Was für ein Unterschied innerhalb von nur sieben Tagen.
Vergangene Woche konnten Miley Cyrus und ihr Team noch feiern: „Bass Persuades“ stieg direkt auf Platz 1 der Billboard 200 ein und bescherte der Sängerin ihre erste US-Nummer-1 seit „Bangerz“ im Jahr 2013.
Eine Woche später findet sich das Album auf Platz 157 wieder.
Damit verliert „Bass Persuades“ innerhalb einer einzigen Chartwoche unglaubliche 156 Positionen. EW.com
Der größte Absturz nach einem Nummer-1-Debüt
Die Zahl ist nicht nur ungewöhnlich – sie schreibt tatsächlich Chartgeschichte.
„Bass Persuades“ verzeichnet damit den größten Rückgang in der zweiten Woche eines Albums, das unmittelbar auf Platz 1 der Billboard 200 debütiert war. Rombo Magazine
Diese Einschränkung ist wichtig.
Denn es gab bereits Alben, die von Platz 1 noch tiefer abstürzten.
Bon Jovis „This House Is Not for Sale“ fiel 2018 beispielsweise von Platz 1 auf Platz 169. Das Album war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits deutlich länger veröffentlicht und nach einer späteren Verkaufsaktion noch einmal an die Chartspitze zurückgekehrt.
Auch Travis Scotts „Days Before Rodeo“ verschwand nach einer späteren Nummer-1-Woche komplett aus den Billboard 200.
Mileys Rekord betrifft deshalb ausdrücklich die direkte zweite Woche nach einem Nummer-1-Debüt. Rombo Magazine
Von 61.000 Einheiten auf Platz 157
Der Absturz wirkt noch extremer, wenn man sich den Start des Albums anschaut.
„Bass Persuades“ eröffnete mit rund 61.000 Equivalent Album Units.
Davon entfielen 47.000 Einheiten auf klassische Albumverkäufe.
Weitere 14.000 Einheiten entstanden durch Streaming, basierend auf rund 14,22 Millionen On-Demand-Streams. Rombo Magazine
Schon damals war auffällig:
Der Nummer-1-Erfolg wurde sehr stark durch tatsächliche Albumkäufe getragen.
Zahlreiche Editionen halfen beim Start
Atlantic Records und Mileys Team veröffentlichten zum Start eine ungewöhnlich große Anzahl unterschiedlicher Versionen des Albums.
Berichten zufolge gab es unter anderem 16 Vinylvarianten, neun CD-Ausgaben, sechs Download-Versionen und eine Kassette.
Hinzu kamen digitale Sondereditionen mit Instrumentalversionen, A-cappella-Tracks, Demos und zusätzlichen Voice Notes.
Außerdem wurde der Preis einzelner digitaler Varianten reduziert. Dispatch Times
Für die erste Verkaufswoche war das äußerst effektiv.
Solche Sondereditionen werden allerdings häufig überwiegend von besonders engagierten Fans direkt zum Veröffentlichungsstart gekauft.
In Woche zwei fällt dieser Effekt naturgemäß deutlich kleiner aus.
Platz 1 war ohnehin extrem knapp
Hinzu kommt, dass Miley die Billboard 200 bereits in ihrer ersten Woche nur hauchdünn gewonnen hatte.
„Bass Persuades“ setzte sich mit ungefähr 61.000 Einheiten gegen Ella Langleys „Dandelion“ durch.
Mehrere Berichte beziffern den Abstand auf lediglich rund 70 Album-Einheiten. Parade
Damit war der Sprung auf Platz 1 zwar völlig regulär – aber von Anfang an kein Zeichen dafür, dass das Album den amerikanischen Markt mit riesigem Abstand dominierte.
Ein Nummer-1-Debüt bedeutet heute nicht automatisch langfristigen Erfolg
Der Fall zeigt gleichzeitig ziemlich gut, wie stark sich Albumcharts verändert haben.
Früher bedeutete ein Nummer-1-Album häufig, dass eine Veröffentlichung über Wochen hinweg große Verkaufszahlen erzielte.
Heute können sehr konzentrierte Verkäufe innerhalb einer einzigen Tracking-Woche einen enormen Unterschied machen.
Eine große Fangemeinde kauft Vinyl, CDs oder digitale Sondereditionen direkt zum Start.
In der folgenden Woche verschwinden diese Einmalkäufe weitgehend.
Dann gewinnen vor allem anhaltende Streams und kontinuierliche Nachfrage an Bedeutung.
Und genau dort scheint „Bass Persuades“ momentan wesentlich weniger stabil zu sein als beim physischen Verkauf.
Trotzdem war die Nummer 1 ein echter Erfolg
Der heftige Rückgang ändert allerdings nichts daran, dass „Bass Persuades“ tatsächlich Platz 1 erreicht hat.
Es war Mileys sechstes Nummer-1-Album in den USA und ihr erstes seit „Bangerz“ vor fast 13 Jahren.
Gleichzeitig erreichte sie mit dem Album ihre mittlerweile 16. Top-10-Platzierung in den Billboard 200. People.com
Gerade deshalb ist die Entwicklung so ungewöhnlich:
Innerhalb von zwei Wochen produziert dasselbe Album gleich zwei bemerkenswerte Chartgeschichten.
Erst die lange erwartete Rückkehr auf Platz 1.
Dann der historische Absturz.
Schon „Something Beautiful“ fiel schnell
Ganz neu ist ein starker Rückgang bei Miley allerdings nicht.
Ihr vorheriges Album „Something Beautiful“ startete 2025 mit rund 44.000 Einheiten auf Platz 4 der Billboard 200.
Bereits in der zweiten Woche fiel es auf Platz 102.
Nach der dritten Woche war es nicht mehr in den Top 200 vertreten. EW.com
„Bass Persuades“ startete wesentlich besser – verliert danach aber noch deutlich schneller an Positionen.
Ganz anders sah es bei „Endless Summer Vacation“ aus
Der direkte Vergleich mit „Endless Summer Vacation“ zeigt den Unterschied.
Das 2023 veröffentlichte Album enthielt mit „Flowers“ einen der größten Hits in Mileys Karriere.
„Flowers“ erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100 und entwickelte sich über Monate zu einem weltweiten Streaming-Hit.
Der Song gewann später unter anderem den Grammy für Record of the Year und Best Pop Solo Performance. EW.com
Genau ein solcher massiver, langfristiger Streaming-Hit fehlt der neuen Platte bislang.
Der Titelsong hatte trotzdem einen ordentlichen Start
Komplett ohne Single-Erfolg ist „Bass Persuades“ allerdings nicht.
Der gleichnamige Titelsong debütierte auf Platz 35 der Billboard Hot 100.
Damit wurde er Mileys erster Solo-Top-40-Hit in den USA seit „Used to Be Young“ im Jahr 2023. EW.com
Auch das Musikvideo sorgte für Aufmerksamkeit.
International entwickelte sich der Song ebenfalls solide – in Großbritannien erreichte er beispielsweise Platz 31. Offizielle Charts
Nur reicht dieser Erfolg bislang offenbar nicht aus, um das komplette Album über Streaming weit oben in den Billboard 200 zu halten.
Ist „Bass Persuades“ deshalb ein Flop?
Diese Frage dürfte jetzt zwangsläufig auftauchen.
Ganz so einfach lässt sie sich allerdings nicht beantworten.
Ein Album, das Platz 1 erreicht, ist zunächst einmal ein Nummer-1-Album.
Die erste Woche zeigt zudem, dass Miley weiterhin eine große Fangemeinde besitzt, die bereit ist, physische Produkte und Sondereditionen zu kaufen.
Der enorme zweite Wochenverlust zeigt allerdings ebenso deutlich, dass die Nachfrage nach dem Album nach dem unmittelbaren Veröffentlichungsschub stark eingebrochen ist.
Beides kann gleichzeitig stimmen.
Die Chartmechanik spielt eine große Rolle
Gerade deshalb sollte man Platz 157 nicht isoliert betrachten.
„Bass Persuades“ startete stark verkaufsgetrieben.
47.000 der 61.000 ersten Einheiten kamen durch Albumkäufe zustande.
Streaming machte lediglich rund 14.000 Einheiten aus.
Wenn ein Großteil der besonders engagierten Fans bereits in Woche eins kauft, kann die Verkaufszahl anschließend extrem fallen.
Bei Alben, die hauptsächlich über Streaming erfolgreich sind, verteilt sich die Nachfrage häufig wesentlich gleichmäßiger über mehrere Wochen.
Miley produziert damit gleich zwei Rekorde innerhalb kürzester Zeit
Fast ironisch ist deshalb, wie schnell sich die Schlagzeile verändert hat.
Vor wenigen Tagen hieß es noch:
Miley Cyrus erstmals seit 2013 wieder auf Platz 1.
Jetzt lautet die Meldung:
Miley Cyrus fällt von Platz 1 auf Platz 157.
Beides beschreibt dasselbe Album.
Und beides gehört nun zu seiner Chartgeschichte.
Der Fokus verschiebt sich jetzt auf die Hollywood-Bowl-Shows
Für Miley selbst dürfte sich der Blick ohnehin bald weg von den reinen Albumcharts bewegen.
Am 16. und 18. Oktober stehen ihre beiden großen Konzerte im Hollywood Bowl in Los Angeles an.
Für die Shows war die Nachfrage enorm.
Berichten zufolge befanden sich während des Vorverkaufs fast 1,5 Millionen Menschen in der Ticket-Warteschlange. Parade
Diese Zahl zeigt zumindest eines ziemlich deutlich:
Dass das Album in den Charts abstürzt, bedeutet nicht automatisch, dass auch das allgemeine Interesse an Miley Cyrus verschwunden wäre.
Ein ungewöhnliches Beispiel für moderne Charts
Vielleicht ist genau das die spannendste Geschichte hinter diesem Absturz.
Miley Cyrus kann gleichzeitig:
ein Nummer-1-Album haben,
fast 1,5 Millionen Menschen für zwei Konzerte in eine Ticket-Warteschlange bringen,
einen Top-40-Hit veröffentlichen
und trotzdem nur eine Woche später mit ihrem Album auf Platz 157 stehen.
Vor einigen Jahrzehnten wäre eine solche Kombination kaum denkbar gewesen.
Im modernen Musikmarkt mit Streaming, Vinylvarianten, Deluxe-Ausgaben und konzentrierten Fanverkäufen ist sie dagegen möglich.
Von ganz oben beinahe ans andere Ende der Charts
Für „Bass Persuades“ bleibt der Absturz trotzdem außergewöhnlich.
Platz 1 auf Platz 157 innerhalb einer Woche.
156 verlorene Positionen.
Der stärkste direkte Zweitwochen-Absturz eines Albums, das auf Platz 1 debütiert war.
Eine Woche nach ihrem großen Chart-Comeback schreibt Miley Cyrus damit erneut Billboard-Geschichte.
Nur diesmal dürfte der Rekord einer sein, auf den ihr Team wahrscheinlich lieber verzichtet hätte.
Quellen
- Entertainment Weekly: Bestätigung des Absturzes von Platz 1 auf Platz 157, Vergleich mit Bon Jovi sowie Einordnung zu „Something Beautiful“ und dem Erfolg des Titelsongs. EW.com
- Variety: Einordnung als größter Zweitwochen-Absturz eines Albums, das direkt auf Platz 1 der Billboard 200 debütierte. Variety
- Parade: 156 verlorene Plätze, extrem knapper Nummer-1-Sieg in Woche eins und Nachfrage nach den Hollywood-Bowl-Konzerten. Parade
- Rolling Stone / Billboard-Daten: 61.000 Equivalent Album Units beim Debüt und erster Nummer-1-Erfolg seit „Bangerz“. Rolling Stone
- People: Sechstes Nummer-1-Album und 16. Top-10-Album für Miley. People.com
- InMusic: Details zu den digitalen Sondereditionen und dem außergewöhnlichen Chartabsturz. InMusic