Weiter mit Artikel 3. Die Meldung wurde heute, am 20. Oktober 2026, offiziell bestätigt. Die Produktion heißt „SUBJECT TO CHANGE – A Dance for David Bowie“ und soll Bowies Musik ausdrücklich nicht einfach als nostalgische Tribute-Show nachbauen. Verantwortlich ist der spanische Choreograf Marcos Morau. Die Weltpremiere ist für Frühjahr 2028 in Luxemburg geplant, anschließend folgen London und 2029 Tokio.
David Bowies Musik wird zur internationalen TanzproduktionDavid Bowies ständige Neuerfindung wird selbst zum Stoff für eine große Bühne: Mit „SUBJECT TO CHANGE – A Dance for David Bowie“ entsteht eine internationale Tanzproduktion, die seine Songs, Originalstimme und berühmten Künstlerfiguren neu interpretiert. Die Weltpremiere ist für Frühjahr 2028 in Luxemburg geplant – danach führt das Projekt unter anderem nach London und Tokio.
Bowie wird nicht einfach nachgetanzt
David Bowie hat im Laufe seiner Karriere immer wieder neue Figuren geschaffen, alte Identitäten abgelegt und musikalisch praktisch noch einmal von vorne begonnen. Genau dieses Prinzip soll nun im Mittelpunkt einer neuen internationalen Tanzproduktion stehen.
„SUBJECT TO CHANGE – A Dance for David Bowie“ wurde am 20. Oktober offiziell angekündigt. Hinter dem Projekt stehen das Londoner Tanzhaus Sadler’s Wells, das japanische Kulturzentrum Bunkamura und die spanische Tanzkompanie La Veronal.
Verantwortlich für Konzept und Choreografie ist Marcos Morau. Der spanische Künstler möchte keinen klassischen Bowie-Abend schaffen, bei dem bekannte Bühnenauftritte einfach nachgestellt werden. Stattdessen soll untersucht werden, was Bowies permanenter Wandel körperlich, musikalisch und künstlerisch bedeutet.
Damit geht die Produktion einen anderen Weg als viele gewöhnliche Tribute-Shows.
Von Ziggy Stardust bis zum Thin White Duke
Kaum ein Musiker hat so konsequent mit wechselnden Identitäten gearbeitet wie David Bowie.
Ziggy Stardust wurde Anfang der 1970er zur wohl berühmtesten dieser Figuren. Kurz darauf verabschiedete Bowie die Kunstfigur wieder und entwickelte mit Aladdin Sane bereits eine neue Persönlichkeit.
Es folgten unter anderem Halloween Jack und später der Thin White Duke. Jede dieser Phasen besaß nicht nur eine andere musikalische Richtung. Auch Kleidung, Körpersprache, Bühnendarstellung und Auftreten veränderten sich.
Genau dieser Zusammenhang interessiert Marcos Morau besonders.
Für ihn bestand Bowies Wandel nicht lediglich darin, andere Kostüme anzuziehen. Jede neue Figur hatte eine eigene Beziehung zwischen Körper, Stimme und Identität. Bowie veränderte damit nicht nur sein Aussehen, sondern auch die Art, wie er sich auf einer Bühne bewegte und wahrgenommen wurde.
Veränderung als eigentliches Bowie-Thema
Morau beschreibt Bowies Karriere als eine Art künstlerische Wiedergeburt.
Eine Figur entstand, wurde vollständig ausgelebt und anschließend bewusst beendet, damit etwas Neues entstehen konnte. Ziggy Stardust musste verschwinden, bevor Aladdin Sane auftauchen konnte. Auch diese Identität blieb nicht bestehen.
Für „SUBJECT TO CHANGE“ soll genau dieser Kreislauf aus Entstehung, Veränderung und Neubeginn in Bewegung übersetzt werden.
Das macht bereits der Titel deutlich. „Subject to Change“ bedeutet sinngemäß, dass etwas jederzeit verändert werden kann – beinahe eine Zusammenfassung von Bowies gesamtem künstlerischen Ansatz.
Morau sieht darin auch die Möglichkeit, Bowie nicht einfach zu kopieren. Eine Produktion über einen Künstler, der selbst ständig Veränderung gesucht hat, soll sich ebenfalls trauen, mit seinem Material etwas Neues zu machen.
Bowies Originalstimme bleibt Bestandteil der Produktion
Ganz von Bowie lösen wird sich die Produktion musikalisch allerdings nicht.
Seine Originalaufnahmen und seine Stimme sollen im Stück verwendet werden. Gleichzeitig werden bekannte Songs neu arrangiert und in einen deutlich größeren musikalischen Rahmen eingebettet.
Dabei treffen Bowies Aufnahmen auf Chorklänge aus verschiedenen Teilen der Welt. Zusätzlich wirkt die spanische Sängerin und Komponistin María Arnal an der Produktion mit.
Das Ziel besteht offenbar darin, Songs, die unmittelbar mit einer der bekanntesten Stimmen der Popgeschichte verbunden sind, aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang herauszulösen und mit anderen Stimmen, Kulturen und musikalischen Traditionen zu verbinden.
Die musikalische Leitung übernehmen Alex Röser Vatiché und Ben Meerwein von OZCUR.
Welche Bowie-Songs konkret Bestandteil des Abends werden, wurde bislang noch nicht vollständig bekannt gegeben.
Keine klassische Greatest-Hits-Show
Wer auf eine Bühnenshow wartet, in der ein Bowie-Darsteller nacheinander „Heroes“, „Life on Mars?“, „Changes“ und „Let’s Dance“ singt, dürfte deshalb etwas vollkommen anderes bekommen.
Morau hat deutlich gemacht, dass ihn eine reine nostalgische Rekonstruktion nicht interessiert.
Die Musik soll verändert, aufgebrochen und in einen neuen Zusammenhang gestellt werden. Unterschiedliche Chorstimmen könnten bekannte Melodien völlig anders erscheinen lassen, während Tanz und physisches Theater die wechselnden Bowie-Persönlichkeiten nicht einfach imitieren, sondern neu interpretieren.
Der Ansatz passt ziemlich gut zu einem Künstler, dessen eigene Karriere von Veränderungen geprägt war.
Ein Bowie-Abend, der möglichst genau wie früher aussieht, wäre wahrscheinlich ausgerechnet bei Bowie eine ziemlich un-Bowie-hafte Idee.
Marcos Morau gehört zu Europas gefragten Choreografen
Mit Marcos Morau übernimmt ein Künstler das Projekt, der selbst für ungewöhnliche Bühnenwelten bekannt ist.
Morau gründete 2004 die Kompanie La Veronal, die sich inzwischen zu einer der international bekannten europäischen Tanzkompanien entwickelt hat. Ihre Produktionen wurden in mehr als 30 Ländern gezeigt.
Zu den Stationen gehören unter anderem das Théâtre National de Chaillot in Paris, die Biennale di Venezia, das Festival d’Avignon, Tanz im August in Berlin, Sadler’s Wells in London und Festivals in Seoul und Montréal.
Auch unabhängig von La Veronal arbeitet Morau mit einigen der bekanntesten Tanzensembles Europas zusammen. Dazu gehören das Paris Opera Ballet, Nederlands Dans Theater, das Ballet de l’Opéra de Lyon und das Royal Danish Ballet.
Seit 2023 ist er außerdem Associate Artist beim Staatsballett Berlin.
Der französische Staat ernannte ihn 2023 zum Ritter des Ordens für Kunst und Literatur. Die deutsche Fachzeitschrift „Tanz“ zeichnete ihn 2023 und 2025 als Choreografen des Jahres aus.
Ein international besetztes Kreativteam
Auch hinter den Kulissen wird die Produktion international aufgebaut.
Das Bühnenbild übernimmt Max Glaenzel, der bereits mehrfach mit Morau zusammengearbeitet hat. Für die Kostüme ist Silvia Delagneau verantwortlich.
Gerade das Kostümdesign dürfte bei einem Bowie-Projekt eine besondere Rolle spielen. Kleidung war in seiner Karriere nie bloße Dekoration. Viele seiner berühmtesten Figuren sind unmittelbar mit bestimmten Silhouetten, Farben und Designs verbunden.
Das zeigt bereits das erste offizielle Motiv zur Produktion.
Dafür wurde Bowies berühmter „Tokyo Pop“-Jumpsuit verwendet, den der japanische Designer Kansai Yamamoto entwarf. Bowie trug das auffällige Kleidungsstück 1973 während seiner Ziggy-Stardust-Phase.
Ob dieses konkrete Kostüm beziehungsweise eine entsprechende Gestaltung später Bestandteil des Bühnenstücks sein wird, ist damit allerdings noch nicht bestätigt.
Weltpremiere in Luxemburg
Bis zur Premiere dauert es noch etwas.
Im Frühjahr 2028 soll „SUBJECT TO CHANGE – A Dance for David Bowie“ erstmals bei Les Théâtres de la Ville de Luxembourg gezeigt werden.
Im Herbst 2028 folgt die britische Premiere im Sadler’s Wells Theatre in London.
Anschließend wandert die Produktion weiter nach Asien. Für Frühjahr 2029 ist die Premiere im Bunkamura in Tokio vorgesehen.
Weitere Spielorte sollen noch bekannt gegeben werden. Hinter dem Projekt stehen bereits mehrere internationale Partner, darunter LAC Lugano Arte e Cultura, die Biennale di Venezia und das Centro Cultural de Belém in Lissabon.
Das Stück ist damit von Beginn an nicht als einzelne Londoner Produktion gedacht, sondern als internationales Projekt.
Bowie und Tanz gehören ohnehin zusammen
So ungewöhnlich die Kombination zunächst klingen mag, Tanz und Körperarbeit spielten in Bowies Karriere schon früh eine Rolle.
Er arbeitete unter anderem mit dem Tänzer, Schauspieler und Pantomimen Lindsay Kemp, der ihn in den 1960er-Jahren stark beeinflusste. Später kooperierte Bowie mit verschiedenen Choreografen und setzte Bewegung immer wieder gezielt als Bestandteil seiner Bühnenfiguren ein.
Gerade Ziggy Stardust funktionierte nicht nur über Musik oder Kleidung. Haltung, Gesten und Bewegungsstil gehörten genauso zu der Figur.
Ähnliches gilt für spätere Phasen.
Bowie erschuf seine Charaktere also nicht ausschließlich über Songs – er spielte sie mit seinem gesamten Körper. Für eine Tanzproduktion gibt es deshalb erheblich mehr Ausgangsmaterial, als man beim ersten Gedanken vielleicht vermuten würde.
Bowie bleibt auch zehn Jahre nach seinem Tod präsent
David Bowie starb am 10. Januar 2016, nur zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung seines letzten Albums „Blackstar“.
Mehr als zehn Jahre später wächst das kulturelle Interesse an seinem Werk weiter.
Für 2027, das Jahr seines 80. Geburtstags, wurde bereits das internationale „Bowie80“-Programm angekündigt. Dazu gehören Ausstellungen, audiovisuelle Produktionen und verschiedene Veranstaltungen rund um sein Werk.
Auch Teile des umfangreichen David-Bowie-Archivs des Victoria and Albert Museum gehen auf Tour.
„SUBJECT TO CHANGE“ setzt diese Beschäftigung anschließend fort – allerdings nicht als Ausstellung oder Konzert, sondern als eigenständiges neues Kunstwerk.
Ein Bowie-Stück, das sich Bowie nicht zu genau anschauen will
Vielleicht ist gerade das der spannendste Ansatz des Projekts.
David Bowie verbrachte große Teile seiner Karriere damit, Erwartungen zu zerstören. Sobald das Publikum glaubte verstanden zu haben, wer Bowie gerade war, hatte er sich häufig bereits wieder verändert.
Eine Tanzproduktion, die lediglich seine größten Momente reproduziert, würde diesem Gedanken kaum gerecht.
Marcos Morau versucht deshalb etwas anderes: Bowies Musik und Stimme bleiben erhalten, werden aber mit neuen Körpern, Chören, Kulturen und Bewegungen konfrontiert.
„SUBJECT TO CHANGE“ will David Bowie damit nicht auf der Bühne wiederauferstehen lassen. Es versucht vielmehr, genau das weiterzuführen, was Bowie selbst ständig getan hat: etwas Bekanntes nehmen – und daraus etwas machen, das vorher noch nicht existiert hat.
Quellen
- David Bowie – offizielle Website, 20. Oktober 2026: Offizielle Ankündigung von „SUBJECT TO CHANGE – A Dance for David Bowie“, Weltpremiere 2028, Beteiligte, musikalisches Konzept, Kreativteam und internationale Produktionspartner. David Bowie
- The Guardian, 20. Oktober 2026: Interview mit Marcos Morau über die künstlerische Ausrichtung, Bowies wechselnde Identitäten, die neuen Chorarrangements und den bewussten Verzicht auf eine rein nostalgische Tribute-Produktion. The Guardian
- Tokyu Bunkamura, 20. Oktober 2026: Ankündigung der internationalen Koproduktion, Weltpremiere in Luxemburg 2028, London-Premiere im Herbst 2028 und Asienpremiere in Tokio im Frühjahr 2029. プレスリリース・ニュースリリース配信シェアNo.1|PR TIMES
- David Bowie – Bowie80, 5. Oktober 2026: Informationen zu den weltweiten Aktivitäten rund um Bowies 80. Geburtstag im Jahr 2027. David Bowie