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Musik · Games

„007 First Light“ und „Saros“ kämpfen um einen Ivor Novello für beste Videospielmusik

Redaktionelle Illustration zu den nominierten Videospiel-Soundtracks von „007 First Light“, „Saros“ und „Spirit of the North 2“ mit goldener Ivor-Novello-Trophäe und musikalischen Elementen.

James Bond gegen eine finstere Sci-Fi-Welt – zumindest musikalisch: Die Soundtracks von „007 First Light“ und „Saros“ gehören zu den drei Nominierten für den Ivor Novello Award als „Best Original Video Game Score“. Komplettiert wird das Feld von „Spirit of the North 2“. Der Preis wird erstmals im Rahmen der neuen Ivors Composer Awards verliehen, die am 17. November in London stattfinden.

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Videospielmusik bekommt eine größere Bühne

Dass Musik in Videospielen längst mehr ist als ein paar Melodien während des Startbildschirms, dürfte niemanden mehr überraschen. Moderne Games arbeiten mit aufwendigen Orchestern, elektronischen Klangwelten und Musiksystemen, die sich während des Spielens dynamisch verändern.

Genau diese Arbeit rückt die Ivors Academy bei ihren neuen Ivors Composer Awards stärker ins Zentrum. Am 20. Oktober wurden die Nominierten der ersten Ausgabe bekannt gegeben. Insgesamt werden Komponisten in neun Kategorien aus Bereichen wie Film, Fernsehen, Dokumentation, Videospielen, Theater und Konzertmusik ausgezeichnet.

Für Games gibt es die Kategorie „Best Original Video Game Score“. Dabei geht es ausdrücklich um Musik, die nicht nur gut klingt, sondern eine aktive Rolle für Welt, Atmosphäre und Spielerlebnis übernimmt.

Drei Soundtracks haben es 2026 in die finale Auswahl geschafft.

Diese drei Spiele sind nominiert

Um den Ivor Novello Award treten an:

  • „007 First Light“ – The Flight
  • „Saros“ – Sam Slater
  • „Spirit of the North 2“ – Pav Gekko

Damit treffen drei ziemlich unterschiedliche musikalische Konzepte aufeinander.

James Bond bringt jahrzehntelange musikalische Tradition mit. „Saros“ setzt auf eine düstere Mischung aus elektronischen Klängen, verzerrten Gitarren und experimenteller Atmosphäre. „Spirit of the North 2“ geht dagegen deutlich ruhiger vor und orientiert sich an nordischen Landschaften, Ambient und minimalistischer Musik.

Ein klarer gemeinsamer Stil lässt sich daraus kaum ableiten – und genau das macht die Auswahl interessant.

„007 First Light“ muss wie Bond klingen – aber noch nicht ganz

Bei „007 First Light“ standen die Komponisten vor einer besonders schwierigen Aufgabe.

Kaum eine Filmfigur besitzt eine derart leicht erkennbare musikalische Identität wie James Bond. Bereits wenige Töne reichen, und praktisch jeder weiß, zu welcher Figur sie gehören.

Gleichzeitig erzählt das Spiel keine Geschichte über den bereits vollkommen souveränen Geheimagenten. IO Interactive zeigt einen jüngeren Bond am Anfang seiner Karriere, der sich seinen Platz als 007 erst verdienen muss.

Für den Score engagierte das Studio The Flight, bestehend aus Joe Henson und Alexis Smith.

Das Duo verbindet große orchestrale Arrangements mit modernen elektronischen Elementen. Genau diese Kombination soll die Entwicklung der Hauptfigur widerspiegeln: Der klassische Bond-Sound ist vorhanden, wird aber nicht sofort vollständig ausgespielt.

Selbst die berühmten Bond-Motive müssen verdient werden

Eine interessante Entscheidung betrifft ausgerechnet das musikalische Material, auf das Fans vermutlich am meisten warten.

Die bekannten Bond-Motive werden bewusst zurückgehalten.

Je mehr sich die Spielfigur im Laufe der Geschichte zu dem Agenten entwickelt, den das Publikum kennt, desto stärker darf auch die klassische musikalische Identität hervortreten.

Das ist eine ungewöhnlich spielerische Herangehensweise an einen bekannten Soundtrack. Musik kommentiert hier nicht lediglich, was gerade passiert. Sie entwickelt sich gemeinsam mit der Figur.

Ein großer Teil des Scores ist zudem interaktiv aufgebaut. Die Musik muss reagieren können, wenn Spieler beispielsweise von einer vorsichtigen Infiltration plötzlich in eine Verfolgungsjagd oder einen großen Actionmoment wechseln.

The Flight komponierten dafür rund drei Stunden Musik.

Bond bekommt trotzdem echtes Kinoformat

Trotz aller modernen Elemente verzichtet „007 First Light“ nicht auf das, was Fans von Bond erwarten.

Für den Score wurden umfangreiche Orchesteraufnahmen produziert. Die Bläser entstanden im legendären Abbey Road Studio 1, während die Streicher in den Angel Studios aufgenommen wurden.

Damit bekommt das Spiel musikalisch Dimensionen, die problemlos auch zu einer großen Kinoproduktion passen würden.

Parallel dazu gibt es mit „First Light“ außerdem einen klassischen Bond-Titelsong. Gesungen wird er von Lana Del Rey, geschrieben und komponiert gemeinsam mit dem langjährigen Bond-Komponisten David Arnold.

Wichtig für die aktuelle Nominierung: Der Ivor für den Videospielscore geht an The Flight. Der prominente Titelsong ist nicht das Werk, das in dieser Kategorie nominiert wurde.

„Saros“ klingt deutlich unangenehmer – mit Absicht

Musikalisch könnte der zweite große Kandidat kaum weiter von Bond entfernt sein.

Für Housemarques Science-Fiction-Actionspiel „Saros“ komponierte Sam Slater einen Soundtrack, der dunkle Synthesizer, Drone Metal, manipulierte Stimmen und stark verzerrte Gitarren miteinander verbindet.

Das Ergebnis soll den fremdartigen Planeten Carcosa nicht nur begleiten, sondern ihm eine eigene musikalische Persönlichkeit geben.

Slater beschrieb die Entwicklung des Scores selbst als gewaltiges, düsteres Rätsel.

Die zentrale Frage lautete dabei nicht einfach, welche Musik gut zu Kämpfen passt. Das Team wollte herausfinden, wie Carcosa überhaupt klingen würde, wenn dieser fiktive Ort eine eigene musikalische Seele hätte.

Zwischen Drone Metal und elektronischer Finsternis

Ein wichtiger Ausgangspunkt war die gemeinsame Begeisterung von Slater und Creative Director Gregory Louden für Metal.

Daraus entwickelte sich die Idee, Drone Metal mit dunkler elektronischer Musik zu verbinden.

Beide Klangwelten erzeugen zwar Intensität, funktionieren aber vollkommen unterschiedlich. Verzerrte Gitarren wirken rau und organisch, während elektronische Klänge kalt, präzise und teilweise geradezu klinisch wirken können.

Aus diesem Gegensatz entstand die musikalische Identität des Spiels.

Hinzu kommen bearbeitete menschliche Stimmen, mit denen Slater trotz aller Science-Fiction-Elemente immer wieder etwas Menschliches in die fremde Welt bringen wollte.

Gerade die Verbindung zwischen Arjun Devraj und seiner Suche nach Nitya spielt dabei musikalisch eine wichtige Rolle.

„Saros“ hat in diesem Jahr schon drei Musikpreise gewonnen

Die Ivor-Nominierung ist für „Saros“ nicht die erste Anerkennung seiner Audioarbeit.

Erst wenige Tage vor Bekanntgabe der neuen Nominierungen gewann das Spiel bei den Music+Sound Awards 2026 gleich drei Preise.

Ausgezeichnet wurde „Saros“ für die beste Originalkomposition während des Gameplays, für die beste Originalkomposition in Filmsequenzen und für das Sounddesign seiner Cinematics.

Das ist besonders interessant, weil in einigen dieser Kategorien auch „007 First Light“ zu den Konkurrenten gehörte.

Bei den Ivors beginnt das Duell nun erneut – diesmal allerdings ausschließlich mit Blick auf die musikalische Komposition.

Der dritte Kandidat sollte nicht übersehen werden

Zwischen Bond und dem großen PlayStation-Science-Fiction-Spiel könnte „Spirit of the North 2“ leicht etwas untergehen.

Musikalisch wäre das ein Fehler.

Komponist Pav Gekko verfolgt einen erheblich ruhigeren Ansatz. Sein Score orientiert sich an der Einsamkeit und Weite isländischer Landschaften, Nordlichtern und einer unsichtbaren spirituellen Welt.

Zu hören sind Ambient-Flächen, Klavier, Streicher, Glockenspiel und ungewöhnlich eingesetzte Gitarren.

Hinzu kommt Kulning, eine traditionelle skandinavische Gesangstechnik, die ursprünglich genutzt wurde, um Tiere über große Distanzen zu rufen. Für den Soundtrack wurden entsprechende Gesänge von Aleksandra Kowalczyk aufgenommen.

Dadurch entwickelt „Spirit of the North 2“ eine völlig andere Atmosphäre als seine beiden Konkurrenten.

Videospielmusik muss etwas können, was Filmmusik nicht muss

Gerade deshalb besitzt die Game-Kategorie innerhalb der Ivors eine interessante Besonderheit.

Ein Filmkomponist weiß normalerweise ziemlich genau, wie lange eine Szene dauert. Die Musik kann auf einen bestimmten Schnitt, einen Blick oder einen exakt festgelegten Moment hinarbeiten.

In einem Spiel entscheidet dagegen teilweise der Spieler, was geschieht.

Vielleicht schleicht er fünf Minuten durch einen Raum. Vielleicht löst er nach 30 Sekunden Alarm aus. Vielleicht bleibt er einfach stehen und schaut sich die Umgebung an.

Der Score muss all diese Möglichkeiten überstehen, ohne musikalisch auseinanderzufallen.

Die Ivors Academy betont deshalb ausdrücklich die besonderen Fähigkeiten, die für interaktive Musik notwendig sind. Ein Game-Soundtrack muss emotional funktionieren und gleichzeitig flexibel genug bleiben, um auf das Verhalten des Spielers zu reagieren.

Die Ivors bauen ihre Komponistenpreise komplett um

Neu ist 2026 vor allem die Veranstaltung, bei der dieser Preis verliehen wird.

Die Ivors Composer Awards bündeln erstmals unterschiedliche Bereiche der Komposition in einer gemeinsamen großen Preisverleihung.

Dazu gehören unter anderem Originalmusik für Film, Fernsehen, Dokumentationen und Videospiele sowie klassische, chorale und experimentelle Kompositionen.

Die Videospielkategorie existierte bereits zuvor. Sie war allerdings Teil der regulären Ivors-Verleihung im Mai.

Mit dem neuen Format möchte die Ivors Academy Komponisten stärker als eigenständige kreative Kraft sichtbar machen – unabhängig davon, ob ihre Musik im Konzertsaal, auf einer Kinoleinwand oder während eines Bosskampfes zu hören ist.

36 Kreative sind insgesamt nominiert

Insgesamt hat die Ivors Academy für 2026 36 Komponisten und Librettisten in neun Kategorien nominiert.

Die Werke stammen von britischen, irischen oder im Vereinigten Königreich lebenden Komponisten und mussten innerhalb der jeweiligen Teilnahmezeiträume erstmals einem britischen Publikum zugänglich gemacht worden sein.

Für die Game-Kategorie wurden Spiele berücksichtigt, die zwischen dem 1. Januar 2025 und dem 30. Juni 2026 im Vereinigten Königreich erschienen.

Die Entscheidung über die Gewinner fällt nicht durch ein öffentliches Online-Voting. Die Werke werden von Komponisten innerhalb der Mitgliedschaft der Ivors Academy bewertet.

Der Preis versteht sich deshalb ausdrücklich als Anerkennung durch andere Musikschaffende.

Am 17. November wissen wir, wer gewinnt

Die Gewinner werden am 17. November 2026 im JW Marriott Grosvenor House an der Londoner Park Lane bekannt gegeben.

Auf den Gewinner wartet ein echter Ivor Novello Award – eine der traditionsreichsten britischen Auszeichnungen für Songwriter und Komponisten.

Für die Spielebranche ist die diesjährige Auswahl besonders spannend.

The Flight müssen eine der berühmtesten musikalischen Identitäten der Popkultur in ein interaktives Medium übersetzen. Sam Slater erschafft aus Metal, Elektronik und manipulierten Stimmen eine fremdartige Science-Fiction-Welt. Pav Gekko setzt dagegen auf Stille, Atmosphäre und nordische Klanglandschaften.

Drei Spiele, drei vollkommen unterschiedliche musikalische Ideen.

Und am Ende zeigt gerade diese Auswahl ziemlich gut, warum Videospielmusik inzwischen eine eigene große Bühne verdient: Sie muss nicht nur eine Welt begleiten – sie muss auf den Spieler reagieren und trotzdem so klingen, als wäre jeder einzelne Moment exakt so geplant gewesen.

Quellen

  • The Ivors Academy, 20. Oktober 2026: Offizielle Bekanntgabe der Nominierungen. „007 First Light“ von The Flight, „Saros“ von Sam Slater und „Spirit of the North 2“ von Pav Gekko sind für „Best Original Video Game Score“ nominiert; Preisverleihung am 17. November in London. The Ivors Academy
  • The Ivors Academy – The Ivors Composer Awards 2026: Hintergrund zum neuen Veranstaltungsformat, Bewertung durch andere Komponisten, Termin und Verleihung der Ivor-Novello-Trophäen. The Ivors Academy
  • The Ivors Academy, 1. Juni 2026: Teilnahmebedingungen und Einordnung der Game-Kategorie; berücksichtigt wurden Originalscores britischer, irischer oder im Vereinigten Königreich lebender Komponisten für entsprechende Veröffentlichungen zwischen Januar 2025 und Juni 2026. The Ivors Academy
  • IO Interactive, 17. April 2026: The Flight als Komponistenduo hinter dem „007 First Light“-Score sowie Details zur Verbindung aus Bond-Tradition und moderner musikalischer Identität. IO Interactive
  • Music Week, 11. Mai 2026: Joe Henson und Alexis Smith über die Mischung aus orchestraler Bond-Tradition und moderner Elektronik für einen jungen James Bond. Music Week
  • PlayStation Blog, 22. Mai 2026: Sam Slater über die Entstehung des „Saros“-Scores aus dunklen Synthesizern, Drone Metal, manipulierten Stimmen und verzerrten Gitarren. Der deutschsprachige PlayStation Blog
  • Music+Sound Awards / Push Square, Oktober 2026: „Saros“ gewann bereits drei Music+Sound Awards für Gameplay-Musik, Cinematic-Musik und Cinematic-Sounddesign. masawards.com
  • Pav Gekko – offizielle Komponistenseite: Musikalisches Konzept von „Spirit of the North 2“ mit isländischem Minimalismus, Ambient, Instrumenten und traditionellem Kulning-Gesang. 

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