Die Ente kommt zurück.
Mehr als 35 Jahre nachdem der letzte Citroën 2CV vom Band lief, holt Citroën die Idee seines vielleicht berühmtesten Autos zurück.
Und diesmal fährt sie elektrisch.
Auf dem Pariser Autosalon 2026 wird Citroën ein komplett neues Konzeptfahrzeug präsentieren, das den Geist des 2CV in die Gegenwart übertragen soll.
Dabei betont die Marke allerdings einen wichtigen Punkt:
Es soll kein nostalgischer Nachbau des alten 2CV werden.
Citroën möchte vielmehr das ursprüngliche Konzept neu interpretieren.
Einfach.
Leicht.
Praktisch.
Bezahlbar.
Und mit genügend Charakter, damit man das Auto nicht mit jedem beliebigen Elektro-Kleinwagen verwechselt.
Die Enthüllung findet am 12. Oktober statt
Noch hält Citroën die endgültige Form des Autos weitgehend geheim.
Die offizielle Premiere ist für Montag, den 12. Oktober 2026, auf dem Pariser Autosalon geplant.
Um 9:55 Uhr wollen Citroën-Chef Xavier Chardon und Designchef Pierre Leclercq das neue Konzept vorstellen.
Der Autosalon selbst findet vom 12. bis 18. Oktober an der Porte de Versailles in Paris statt.
Und ausgerechnet dort schließt sich ein ziemlich großer Kreis.
Denn auf dem Pariser Autosalon begann auch die Geschichte des ursprünglichen 2CV.
Vor 78 Jahren stand hier die erste Ente
Am 7. Oktober 1948 wurde der Citroën 2CV erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Ebenfalls in Paris.
Sein Aussehen sorgte damals durchaus für Verwunderung.
Der Wagen war klein, extrem einfach gestaltet und alles andere als luxuriös.
Aber genau darin lag seine Stärke.
Citroën wollte kein Statussymbol bauen.
Die Marke wollte ein Auto bauen, das sich möglichst viele Menschen leisten konnten.
Ein Auto für Menschen, die vorher keines hatten
Die ursprüngliche Idee entstand sogar noch deutlich früher.
Bereits 1936 begann Citroën mit dem Projekt TPV – „Toute Petite Voiture“, sinngemäß also „sehr kleines Auto“.
Die Aufgabe an die Entwickler war ungewöhnlich pragmatisch.
Das Auto sollte vier Personen und Gepäck transportieren können.
Es sollte günstig sein.
Wenig Kraftstoff verbrauchen.
Auf schlechten Straßen funktionieren.
Und möglichst komfortabel bleiben.
Aus dieser Idee entstand schließlich der 2CV.
Der berühmte Eierkorb
Eine der bekanntesten Geschichten rund um die Entwicklung lautet, dass das Fahrwerk so komfortabel sein sollte, dass ein Bauer einen Korb mit Eiern über ein umgepflügtes Feld transportieren könne, ohne dass die Eier zerbrechen.
Ob jede Version dieser Geschichte exakt so passiert ist, spielt inzwischen fast keine Rolle mehr.
Sie beschreibt ziemlich perfekt, wofür der 2CV gedacht war.
Kein kompliziertes Prestigeauto.
Sondern ein Fahrzeug fürs echte Leben.
Genau dieses Prinzip will Citroën zurückholen
Und offenbar glaubt Citroën, dass diese Idee heute wieder überraschend aktuell ist.
Elektroautos werden technisch immer aufwendiger.
Batterien werden größer.
Fahrzeuge werden schwerer.
Displays wachsen.
Leistungen steigen.
Und damit häufig auch die Preise.
Die neue 2CV-Idee soll bewusst in die andere Richtung gehen.
Citroën nennt als zentrale Eigenschaften:
Erschwinglichkeit, geringes Gewicht, Alltagstauglichkeit, Vielseitigkeit und eine starke Persönlichkeit.
Das klingt ziemlich genau nach der Philosophie des Originals.
Nur eben mit Elektromotor statt luftgekühltem Zweizylinder.
Noch ist es offiziell ein Konzeptfahrzeug
Einen wichtigen Punkt sollten wir allerdings klarstellen.
Citroën bezeichnet das Fahrzeug, das in Paris gezeigt wird, aktuell als Concept Car.
Das bedeutet:
Das Modell, das wir ab dem 12. Oktober sehen, muss nicht exakt so beim Händler stehen.
Allerdings hat Citroën bereits im Mai bestätigt, dass ein neues Modell in die Produktpalette aufgenommen werden soll, das vom Geist des 2CV inspiriert ist.
Das Pariser Konzept dürfte deshalb weit mehr sein als eine reine Designstudie ohne Zukunft.
Es gibt ziemlich deutliche Hinweise darauf, wohin Citroën tatsächlich möchte.
Wird das Auto wirklich „2CV“ heißen?
Genau das ist momentan noch nicht bestätigt.
Citroën spricht bislang bewusst von einem „neuen Modell, inspiriert vom Geist des 2CV“.
Ob der spätere Serienwagen tatsächlich den Namen 2CV trägt, wird erst noch bekannt gegeben.
Deshalb wäre es aktuell etwas voreilig, bereits vom offiziellen „Citroën 2CV Electric“ zu sprechen.
Fest steht aber:
Citroën selbst inszeniert die Rückkehr ausdrücklich rund um seine berühmte Ente.
„Time 2 Meet Again“
Schon die Teaser-Kampagne spielt ziemlich offen mit der Zahl Zwei.
International verwendet Citroën beispielsweise den Spruch:
„Time 2 Meet Again.“
In Frankreich heißt die Kampagne:
„Elle est 2 retour“
– ein Wortspiel mit „de retour“, also „sie ist zurück“.
Viel subtiler kann man die Rückkehr des 2CV eigentlich kaum noch ankündigen.
Die Ente soll nicht einfach aussehen wie früher
Besonders interessant ist die Aussage von Citroën, man wolle sich „vom Geist des Originals und nicht von Nostalgie“ inspirieren lassen.
Das bedeutet vermutlich:
Wir sollten nicht unbedingt ein Elektroauto erwarten, das aussieht, als hätte jemand eine alte Ente genommen und lediglich LED-Scheinwerfer hineingebaut.
Stattdessen sollen die Eigenschaften übertragen werden.
Einfachheit.
Niedriges Gewicht.
Bezahlbarkeit.
Komfort.
Praktischer Nutzen.
Und ein Design, das sofort wiedererkennbar ist.
Damit wäre Citroën nicht allein
Retro-inspirierte Autos erleben ohnehin gerade eine ziemlich interessante Phase.
Renault hat den Renault 5 als Elektroauto wiederbelebt.
Der Renault 4 ist ebenfalls zurück.
Fiat nutzt den Namen und die Form des 500 seit Jahren erfolgreich.
Volkswagen arbeitet immer wieder mit seinen historischen Ikonen.
Und jetzt setzt Citroën ausgerechnet auf jenes Auto, das wie kaum ein anderes mit französischer Nachkriegsmobilität verbunden ist.
Der Unterschied:
Citroën scheint weniger das alte Design kopieren als die ursprüngliche Idee wiederholen zu wollen.
Das könnte gerade beim Preis spannend werden
Noch nennt Citroën keinen Preis.
Auch Reichweite, Batteriekapazität und Motorleistung sind bislang geheim.
Die Marke betont allerdings auffällig häufig die Begriffe „erschwinglich“ und „zugänglich“.
Das spricht dafür, dass hier kein teures Lifestyle-Elektroauto entstehen soll.
Citroën positioniert sich ohnehin stark im günstigeren Elektrosegment.
Der neue ë-C3 gehört beispielsweise zu den preislich aggressiveren Elektroautos europäischer Hersteller.
Zusätzlich gibt es mit dem Ami ein extrem reduziertes elektrisches Stadtfahrzeug.
Der neue 2CV-inspirierte Wagen könnte irgendwo zwischen diesen Konzepten eine eigene Position finden.
Leicht statt immer größer?
Besonders interessant ist der Fokus auf das Gewicht.
Moderne Elektroautos bringen häufig deutlich mehr als 1,5 Tonnen auf die Waage.
Große Modelle landen teilweise sogar weit oberhalb von zwei Tonnen.
Citroën nennt dagegen ausdrücklich geringes Gewicht als eines der Prinzipien des kommenden Modells.
Das wäre ziemlich nah an der Philosophie des Originals.
Der ursprüngliche TPV-Prototyp von 1937 wog gerade einmal rund 370 Kilogramm.
Natürlich wird ein modernes Elektroauto mit Sicherheitsausstattung und Batterie niemals in diese Region kommen.
Aber die grundsätzliche Idee bleibt spannend:
Vielleicht braucht ein alltagstaugliches Elektroauto eben nicht zwingend 500 Kilometer Reichweite, 300 PS und einen riesigen Akku.
Komfort dürfte ebenfalls eine große Rolle spielen
Wer einmal in einer alten Ente gefahren ist, erinnert sich wahrscheinlich an eine Eigenschaft besonders:
Das Auto bewegt sich.
Und zwar ziemlich viel.
Die extrem weiche Federung gehörte zu den Markenzeichen des 2CV.
Kurven konnten durchaus abenteuerlich aussehen, gleichzeitig schluckte das Fahrwerk schlechte Straßen erstaunlich souverän.
Citroën hat Komfort auch heute wieder zu einem wichtigen Bestandteil seiner Markenidentität gemacht.
Deshalb wäre es keine Überraschung, wenn gerade das Fahrwerk des neuen Modells eine besondere Rolle bekommt.
Auch das Stoffdach könnte zurückkehren
Ob das bekannte Rollverdeck des Originals übernommen wird, wissen wir bislang nicht.
Es wäre allerdings eines jener Designelemente, die sich relativ problemlos modern interpretieren ließen.
Das Stoffdach des 2CV war schließlich nicht nur ein stilistisches Element.
Es half auch dabei, Gewicht und Kosten niedrig zu halten.
Ähnliches gilt für den sehr einfachen Innenraum und zahlreiche bewusst unkomplizierte Konstruktionslösungen.
Wie weit Citroën dabei gehen wird, erfahren wir erst bei der Premiere.
Über fünf Millionen Enten wurden gebaut
Der historische 2CV gehört bis heute zu den erfolgreichsten Fahrzeugen der französischen Automobilgeschichte.
Zwischen 1949 und 1990 produzierte Citroën insgesamt 5.114.969 Fahrzeuge der 2CV-Familie.
Davon waren mehr als 1,2 Millionen Kastenwagen-Versionen.
Die letzte Ente lief am 27. Juli 1990 um 16 Uhr im portugiesischen Werk Mangualde vom Band.
Damit dauerte die Karriere des Modells mehr als vier Jahrzehnte.
In Deutschland wurde daraus die „Ente“
Der deutsche Spitzname gehört inzwischen fast genauso sehr zum Auto wie der eigentliche Modellname.
Einer bekannten Geschichte zufolge bezeichnete ein niederländischer Journalist das Auto bei seiner Vorstellung als „hässliches Entlein“.
Gerade im deutschsprachigen Raum blieb davon schließlich die „Ente“ hängen.
Was zunächst alles andere als schmeichelhaft klang, wurde später zum liebevollen Spitznamen.
Heute dürfte „Ente“ für viele Menschen sogar geläufiger sein als die Bezeichnung 2CV.
2CV heißt übrigens nicht einfach „zwei Zylinder“
Auch hier gibt es einen weit verbreiteten Irrtum.
„2CV“ steht im Französischen für „deux chevaux“, also „zwei Pferde“.
Gemeint waren allerdings ursprünglich nicht zwei tatsächliche Pferdestärken des Motors, sondern die französische steuerliche Leistungsklasse Chevaux fiscaux.
Dass die Bezeichnung später perfekt zum minimalistischen Image des Autos passte, dürfte seinem Kultstatus kaum geschadet haben.
Kein Auto musste perfekt sein – sondern sympathisch
Vielleicht liegt genau darin bis heute die besondere Wirkung der Ente.
Sie war nie besonders schnell.
Sie war nie luxuriös.
Sie war nicht leise.
Und objektiv betrachtet war ihr Design ziemlich eigenwillig.
Trotzdem – oder gerade deshalb – wurde der 2CV zu einem der sympathischsten Autos überhaupt.
Er stand für Urlaub.
Studenten.
Familien.
Landstraßen.
Picknick.
Freiheit.
Und ein bisschen französisches Chaos.
Citroën braucht genau solche Autos
Für Citroën könnte die Rückkehr deshalb strategisch ziemlich wichtig werden.
Der europäische Automarkt verändert sich gerade enorm.
Chinesische Hersteller drängen mit günstigen Elektro- und Hybridfahrzeugen nach Europa.
Gleichzeitig kämpfen viele etablierte Marken mit hohen Entwicklungskosten und einer teilweise schwächeren Nachfrage nach Elektroautos.
Ausgerechnet auf dem Pariser Autosalon 2026 treten chinesische Hersteller so zahlreich auf wie nie zuvor.
Reuters berichtet von rund 20 chinesischen Automarken, die auf der Messe vertreten sind.
Europäische Hersteller brauchen deshalb Modelle, die nicht nur technisch mithalten, sondern auch emotional auffallen.
Und kaum etwas fällt emotional stärker auf als eine moderne Ente.
Einfachheit könnte wieder zum Luxus werden
Das klingt zunächst paradox.
Aber vielleicht ist genau das der interessanteste Gedanke hinter diesem Projekt.
Moderne Autos können inzwischen unglaublich viel.
Sie besitzen riesige Touchscreens.
Apps.
Assistenzsysteme.
Ambientebeleuchtung.
Sprachsteuerung.
Online-Dienste.
Hundert Menüs.
Und manchmal möchte man eigentlich einfach nur einsteigen und losfahren.
Genau diese radikale Einfachheit war eine der größten Stärken des 2CV.
Wenn Citroën diese Idee wirklich in ein modernes Elektroauto übersetzen kann, könnte daraus etwas ziemlich Eigenständiges entstehen.
Die entscheidenden Antworten kommen am Montag
Bis dahin bleibt allerdings einiges offen.
Wie sieht das Auto aus?
Wie groß wird es?
Welche Batterie bekommt es?
Wie weit fährt es?
Wie viel Leistung besitzt es?
Wie viel soll die spätere Serienversion kosten?
Und heißt sie am Ende tatsächlich wieder 2CV?
Citroën hält diese Informationen noch zurück.
Am 12. Oktober 2026 soll sich das ändern.
Dann wird die elektrische Neuinterpretation auf dem Pariser Autosalon erstmals vollständig gezeigt.
78 Jahre später wieder Paris
Die Geschichte besitzt damit eine ziemlich schöne Symmetrie.
1948 stand auf dem Pariser Autosalon ein merkwürdig aussehendes kleines Auto, dessen Konzept radikal einfach war:
Mobilität sollte nicht nur etwas für Menschen mit viel Geld sein.
78 Jahre später steht die Automobilindustrie erneut vor einer ähnlichen Frage.
Elektromobilität funktioniert nur dann wirklich im großen Maßstab, wenn sich genügend Menschen die Fahrzeuge leisten können.
Und genau dafür holt Citroën jetzt die Idee seiner berühmtesten Ente zurück.
Keine Kopie des Originals. Kein reines Retro-Spielzeug.
Sondern ein Versuch, dieselbe Frage noch einmal zu beantworten:
Wie wenig Auto braucht man eigentlich, um möglichst viel Freiheit zu bekommen?
Am 12. Oktober sehen wir, welche Antwort Citroën darauf gefunden hat.
Quellen
Citroën / Stellantis Media Deutschland: Offizielle Ankündigung des neuen, vom 2CV inspirierten vollelektrischen Modells sowie Grundprinzipien wie Erschwinglichkeit, geringes Gewicht, Alltagstauglichkeit und Vielseitigkeit.
https://www.media.stellantis.com/de-de/citroen/press/die-ente-kehrt-zurueck-citroen-belebt-den-ikonischen-2cv-neuCitroën / Stellantis Media: Teaser-Kampagne „Time 2 Meet Again“ und Bestätigung des neuen 2CV-inspirierten Konzeptfahrzeugs für den Pariser Autosalon.
https://www.media.stellantis.com/em-en/citroen/press/time-2-meet-again-citroen-kicks-off-its-teaser-campaignCitroën / Stellantis Media: Programm des Pariser Autosalons vom 12. bis 18. Oktober 2026 und Premiere des neuen Konzeptfahrzeugs am 12. Oktober.
https://www.media.stellantis.com/em-en/citroen/press/paris-motor-show-2026-life-feels-better-at-the-citroen-boothCitroën Deutschland: Historie des 2CV, Vorstellung am 7. Oktober 1948, insgesamt 5.114.969 produzierte Fahrzeuge und Ende der Produktion am 27. Juli 1990.
https://www.media.stellantis.com/de-de/citroen/press/historische-legende-citroen-2cv-feiert-75-geburtstagReuters: Pariser Autosalon 2026, wachsende chinesische Konkurrenz und Citroëns 2CV-Wiederbelebung als Teil der europäischen Antwort auf den veränderten Automarkt.
https://www.reuters.com/business/autos-transportation/record-chinese-turnout-puts-european-carmakers-under-pressure-paris-show-2026-10-09/