Am 26. September verwandelte sich die Bundeshauptstadt in einen echten Anlaufpunkt für Liebhaber handgemachter Gitarrenmusik. Das vierte Niranium Festival ging in Berlin über die Bühne und bewies einmal mehr, dass ein breit gefächertes Programm und eine klare Haltung für Vielfalt und Toleranz hervorragend harmonieren. Die Veranstaltung bot den Besuchern ein abwechslungsreiches musikalisches Spektrum, das von melancholisch-träumerischen Passagen bis hin zu kompromisslosen, harten Riffs reichte und die verschiedenen Facetten der Rock- und Metal-Welt beleuchtete.
Ein vielschichtiger Auftakt: Von melancholischen Klängen bis zum Power-Trio
Den musikalischen Auftakt des Abends gestalteten Glooom. Die Band eröffnete das Festival mit melancholisch-träumerischen Klängen, die das Publikum direkt in eine dichte Atmosphäre hüllten. Im Anschluss übernahm das ungestüme Power-Trio Eddie die Bühne. Die Musiker drehten die Verstärker ordentlich auf und sorgten mit ihrem druckvollen Auftritt für erste energiegeladene Momente im Raum. Als dritte Formation traten Riot Spears auf die Bühne. Sie brachten eine gehörige Portion Humor in die Veranstaltung und verstanden es, die Stimmung auf spielerische Weise aufzulockern, bevor der Abend in eine klassischere Richtung überging.
Klassische Akzente und unvorhergesehene Zwischenfälle bei Bonsai Kitten
Mit dem Auftritt von Bonsai Kitten erhielt das Programm eine deutlich klassischere Rock-Note. Frontfrau und Sängerin Tiger Lilly Marlen führte das Publikum souverän durch eine Setlist, die bekannte Stücke wie „The Devil Inside You“, „I Love That You Hate Me“ und „Love And Let Die“ umfasste. Für einen unvergesslichen Moment sorgte dabei Gitarrist André „Wally“ Wahlhäuser: Bei einem lauten Neil-Young-Cover ging es auf der Bühne so wild zu, dass sogar sein Gitarrengurt zerbrach – ein Zwischenfall, den die Band mit professioneller Gelassenheit nahm und der beim Publikum für Begeisterung sorgte.
Das brasilianische Trio Nungara als musikalischer Headliner
Den absoluten Höhepunkt des Festivals markierte der Auftritt des brasilianischen Trios Nungara. Angeführt von Frontfrau Noelle dos Anjos präsentierte die Formation einen dunkleren, groovig-finesen Sound, der sich stilistisch deutlich von den vorherigen Acts absetzte und dem Abend eine intensive, brachiale Note verlieh. Neben bekannten Stücken aus ihrer im Jahr 2023 veröffentlichten EP „REFLECTION IN STILLNESS“ sowie der Debütsingle „Sumauma“ gab die Band auch exklusive Einblicke in ihre Zukunft: Nungara spielten unveröffentlichtes Material, das für ein geplantes Studioalbum vorgesehen ist.
Ein gelungener Querschnitt der Gitarrenmusik
Das vierte Niranium Festival in Berlin zeigte eindrucksvoll, wie vielseitig die moderne Gitarrenszene aufgestellt ist. Die Mischung aus verträumten Klängen, punkigen Elementen, klassischem Rock und härteren Metal-Einflüssen bot ein rundes Gesamterlebnis. Ohne künstliche Effektheischerei stand das musikalische Handwerk im Vordergrund und machte den Abend zu einem gelungenen Treffen für Fans unterschiedlicher Subgenres.