweise zurückhaltend und verzichtet bei seinem neuen Spitzenmodell auf allzu verspielte Farbkombinationen.
Eingabestift steckt direkt im Gehäuse
Eines der wichtigsten Details steckt fast unsichtbar im Gerät: Der RG DDS besitzt einen ausziehbaren kapazitiven Stylus, der direkt im Gehäuse verstaut wird.
Gerade bei Spielen oder Anwendungen, die den unteren Touchscreen intensiv nutzen, dürfte das deutlich komfortabler sein als reine Fingereingabe.
Das gesamte Konzept erinnert dadurch unvermeidlich an Nintendo DS und 3DS. Auch die Anordnung der Bedienelemente folgt einem vertrauten Muster mit Steuerkreuz, Aktionstasten und zwei Analogsticks.
Hinzu kommen ein sechsachsiger Gyrosensor, ein linearer Vibrationsmotor und ein Hall-Sensor im Scharnier. Wird das Gerät zugeklappt, kann es dadurch automatisch in einen Schlafmodus wechseln.
6.000-mAh-Akku und aktive Kühlung
Für die Stromversorgung sorgt ein 6.000-mAh-Akku. Geladen wird mit bis zu 27 Watt.
Wie lange der Handheld im Alltag tatsächlich durchhält, dürfte stark vom verwendeten Emulator, der Bildschirmhelligkeit und der Leistungsanforderung des jeweiligen Spiels abhängen. Eine konkrete Laufzeit nennt ANBERNIC derzeit nicht in den technischen Daten.
Da der verbaute Snapdragon deutlich leistungsfähiger als die Chips vieler günstiger Retro-Handhelds ausfällt, setzt der Hersteller zusätzlich auf aktive Kühlung. Im Inneren arbeiten ein Lüfter und eine Heatpipe, um die entstehende Wärme abzuleiten.
Das zeigt gleichzeitig, dass der RG DDS nicht einfach nur eine leicht verbesserte Version der bisherigen Dual-Screen-Geräte darstellen soll.
ANBERNIC baut sogar KI-Funktionen ein
Ein etwas ungewöhnlicher Punkt auf der Ausstattungsliste sind die beworbenen KI-Funktionen. ANBERNIC nennt unter anderem eine Ein-Klick-Suche nach Spielehilfen, Echtzeitübersetzungen und einen intelligenten Dialogmodus.
Außerdem sollen Text-zu-Bild-Generierung und Bildbearbeitungsfunktionen unterstützt werden.
Wie nützlich diese Funktionen auf einem Gaming-Handheld tatsächlich sind, dürfte stark von der Umsetzung abhängen. Sie zeigen aber, dass ANBERNIC den RG DDS nicht ausschließlich als Retro-Gerät vermarkten möchte.
Deutlich teurer als der bisherige RG DS
Beim Preis entfernt sich der neue Handheld deutlich von früheren Dual-Screen-Modellen des Herstellers.
Die Version mit 8 GB RAM und 128 GB Speicher kostet zur Vorbestellung 284,99 US-Dollar. Für das Modell mit 12 GB RAM und 256 GB Speicher verlangt ANBERNIC 349,99 US-Dollar.
Zum Vergleich: Der ursprüngliche RG DS wurde deutlich unter 100 US-Dollar angeboten. Der RG DDS spielt damit in einer völlig anderen Preisklasse.
Dafür gibt es allerdings auch erheblich leistungsfähigere Hardware, höher auflösende Displays, mehr Speicher, Android 16 und zusätzliche Funktionen.
Auslieferung beginnt im Dezember
Bestellungen nimmt ANBERNIC bereits entgegen. Laut offizieller Produktseite handelt es sich aktuell noch um eine Vorbestellung.
Die Geräte sollen ab dem 10. Dezember 2026 schrittweise ausgeliefert werden. Einen klassischen weltweiten Ladentermin nennt der Hersteller derzeit nicht.
Das bedeutet gleichzeitig, dass Interessenten noch etwas Geduld mitbringen müssen. Erste unabhängige Tests dürften vor allem zeigen müssen, ob die leistungsfähigere Hardware das ungewöhnliche Dual-Screen-Konzept auch softwareseitig überzeugend nutzt.
Der 3DS-Gedanke lebt weiter
ANBERNIC erfindet das Konzept eines Handhelds mit zwei Bildschirmen natürlich nicht neu. Trotzdem trifft der RG DDS auf einen Markt, in dem diese Bauform inzwischen eher ungewöhnlich geworden ist.
Gerade deshalb könnte das Gerät für Retro-Fans spannend werden. Zwei Displays, Touchscreen, Stylus und Klappgehäuse sind eine Kombination, die unmittelbar Erinnerungen an die DS- und 3DS-Zeit weckt.
Der RG DDS versucht allerdings, diese Idee mit moderner Android-Hardware weiterzuführen. Ob daraus tatsächlich einer der interessantesten Retro-Handhelds des Jahres wird, hängt vor allem davon ab, wie gut Software, Emulatoren und Dual-Screen-Unterstützung zusammenspielen.
Auf dem Papier steht jedenfalls eines der ambitioniertesten Geräte, die ANBERNIC bisher vorgestellt hat.
Quellen
- ANBERNIC – offizielle Produktseite RG DDS: Zwei Displays, Snapdragon G2 Gen 2, Android 16, Speicheroptionen, Akku, Anschlüsse, Stylus, Farben, Preis und Auslieferungsbeginn ab 10. Dezember 2026. (anbernic.com)
- ANBERNIC, 9. Oktober 2026 – Vorstellung des RG DDS als neues Dual-Screen-Flaggschiff des Herstellers. (anbernic.com)
- ComputerBase, 17. Oktober 2026 – Preis ab 285 US-Dollar, Speichervarianten und Vorbestellerstart des RG DDS. (computerbase.de)
- The Verge, 15. Oktober 2026 – Einordnung des RG DDS als leistungsfähiger Dual-Screen-Handheld und Vergleich mit der Nintendo-3DS-Bauform. (theverge.com)
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