Dabei beginnt der Song zunächst fast wie eine kleine Geschichtsstunde über einen der fünf Großen Seen Nordamerikas. Erst danach wird deutlich, warum Adams ausgerechnet jetzt einen Song über den Ontariosee geschrieben hat.
Aus Lake Ontario soll in den USA „Lake America“ werden
Auslöser ist eine Anordnung von Donald Trump aus dem August 2026. US-Bundesbehörden wurden darin angewiesen, den Lake Ontario innerhalb der amerikanischen Verwaltung künftig als „Lake America“ zu bezeichnen.
Kanada ist an diese Benennung nicht gebunden. Auch internationale Organisationen müssen den neuen US-Namen nicht übernehmen, schließlich verläuft die Staatsgrenze zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten mitten durch den See.
Genau an diesem Punkt setzt Bryan Adams an.
Für Bryan Adams bleibt der See Lake Ontario
Adams macht seine Haltung ziemlich eindeutig. Regierungen, politische Systeme und Machthaber kommen und gehen – der Ontariosee dagegen bleibt.
Der Sänger beschreibt „Lake Ontario“ als Song für Menschen auf beiden Seiten der Grenze, die davon ausgehen, dass die aktuelle politische Auseinandersetzung irgendwann vorübergeht. Der historische Name werde nach seiner Überzeugung bleiben.
Damit richtet sich der Song nicht gegen die USA als Land. Adams konzentriert seine Kritik auf politische Entscheidungen und die Debatte um die Umbenennung.
Der Song nennt Donald Trump nicht beim Namen
Interessant ist, dass Trump im Song selbst offenbar nicht ausdrücklich genannt wird. Trotzdem sind die Anspielungen kaum zu übersehen.
Adams singt von einem Mann, der sich verhält wie ein Kind, das Spielzeug aus dem Kinderwagen wirft, wenn etwas nicht nach seinem Willen läuft. Auch der Iran und die Veröffentlichung beziehungsweise öffentliche Diskussion der Epstein-Unterlagen werden angesprochen.
Damit entwickelt sich „Lake Ontario“ von einem Song über Geografie zu einem ziemlich direkten politischen Kommentar.
Adams spricht von politischer Ablenkung
Ein zentraler Gedanke des Songs ist die Frage, wie stark politische Kontroversen bewusst Aufmerksamkeit binden können. Adams bezeichnet die Debatte um den Namen des Sees sinngemäß als Ablenkungsmanöver, während gleichzeitig wesentlich wichtigere politische Themen diskutiert werden müssten.
Dabei nimmt er unter anderem Bezug auf die Epstein-Akten. Der Song behauptet also nicht einfach nur, der neue Name sei albern – er stellt die Frage, warum eine solche Debatte überhaupt so viel Raum bekommt.
Genau dadurch wird „Lake Ontario“ zum Protestsong und nicht bloß zu einer patriotischen Hymne.
Trotzdem beginnt alles mit der Geschichte des Sees
Adams baut seine politische Botschaft nicht sofort in den ersten Refrain. Der Song blickt zunächst auf die Entstehung und Geschichte des Ontariosees zurück.
Dabei geht es um seine geologische Vergangenheit, indigene Geschichte und die spätere europäische Besiedlung. Auch die Bedeutung des Namens als „Lake of Shining Waters“ wird aufgegriffen.
Der moderne Namensstreit erscheint dadurch nur als winziger Moment innerhalb einer Geschichte, die sehr viel weiter zurückreicht als jede aktuelle Regierung.
„Lake Ontario“ gehört zu einem ganzen Album über Kanada
Der Song steht nicht allein. Am 6. November 2026 veröffentlicht Bryan Adams sein neues Studioalbum „How’s It Goin’“ über sein eigenes Label BAD Records.
Adams beschreibt die Platte als musikalische Liebeserklärung an Kanada. Menschen, Landschaften, Geschichte und Kultur seines Heimatlandes stehen im Mittelpunkt.
„Lake Ontario“ passt deshalb perfekt zum Konzept – auch wenn der Titel erst ziemlich spät zum Album hinzukam.
Auf CD und Vinyl fehlt der Song
Eine Besonderheit gibt es bei der Veröffentlichung. Die reguläre Fassung von „How’s It Goin’“ umfasst zwölf Songs.
„Lake Ontario“ ist Nummer 13 – allerdings ausschließlich auf der digitalen Version. Die bereits geplanten physischen Ausgaben auf CD und Vinyl enthalten den Titel nicht.
Der Grund liegt vermutlich im Zeitpunkt seiner Entstehung: Die Kontroverse um die Benennung des Sees ist so aktuell, dass die Produktion der physischen Albumversionen bereits zu weit fortgeschritten war.
Offiziell wird „Lake Ontario“ deshalb als digital album bonus track geführt.
Das Album begann mit einer Naturdokumentation
Die Idee für „How’s It Goin’“ entstand ursprünglich gar nicht als komplettes Studioalbum. Bryan Adams schrieb zunächst Musik für die Dokumentation „Canada’s Wild Eastern Edge“.
Bei der Recherche beschäftigte er sich intensiver mit der Geschichte seines Heimatlandes. Daraus entstanden immer mehr Songideen, bis schließlich ein komplettes Kanada-Album daraus wurde.
Musikalisch verbindet die Platte Rock mit Country- und Folk-Einflüssen – passend zu den sehr unterschiedlichen Geschichten, die Adams darauf erzählt.
Terry Fox bekommt seinen eigenen Song
Zu den Themen gehört beispielsweise Terry Fox. Der kanadische Sportler startete 1980 seinen berühmten „Marathon of Hope“, um Geld für die Krebsforschung zu sammeln.
Nachdem ihm wegen einer Krebserkrankung ein Bein amputiert worden war, wollte Fox quer durch Kanada laufen. Seine Geschichte gehört bis heute zu den bekanntesten und emotionalsten Momenten der jüngeren kanadischen Geschichte.
Bryan Adams widmet ihm auf dem Album „The Ballad of Terry Fox“.
Auch kanadische Geschichte wird zu Rockmusik
Andere Songs beschäftigen sich mit Orten und historischen Ereignissen. Titel wie „The Battle of Lundy’s Lane“, „When Canada Joined Newfoundland“, „Highway 16“ oder „Canada’s Wild Eastern Edge“ machen schon auf der Tracklist deutlich, wie konsequent Adams das Konzept verfolgt.
„Iron Ribbon“ und „The Bridge“ beschäftigen sich wiederum mit Arbeitern und kanadischer Industriegeschichte. Damit wird „How’s It Goin’“ fast zu einer musikalischen Reise durch das Land.
Und mitten darin stehen zwei Songs, die sehr deutlich auf das aktuelle Verhältnis zu den USA reagieren.
„51st State“ war bereits die erste politische Ansage
Schon am kanadischen Nationalfeiertag veröffentlichte Adams „51st State“. Der Song reagierte auf Trumps wiederholte Aussagen beziehungsweise Überlegungen, Kanada könne Teil der Vereinigten Staaten und deren 51. Bundesstaat werden.
Auch dort nennt Adams Trump nicht unbedingt ständig direkt, die Zielrichtung ist aber klar. Der Song verteidigt kanadische Eigenständigkeit und nationale Identität.
„Lake Ontario“ führt diese Linie nun fort – nur diesmal anhand eines konkreten Ortes.
Aus zwei Ländern wird plötzlich ein Namensstreit
Gerade beim Ontariosee ist die Situation besonders symbolisch. Der See gehört geografisch nicht einfach nur Kanada oder den USA.
Er verbindet beide Länder.
Toronto liegt an seinem kanadischen Ufer, während der US-Bundesstaat New York einen großen Teil der südlichen und östlichen Küste umfasst. Genau deshalb richtet Adams seine Botschaft ausdrücklich an Menschen auf beiden Seiten.
Sein Argument lautet im Kern nicht: Kanada gegen Amerika.
Sondern: Ein jahrhundertealter geografischer Name sollte nicht zum politischen Spielball werden.
Auch Blue Rodeo machten den See zum Symbol
Die Debatte hat in Kanada inzwischen längst die Popkultur erreicht. Bei einem Konzert von Blue Rodeo in Toronto sangen Tausende Fans besonders laut jene berühmte Zeile aus „Hasn’t Hit Me Yet“ mit, in der Lake Ontario erwähnt wird.
Bandmitglied Greg Keelor bezeichnete den See anschließend sinngemäß als eine Art neue symbolische Grenze in der politischen Debatte.
Bryan Adams geht nun noch einen Schritt weiter und widmet dem See einen kompletten neuen Song.
Der Titeltrack des Albums ist deutlich entspannter
Interessant ist der Kontrast zum eigentlichen Titelsong „How’s It Goin’“. Dort reist Adams musikalisch wesentlich entspannter durch Kanada und greift die typische beiläufige Begrüßung auf.
Das Album scheint damit nicht ausschließlich als politische Protestplatte gedacht zu sein. Es soll vielmehr verschiedene Seiten Kanadas zeigen: Landschaft, Geschichte, Alltag, Persönlichkeiten und eben auch aktuelle Konflikte.
„Lake Ontario“ ist lediglich einer der deutlich schärferen Momente.
Bryan Adams bleibt musikalisch bei klassischem Rock
Trotz des politischen Inhalts wird aus Adams musikalisch kein völlig anderer Künstler. „Lake Ontario“ basiert weiterhin auf dem direkten, gitarrenorientierten Rocksound, mit dem er seit Jahrzehnten verbunden wird.
Das ist vermutlich auch der Grund, warum die Botschaft so klar funktioniert. Statt komplizierter musikalischer Experimente steht der Text im Mittelpunkt.
Adams erzählt erst eine Geschichte – und setzt anschließend seine Pointe.
Nach mehr als 40 Jahren wird Adams politischer
Bryan Adams ist natürlich nie vollständig unpolitisch gewesen. Trotzdem verbindet ein großer Teil des Publikums ihn bis heute vor allem mit Songs wie „Summer of ’69“, „Run to You“, „Heaven“, „Please Forgive Me“ oder „(Everything I Do) I Do It for You“.
2026 zeigt sich eine deutlich andere Seite. Mit „51st State“ und „Lake Ontario“ reagiert er direkt auf politische Entwicklungen, die sein Heimatland betreffen.
Vielleicht ist genau das die logische Konsequenz eines Albums, das ausdrücklich von Kanada handeln soll.
Eine Liebeserklärung muss nicht unkritisch sein
„How’s It Goin’“ wird von Adams als Liebeserklärung an Kanada beschrieben. „Lake Ontario“ zeigt allerdings, dass Liebe zur Heimat für ihn nicht ausschließlich aus schönen Landschaften und nostalgischen Geschichten besteht.
Manchmal bedeutet sie auch, sich einzumischen.
Deshalb funktioniert der Song gleichzeitig als Heimatlied und Proteststück. Der See wird zum Symbol dafür, dass politische Entscheidungen kurzfristig sein können, während Orte und ihre Geschichte sehr viel länger bestehen.
Der Ontariosee dürfte den Streit überleben
Genau darauf läuft der Song am Ende hinaus.
Regierungen wechseln.
Präsidenten wechseln.
Politische Kontroversen verschwinden irgendwann aus den Schlagzeilen.
Der See bleibt.
Und Bryan Adams macht ziemlich deutlich, wie er ihn auch danach nennen wird:
Lake Ontario.
Quellen
Bryan Adams, offizielle Website, 28. Oktober 2026 – Veröffentlichung von „Lake Ontario“, Hintergrund zur Namensdebatte, Statement von Adams und Zusammenhang mit „How’s It Goin’“.
Bryan Adams, offizielle Albumankündigung – „How’s It Goin’“ erscheint am 6. November über BAD Records, umfasst regulär zwölf Songs und ist als musikalische Liebeserklärung an Kanada konzipiert.
The Canadian Press / CityNews, 28. Oktober 2026 – politische Hintergründe, US-Anordnung zur Bezeichnung „Lake America“, Iran- und Epstein-Anspielungen sowie Reaktion von Blue Rodeo.
Rolling Stone Canada, 28. Oktober 2026 – Songinhalt, historische Perspektive auf Lake Ontario und politische Ablenkung als zentrales Thema.
Exclaim!, September 2026 – komplette Albumtracklist und „Lake Ontario“ als digitaler Bonustrack.