Eine der prägendsten Attraktionen im Europa-Park steht vor einer grundlegenden Transformation: Die Achterbahn Euro-Mir im Themenbereich Russland nähert sich nach fast drei Jahrzehnten Betriebszeit ihrem Ende in der bisherigen Form. Seit ihrer offiziellen Inbetriebnahme am 12. Juni 1997 hat die Anlage rund 85 Millionen Besucher befördert. Die Bilanz der beliebten Fahrattraktion umfasst mehr als sechs Millionen durchgeführte Fahrten sowie ungefähr 75.000 Betriebsstunden. Bevor die Erfolgsgeschichte der Bahn mit Ablauf der Wintersaison zu Ende geht, hat der Freizeitpark konkrete Eckdaten für den Rückbau und die spätere Neugestaltung des Areals vorgelegt.
Vom Delfinarium zum russischen Themenbereich
Die Fläche, auf der sich heute die charakteristischen Spiegeltürme der Euro-Mir erheben, weist eine lange Parkhistorie auf. Bereits im Jahr 1976 – dem zweiten Betriebsjahr des Europa-Park überhaupt – wurde an dieser Stelle ein Delfinarium für die Parkbesucher eröffnet. Ab dem Jahr 1993 wurden in der Anlage keine Delfine mehr gehalten. Das Bauwerk erhielt im Jahr 1994 den neuen Namen Aqua Stadion, bevor der Komplex im Jahr 1995 schließlich endgültig geschlossen wurde.
Eine bauliche Verbindung zur Vergangenheit blieb jedoch erhalten: Das einst öffentliche Gastronomiegebäude des Delfinariums wird vom Europa-Park bis heute weiter genutzt und dient als interne Mitarbeiterkantine. Mit dem Abriss des Stadions entstand die benötigte Freifläche für den neu geschaffenen Themenbereich Russland, dessen zentrales Herzstück die Euro-Mir wurde.
Fahrtverlauf und die seltene Lifttechnik von MACK Rides
Die Euro-Mir zeichnet sich durch ein spezielles Fahrkonzept aus. Eine Fahrt dauert genau vier Minuten und 33 Sekunden. Neben den auffälligen, verspiegelten Türmen und den sich während der Fahrt drehenden Gondeln gehört die Aufzugstechnik zu den wesentlichen Besonderheiten der Anlage.
Im Inneren des Hauptturms befördert ein sogenannter Trommellift die Züge auf die Ausgangshöhe der Strecke. Dieser Vertikallift bildet ein seltenes Kapitel in der Ingenieursgeschichte des Achterbahnherstellers MACK Rides. Ein Trommellift dieser speziellen Bauart wurde weltweit in lediglich drei Achterbahnen verbaut:
- Euro-Mir im Europa-Park (Deutschland)
- Eurosat – CanCan Coaster im Europa-Park (Deutschland)
- Spatiale Expérience im Freizeitpark Nigloland (Frankreich)
Raumfahrt-Exponat und der Kult-Soundtrack „Liftoff!“
Neben der Fahrtdynamik prägte die Euro-Mir von Beginn an ihr thematischer Bezug zur Raumfahrt sowie ein prägnantes Klangkonzept. Als echtes Ausstellungsstück gehört ein originales Trainingsmodul der Raumstation Mir direkt zur Attraktion und stellt eine greifbare Verbindung zur realen Kosmonautik her.
Für die akustische Untermalung sorgte der Song Liftoff! vom Album Project Euro MIR. Produziert wurde der Titel von Benjamin Klug (unter dem Künstlernamen Nick Sputt) und Christian Steiger (Hell Bopp). Der elektronische Soundtrack entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem akustischen Markenzeichen des Freizeitparks.
Auch außerhalb der Achterbahn blieb die Musik präsent:
- Im Jahr 2013 veröffentlichte DJ Damon Paul einen Remix des Titels, dessen offizielles Musikvideo auf dem Gelände des Europa-Park gedreht wurde.
- Zum 50-jährigen Parkjubiläum im Jahr 2025 wurde der Sound auf dem offiziellen Jubiläumsalbum 50 Jahre – Tribute to Europa-Park von MACK Music erneut veröffentlicht.
Abschiedsevent 2027 und der neue Weltraum-Themenbereich 2028
Das finale Kapitel der Euro-Mir ist terminlich festgelegt. Am 9. Januar 2027 veranstaltet der Europa-Park ein offizielles Abschlussevent für die Achterbahn. Ab Januar 2027 beginnen anschließend die Arbeiten für den Rückbau beziehungsweise Umbau des Standorts.
Für das Jahr 2028 plant der Europa-Park an der Stelle der Euro-Mir die Eröffnung eines neuen, eigenständigen Weltraum-Themenbereichs, der auch eine neue Achterbahn erhalten wird. Das optische Erscheinungsbild des Bereichs wird sich dabei an der Historie orientieren: Die prägenden Spiegeltürme müssen aus baulichen Gründen zwar ersetzt werden, sollen aber in einer ähnlichen Form neu entstehen.