Vision lebt – irgendwie zumindest
Bei Marvel ist „tot“ bekanntlich ein ausgesprochen dehnbarer Begriff.
Das gilt ganz besonders für Vision.
Nachdem der von Paul Bettany gespielte Avenger in „Avengers: Infinity War“ eigentlich gestorben war, kehrte er in „WandaVision“ gleich in mehreren Varianten zurück.
Am Ende blieb White Vision übrig: ein neu zusammengesetzter Körper, der zwar Visions Erinnerungen zurückbekommen hatte, aber trotzdem nicht einfach wieder der alte Vision war.
Und genau dort setzt „VisionQuest“ an.
Die neue Marvel-Serie ist seit 14. Oktober 2026 in Deutschland bei Disney+ verfügbar. Zum Start stehen direkt die ersten beiden Folgen bereit.
Ein Superheld arbeitet plötzlich in einem Pub
Wer erwartet, dass Vision nach seiner Rückkehr direkt wieder neben den Avengers durch irgendwelche Portale fliegt, bekommt zunächst etwas ganz anderes.
Er versteckt sich.
Und zwar in Edinburgh.
Dort arbeitet Vision unerkannt in einem Pub und versucht, möglichst wenig Aufmerksamkeit zu erregen.
Für ein künstliches Wesen mit Superkräften, dessen Gesicht normalerweise ziemlich eindeutig signalisiert „Ich bin ein Marvel-Superheld“, ist das schon einmal eine ambitionierte Lebensplanung.
Doch Vision versucht tatsächlich, ein neues Leben aufzubauen.
Das größere Problem ist ohnehin nicht seine Tarnung.
Sondern die Frage, wer dieser Vision eigentlich ist.
Erinnerungen machen noch keine Persönlichkeit
White Vision besitzt Erinnerungen seines früheren Ichs.
Aber sind Erinnerungen allein genug, um dieselbe Person zu sein?
Genau darum dreht sich ein großer Teil der neuen Serie.
Vision weiß, was sein früheres Ich erlebt hat.
Er kennt Wanda.
Er kennt die Avengers.
Er kennt seine gemeinsame Vergangenheit.
Trotzdem fühlt sich dieses Leben für ihn teilweise so an, als würde er sich an die Geschichte eines anderen Menschen erinnern.
„VisionQuest“ macht daraus keine Nebensache, sondern das zentrale Thema der Serie.
Vision sucht nicht einfach nur seinen Platz in der Welt.
Er muss zunächst entscheiden, was von seiner alten Identität tatsächlich noch zu ihm gehört.
In seinem Kopf wohnt eine ziemlich seltsame WG
Dabei bekommt Vision Unterstützung.
Oder zumindest etwas, das theoretisch als Unterstützung durchgehen könnte.
In seinem Bewusstsein existieren mehrere künstliche Intelligenzen, die Marvel-Fans teilweise bereits kennen.
Dazu gehören J.A.R.V.I.S., F.R.I.D.A.Y., E.D.I.T.H. und weitere digitale Persönlichkeiten.
Vision kann mit ihnen kommunizieren.
Die Serie stellt diese Programme dabei nicht nur als körperlose Stimmen dar, sondern gibt ihnen eigene Erscheinungsformen innerhalb seiner Gedankenwelt.
Dadurch verwandelt sich Visions Bewusstsein fast in eine Art Haus voller Mitbewohner.
Und einer davon dürfte bei der Suche nach innerem Frieden eher hinderlich sein.
Ultron ist tatsächlich wieder da
James Spader kehrt als Ultron zurück.
Mehr als elf Jahre nach „Avengers: Age of Ultron“ bekommt einer der bekanntesten Marvel-Schurken damit wieder eine größere Rolle im MCU.
Und das ergibt innerhalb der Geschichte durchaus Sinn.
Ultron und Vision sind eng miteinander verbunden.
Beide entstanden aus Technologien und Ideen, die teilweise denselben Ursprung haben.
Während Vision jedoch versucht, menschlicher zu werden, entwickelte Ultron bekanntlich eine etwas andere Vorstellung davon, was mit der Menschheit passieren sollte.
Jetzt existiert er ausgerechnet in Visions digitalem Innenleben.
Man könnte sagen: Es gibt angenehmere Stimmen, die einem bei einer Identitätskrise Ratschläge geben könnten.
James Spader spielt Ultron diesmal anders
Interessant ist, dass Ultron nicht einfach exakt so zurückkehrt, wie wir ihn aus dem Film von 2015 kennen.
James Spader beschreibt die Figur inzwischen als verändert.
Auch Ultron hat gewissermaßen Zeit gehabt, sich weiterzuentwickeln.
In Visions Bewusstsein kann er reden, provozieren und Einfluss nehmen.
Damit wird er weniger zu einem klassischen Robotergegner, gegen den Vision einfach kämpfen kann.
Ultron sitzt dort, wo man schlecht vor ihm weglaufen kann:
im eigenen Kopf.
Und genau deshalb muss Vision ständig herausfinden, welchen seiner digitalen Begleiter er tatsächlich vertrauen kann.
Dann taucht plötzlich Thomas auf
Visions ohnehin schon komplizierte Selbstfindungsphase wird noch schwieriger, als Thomas Shepherd ins Spiel kommt.
Der junge Mann wird von Ruaridh Mollica gespielt.
Und er könnte sehr viel mehr sein als irgendein Teenager, der zufällig Visions Weg kreuzt.
Thomas besitzt offenbar eine Verbindung zu Tommy Maximoff.
Also zu jenem Sohn, den Wanda und Vision während der Ereignisse von „WandaVision“ hatten.
Die offizielle Beschreibung geht sogar noch weiter:
Thomas könnte Visions wiedergeborener Sohn sein.
Für Vision entsteht damit ein ziemlich merkwürdiges Problem.
Er versucht gerade herauszufinden, ob er selbst überhaupt noch derselbe Mensch beziehungsweise Synthezoid ist – und soll gleichzeitig akzeptieren, dass ein fremder Junge möglicherweise sein Sohn aus einem Leben ist, das er nur aus Erinnerungen kennt.
Marvel macht es ihm wirklich nicht leicht.
Auf Vision wurde ein Kopfgeld ausgesetzt
Zeit zum ruhigen Familiengespräch bleibt allerdings kaum.
Vision wird verfolgt.
Auf ihn wurde ein Kopfgeld ausgesetzt.
Der Söldner Paladin, gespielt von Todd Stashwick, soll ihn finden.
Dabei gerät auch Thomas ins Visier.
Aus Visions zurückgezogenem Leben wird deshalb ziemlich schnell eine Flucht.
Und aus einer philosophischen Geschichte über Identität entwickelt sich gleichzeitig wieder eine klassische Marvel-Handlung mit Verfolgungsjagden, Superkräften und Gegnern.
Die Serie versucht bewusst, beide Ebenen miteinander zu verbinden.
Das Finale einer kleinen „WandaVision“-Trilogie
Marvel bezeichnet „VisionQuest“ als Abschluss einer Trilogie.
Begonnen hat diese mit „WandaVision“ im Jahr 2021.
2024 folgte „Agatha All Along“.
Nun rückt Vision selbst in den Mittelpunkt.
Damit schließen sich mehrere Handlungsstränge, die inzwischen seit fünf Jahren durch die Marvel-Serienwelt laufen.
Wer „WandaVision“ gesehen hat, dürfte deshalb deutlich mehr aus „VisionQuest“ herausholen.
Auch Ereignisse aus anderen MCU-Produktionen spielen eine Rolle.
Trotzdem versucht die Serie, Visions persönliche Geschichte stärker in den Vordergrund zu stellen als das komplette Marvel-Universum.
Paul Bettany bekommt endlich die Hauptrolle
Paul Bettany gehört eigentlich schon ziemlich lange zum MCU.
Sogar länger, als Vision überhaupt existiert.
Bereits 2008 war Bettany als Stimme von J.A.R.V.I.S. in „Iron Man“ dabei.
2015 wurde daraus schließlich Vision.
Seitdem spielte er die Figur in mehreren Avengers-Filmen und natürlich in „WandaVision“.
Mit „VisionQuest“ bekommt Bettany nun erstmals eine Serie, in der Vision klar die Hauptfigur ist.
Und ausgerechnet dabei trifft er auf mehrere künstliche Intelligenzen, die an seine eigene Marvel-Vergangenheit erinnern.
James D'Arcy übernimmt beispielsweise J.A.R.V.I.S., während Orla Brady F.R.I.D.A.Y. verkörpert.
Terry Matalas übernimmt die Serie
Als Showrunner ist Terry Matalas verantwortlich.
Science-Fiction-Fans kennen ihn unter anderem durch „12 Monkeys“ und „Star Trek: Picard“.
Matalas hat auch selbst an der neuen Marvel-Serie geschrieben und bei einer Episode Regie geführt.
Weitere Regisseure sind Christopher J. Byrne, Gandja Monteiro und Vincenzo Natali.
Gerade Matalas’ Beteiligung dürfte interessant sein, weil „VisionQuest“ offenbar deutlich stärker in Richtung Science-Fiction geht als manche andere Marvel-Serie.
Denn die Frage, wann künstliches Leben tatsächlich zu einem Menschen wird, gehört praktisch zur DNA dieser Figur.
Insgesamt acht Folgen
„VisionQuest“ besteht aus acht Episoden.
Zum Start wurden die ersten beiden Folgen veröffentlicht.
Weitere Episoden folgen anschließend schrittweise bei Disney+.
Marvel kehrt damit erneut vom kompletten Binge-Release ab.
Die Geschichte soll sich über mehrere Wochen entwickeln – inklusive ausreichend Zeit dazwischen, damit Fans wieder jedes Detail, jede Figur und vermutlich auch jeden verdächtig platzierten Toaster analysieren können.
Bei „WandaVision“ hat das schließlich schon hervorragend funktioniert.
„VisionQuest“ ist mehr als nur Ultron gegen Vision
Natürlich ist James Spaders Rückkehr als Ultron einer der auffälligsten Gründe, warum Marvel-Fans bei der neuen Serie neugierig werden dürften.
Aber „VisionQuest“ scheint bewusst mehr daraus machen zu wollen.
Im Zentrum steht eigentlich eine ziemlich menschliche Frage:
Wenn man alle Erinnerungen eines Menschen besitzt – ist man dann automatisch dieser Mensch?
Vision hat seine Vergangenheit zurück.
Aber er muss selbst entscheiden, was sie für seine Zukunft bedeutet.
Gleichzeitig taucht ein möglicher Sohn auf, ein alter Feind sitzt in seinem Bewusstsein und irgendein Söldner möchte ihn auch noch einfangen.
Selbstfindung war im Marvel-Universum offenbar schon einmal entspannter.
Die ersten beiden Episoden von „VisionQuest“ sind ab sofort bei Disney+ verfügbar.
Quellen
Disney+ Deutschland – „VisionQuest“
Offizielle deutsche Serienseite mit Start am 14. Oktober 2026 sowie Angaben zur Handlung rund um Vision, Ultron, Thomas Shepherd und das auf Vision ausgesetzte Kopfgeld. Disney+
VisionQuest bei Disney+
The Walt Disney Company – „VisionQuest: Paul Bettany and James Spader on Vision’s Journey of Self-Discovery“, 13. Oktober 2026
Offizielle Hintergrundinformationen zu Visions Leben in Edinburgh, den KI-Persönlichkeiten, Ultron, Thomas Shepherd und Paladin sowie zum Start mit zwei Episoden. The Walt Disney Company
Disney – Hinter den Kulissen von VisionQuest
Marvel – „Marvel Television’s VisionQuest Debuts This Fall“, 12. Mai 2026
Offizielle Bestätigung von Paul Bettany, James Spader, Showrunner Terry Matalas sowie der Einordnung als Abschluss der Trilogie aus „WandaVision“, „Agatha All Along“ und „VisionQuest“. Marvel
Marvel – VisionQuest
The Walt Disney Company – D23 2026
Offizielle Angaben zur Besetzung, zu Thomas Shepard, den beteiligten Regisseuren und Autoren sowie zu Visions Flucht und seiner Auseinandersetzung mit Ultron. The Walt Disney Company
Disney – VisionQuest bei der D23 2026
GamesRadar – „VisionQuest release schedule“, 12. Oktober 2026
Angaben zur achtteiligen Staffel und zum Veröffentlichungsplan der Episoden. gamesradar.com