Der Musik-Streaming-Dienst Deezer treibt seine Strategie im Umgang mit künstlicher Intelligenz weiter voran und plant einen massiven Eingriff in die Benutzeroberfläche. Bis Ende 2026 soll ein spezieller Schalter eingeführt werden, mit dem Nutzerinnen und Nutzer KI-generierte Titel per Knopfdruck aus ihrem persönlichen Streaming-Erlebnis entfernen können. Die Plattform reagiert damit auf die zunehmende Verwässerung des Angebots durch vollautomatisiert erstellte Musikstücke und will den Hörern die volle Kontrolle über ihre Songauswahl zurückgeben.
Der geplante KI-Schalter und seine Funktionsweise
Das Kernstück der kommenden Neuerung ist ein intuitiv bedienbarer Filter im Interface des Streaming-Dienstes. Wer sich gezielt gegen rein synthetisch produzierte Musik entscheidet, soll diese über den Schalter vollständig aus dem individuellen Hörverlauf ausblenden können. Das Unternehmen hat dabei jedoch auch an die Flexibilität der Hörerschaft gedacht: Der geplante Schalter soll jederzeit umkehrbar sein. Nutzerinnen und Nutzer können die Filterung demnach flexibel wieder deaktivieren, sollten sie ihre Meinung ändern oder zu einem späteren Zeitpunkt doch wieder Zugriff auf die entsprechenden Titel erhalten wollen.
Obwohl KI-Songs nach aktuellen Schätzungen derzeit etwa ein bis drei Prozent des gesamten Streamings ausmachen, sieht das Unternehmen darin eine strukturelle Herausforderung für das gesamte Musikökosystem. Das Volumen dieser Tracks wächst stetig, weshalb Plattformbetreiber nach Wegen suchen, menschliche Handwerkskunst und automatisierte Massenproduktion auf ihren Servern klar voneinander zu trennen.
Hintergründe und Ergebnisse der Ipsos-Studie
Die Entscheidung für die Entwicklung des Filters basiert nicht nur auf internen Analysen, sondern wird durch konkrete Marktforschungsdaten untermauert. Eine interne Ipsos-Studie, die im November 2025 durchgeführt wurde, lieferte eindeutige Ergebnisse zum Stimmungsbild der Hörerschaft. Demnach gaben 45 Prozent der befragten Nutzer an, dass sie sich ausdrücklich die Möglichkeit wünschen, KI-generierte Inhalte von ihrem Musikkonsum auszuschließen.
Diese erhebliche Nachfrage nach Kontrollmöglichkeiten zeigt, dass ein beachtlicher Teil des Publikums dem unkontrollierten Zustrom synthetischer Tracks kritisch gegenübersteht. Die Studie diente dem Streaming-Anbieter als wichtiger Indikator dafür, dass rein technische Erkennungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, sondern auch die Endkunden direkt in die Lage versetzt werden müssen, ihre Präferenzen unkompliziert durchzusetzen.
Technische Erkennung und Kennzeichnung von KI-Tracks
Im Hintergrund setzt der Streaming-Dienst bereits seit längerer Zeit auf eigene technologische Lösungen, um die Qualität des Katalogs zu sichern. Kernstück ist dabei ein firmeneigenes, zum Patent angemeldetes KI-Erkennungstool. Dieses System durchleuchtet die hochgeladenen Inhalte und hat nach Unternehmensangaben bereits über 42 Millionen KI-Tracks erfolgreich aus den algorithmischen und redaktionellen Empfehlungen herausgefiltert.
Zusätzlich zu dieser automatisierten Vorsortierung greift seit Juni 2025 eine sichtbare Kennzeichnungspflicht auf der Plattform. Mehr als 14 Millionen KI-Alben wurden seither von Deezer eindeutig markiert, sodass für die Hörerschaft direkt ersichtlich ist, ob ein Release menschlichen Ursprungs ist oder aus maschineller Generierung stammt.
Auswirkungen auf Tantiemen und den Schutz von Künstlern
Die massenhafte Veröffentlichung vollständig synthetischer Musik ist für viele Plattformen längst nicht mehr nur ein ästhetisches Problem, sondern vor allem ein wirtschaftliches und sicherheitstechnisches Risiko. Deezer betont in diesem Zusammenhang, dass bis zu 85 Prozent der Streams von vollständig KI-generierten Titeln als betrügerisch eingestuft werden.
Um menschliche Künstlerinnen und Künstler sowie Urheber vor den finanziellen Folgen dieses automatisierten Betrugs zu schützen, zieht das Unternehmen Konsequenzen bei der Abrechnung. Entsprechend als betrügerisch eingestufte Streams werden rigoros von den Tantiemenzahlungen ausgeschlossen. Damit soll verhindert werden, dass automatisierte Bot-Netzwerke oder kommerzielle Betrüger Einnahmen generieren, die eigentlich den Urhebern authentischer Musik zustehen.