Heute geht es zurück nach Night City
Lange mussten Fans diesmal nicht mehr auf einen Veröffentlichungstermin spekulieren: Seit dem 20. Oktober 2026 steht „Cyberpunk: Edgerunners 2“ vollständig bei Netflix bereit.
Alle zehn Episoden wurden gleichzeitig veröffentlicht. Wer also keine Lust auf wöchentliches Warten hat, kann die neue Geschichte direkt am Stück durchziehen – wobei die Erfahrung mit dem ersten „Edgerunners“ vielleicht dafür spricht, zwischendurch emotional eine kleine Pause einzulegen.
Produziert wird der Anime erneut gemeinsam von CD PROJEKT RED und Studio TRIGGER. Die beiden Unternehmen waren bereits für den ersten Teil verantwortlich, der 2022 veröffentlicht wurde und sich schnell zu einem der bekanntesten Ableger des „Cyberpunk 2077“-Universums entwickelte.
Diesmal steht allerdings keine klassische zweite Staffel im üblichen Sinn auf dem Programm.
David Martinez bekommt keine Fortsetzung
Schon bei der ersten Ankündigung 2025 machte CD PROJEKT RED deutlich: Davids Geschichte ist beendet.
„Cyberpunk: Edgerunners 2“ bleibt zwar in derselben Welt und trägt denselben Namen, erzählt aber eine vollkommen eigenständige Geschichte. Neue Figuren übernehmen die Hauptrollen, neue Konflikte bestimmen das Geschehen und auch der visuelle Stil wurde teilweise neu gedacht.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur gewöhnlichen zweiten Staffel einer Serie. Wer erwartet, dass einfach unmittelbar an das Finale von 2022 angeknüpft wird, bekommt bewusst etwas anderes.
Night City selbst wird stattdessen zum verbindenden Element.
Die Stadt ist damit gewissermaßen die eigentliche Hauptfigur der Reihe: Menschen kommen und gehen, Crews entstehen und zerbrechen – aber das gnadenlose System dahinter bleibt bestehen.
Weak war einmal eine Legende
Eine der zentralen Figuren heißt Weak.
Der Name klingt zunächst wenig beeindruckend. Früher war er allerdings unter dem Namen „King“ bekannt und gehörte zu den erfahrensten Edgerunnern seiner Zeit.
Davon ist nicht mehr viel übrig.
Weak lebt inzwischen im Schatten seines früheren Ruhms und muss sogar ohne sein Chrom auskommen. In einer Welt, in der Körpermodifikationen über Macht, Status und teilweise sogar über das Überleben entscheiden, ist das ein besonders harter Absturz.
Er sucht nach einem neuen Sinn in einem Night City, das längst weitergezogen ist.
Die japanische Stimme der Figur übernimmt Kentaro Tone.
D will Rache
Ganz anders beginnt die Geschichte von D.
D ist ein Netrunner der Snake Nation und technisch ausgesprochen begabt. Seine Motivation ist allerdings deutlich persönlicher: Er jagt denjenigen, der seinen Clan ausgelöscht hat.
Die Suche entwickelt sich zu einer Rachemission und führt ihn immer tiefer in Geheimnisse großer Konzerne hinein – Informationen, die eigentlich niemals ans Licht kommen sollten.
Gesprochen wird D in der japanischen Fassung von Koki Uchiyama.
Damit steckt bereits in einer der Hauptfiguren ein klassisches Cyberpunk-Motiv: Ein einzelner Mensch versucht, gegen Strukturen anzukämpfen, die erheblich mächtiger sind als er selbst.
Dass solche Geschichten in Night City selten besonders gesund enden, dürfte inzwischen bekannt sein.
Roman will echte Geschichten festhalten
Eine der ungewöhnlichsten Figuren des neuen Ensembles ist Roman Carax.
Roman ist ein junger Cineast in einer Gesellschaft, in der klassische Filme weitgehend von Braindance verdrängt wurden. Während andere Menschen Erfahrungen direkt erleben oder aufgezeichnete Emotionen konsumieren, hält Roman an der Idee des Films fest.
Er möchte echte Geschichten dokumentieren.
Deshalb beginnt er, andere Menschen zu begleiten und ihre Leben festzuhalten. Nur muss er relativ schnell feststellen, dass Night City nicht wie sein Lieblingskino funktioniert.
Hier gibt es keine sauberen Drehbücher, keine garantierten Helden und schon gar kein verlässliches Happy End.
Roman wird von Momoka Terasawa gesprochen.
Talia steckt zwischen zwei Welten
Mit Talia kommt eine weitere Figur hinzu, deren Vergangenheit unterschiedliche Seiten von Night City miteinander verbindet.
Sie wuchs ursprünglich in der abgeschotteten Welt der Konzerne auf, geriet später allerdings in den Einflussbereich von Maelstrom.
Die Gang gehört zu den extremsten Gruppierungen des Cyberpunk-Universums und ist für ihre aggressive Besessenheit von Cyberware und Körpermodifikationen bekannt.
Talia wird als ausgesprochen unabhängig beschrieben und hat die gewalttätige, chromfixierte Kultur von Maelstrom längst verinnerlicht.
Ihre Mutter Avida war früher Jazzsängerin und selbst Teil der Konzernwelt. Inzwischen ist sie mit dem Kang-Tao-Manager Kiril verheiratet. Dadurch entsteht auch innerhalb dieser Familie eine Verbindung zwischen Gangmilieu und mächtigem Konzernapparat.
Talia wird von Akari Kito, Avida von Akemi Okamura gesprochen.
Arasaka, Kang Tao und Braindance bleiben wichtig
Auch bekannte Elemente aus „Cyberpunk 2077“ spielen erneut eine Rolle.
Mit Kitano taucht beispielsweise eine Figur aus dem Umfeld von Arasaka auf. Richard und Kiril gehören zu Kang Tao.
Hinzu kommen Sal, der das Sal Bigelow's Braindance Paradise betreibt, und Jessie, die dort als Braindance-Technikerin arbeitet.
Weak besitzt außerdem eine eigene frühere Crew. Dazu gehören der Techie Miguel, die Solo-Kämpferin Emily und der Netrunner Meshuga.
Damit bleibt der Anime eng an die Strukturen der Spielwelt angebunden, ohne einfach Figuren aus „Cyberpunk 2077“ erneut in den Mittelpunkt zu stellen.
Rache, Familie und Vermächtnis
Inhaltlich beschreibt CD PROJEKT RED den zweiten Teil als Geschichte über Rache und Erlösung.
Dazu kommen Themen wie Familie, Obsession und Vermächtnis. Gerade letzteres passt zum Aufbau der Reihe: „Edgerunners 2“ beschäftigt sich nicht nur damit, was Figuren erreichen wollen, sondern auch damit, welche Spuren Menschen in Night City überhaupt hinterlassen können.
Das war bereits im ersten Teil ein wesentliches Thema.
Night City verspricht Ruhm, Geld, Macht und Unsterblichkeit als Legende. Gleichzeitig verbraucht die Stadt Menschen mit erschreckender Geschwindigkeit.
Der zweite Teil scheint genau diesen Gedanken weiterzuführen – nur diesmal aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven.
Studio TRIGGER ist wieder dabei
Für die Animation kehrt Studio TRIGGER zurück.
Das japanische Studio ist unter anderem für „Little Witch Academia“, „Promare“, „Gridman Universe“ und „Delicious in Dungeon“ bekannt und prägte bereits den extrem dynamischen Look des ersten „Cyberpunk: Edgerunners“.
Die Regie übernimmt diesmal Kai Ikarashi. Für ihn ist „Cyberpunk: Edgerunners 2“ das Regiedebüt einer kompletten Serie.
Ikarashi arbeitete bereits am ursprünglichen „Edgerunners“ sowie an Produktionen wie „SSSS.Gridman“.
Das Lead Character Design stammt von Kanno Ichigo. Showrunner, Story-Autor und Produzent ist erneut der Hugo-Award-Gewinner Bartosz Sztybor von CD PROJEKT RED.
Auch Masahiko Otsuka kehrt als kreativer Partner zurück.
Die Macher hinter dem ersten Anime bleiben damit teilweise erhalten, während gleichzeitig eine neue Regie und neue Figuren einen eigenständigen Stil ermöglichen sollen.
Rico Nasty liefert Musik für die neue Night-City-Reise
Auch musikalisch hat der zweite Teil früh ein deutliches Zeichen gesetzt.
Im Trailer war der Song „You Can't Run From Me“ von Rico Nasty zu hören. Der Titel wurde speziell für die Serie geschrieben und bereits im Sommer auf den großen Streamingplattformen veröffentlicht.
Das Original-Scoring für das Trailer-Material stammt von Tsuneo Imahori.
Schon der erste „Edgerunners“-Anime zeigte, wie wichtig Musik für die emotionale Wirkung der Geschichte sein kann. Besonders „I Really Want to Stay at Your House“ von Rosa Walton entwickelte sich nach der Veröffentlichung zu einem Song, der praktisch untrennbar mit David und Lucy verbunden wurde.
Welche Stücke aus dem neuen Teil eine ähnliche Wirkung entfalten werden, dürfte sich in den kommenden Tagen zeigen.
Gleichzeitig bekommt „Cyberpunk 2077“ ein Edgerunners-Update
Zum heutigen Serienstart hat CD PROJEKT RED außerdem eine Überraschung für Spieler angekündigt.
Cyberpunk 2077 erhält das kostenlose Update 2.5, das offiziell den Namen „Edgerunners 2 Update“ trägt.
Es soll Inhalte enthalten, die von der neuen Serie inspiriert wurden, daneben aber auch weitere neue Gegenstände und Funktionen.
Veröffentlicht wird das Update am 22. Oktober 2026 für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Die Nintendo-Switch-2-Version soll kurze Zeit später folgen.
Die vollständigen Patch Notes und weitere Details möchte CD PROJEKT RED am 21. Oktober während einer neuen Ausgabe von REDstreams vorstellen.
Damit verbindet das Studio Anime und Videospiel erneut direkt miteinander.
Der erste Teil veränderte auch das Spiel
Dass diese Verbindung funktioniert, zeigte sich bereits 2022.
Nach Veröffentlichung des ersten „Cyberpunk: Edgerunners“ stieg das Interesse an „Cyberpunk 2077“ erneut deutlich an. Spieler kehrten nach Night City zurück, suchten bekannte Orte aus dem Anime und sammelten Gegenstände mit Verbindungen zu David und seiner Crew.
Die Netflix-Serie half damit auch dabei, das öffentliche Bild des Spiels zu verändern.
„Cyberpunk 2077“ war 2020 unter enorm problematischen Umständen erschienen und wurde besonders wegen technischer Schwierigkeiten kritisiert. In den folgenden Jahren arbeitete CD PROJEKT RED das Spiel umfangreich um.
„Edgerunners“ wurde mitten in dieser Entwicklung zu einem wichtigen kulturellen Neustart für die Marke.
Eine Anthologie statt einer endlosen Geschichte?
Mit dem zweiten Teil zeichnet sich nun möglicherweise ein interessantes Konzept ab.
Statt dieselben Figuren über zahlreiche Staffeln hinweg zu begleiten, könnte „Cyberpunk: Edgerunners“ langfristig eher wie eine Anthologie über Night City funktionieren.
Eine Crew bekommt ihre Geschichte. Dann übernimmt die nächste.
Das würde hervorragend zur Welt von „Cyberpunk“ passen. Night City ist groß genug für unzählige Geschichten – und gleichzeitig gefährlich genug, dass ohnehin niemand sicher sein kann, besonders lange darin mitzuspielen.
Offiziell ist eine solche langfristige Anthologie-Struktur allerdings bislang nicht angekündigt. Fest steht zunächst nur: „Edgerunners 2“ erzählt bewusst eine abgeschlossene neue Geschichte.
Zehn neue Folgen stehen jetzt bereit
Aus unserer ursprünglichen Meldung „Cyberpunk: Edgerunners bekommt eine zweite Staffel“ ist damit am heutigen Veröffentlichungstag bereits deutlich mehr geworden.
„Cyberpunk: Edgerunners 2“ ist ab sofort vollständig bei Netflix verfügbar.
Zehn neue Episoden, eine komplett neue Besetzung und eine eigenständige Geschichte warten in Night City. David Martinez wird nicht einfach zurückgeholt, um den Erfolg des ersten Teils zu wiederholen.
Das könnte die deutlich spannendere Entscheidung sein.
Denn wenn „Edgerunners“ eines gezeigt hat, dann, dass Night City keine einzelne Heldengeschichte braucht.
Es braucht nur Menschen, die glauben, sie könnten dieser Stadt irgendwie ihren eigenen Stempel aufdrücken – bevor die Stadt dasselbe mit ihnen macht.
Quellen
- CD PROJEKT RED, 20. Oktober 2026: Offizielle Veröffentlichung von „Cyberpunk: Edgerunners 2“ mit allen zehn Episoden auf Netflix, neuer Besetzung, Handlung sowie Ankündigung des „Edgerunners 2 Update“ für „Cyberpunk 2077“. CD PROJEKT RED Press Center
- Cyberpunk.net – offizielle Seite zu „Cyberpunk: Edgerunners 2“, Stand 20. Oktober 2026: Handlung, zehnteilige Standalone-Struktur, Figuren Weak, D, Roman, Talia und weitere Charaktere sowie beteiligtes Kreativteam. Cyberpunk 2077 Hub
- Netflix Tudum, 21. August 2026: Veröffentlichungstermin am 20. Oktober, neue Figuren, veränderter Animationsstil und Einordnung als eigenständige zehnteilige Geschichte über Rache und Erlösung. Netflix
- CD PROJEKT RED, 4. Juli 2025: Ursprüngliche Ankündigung von „Cyberpunk: Edgerunners 2“, Bestätigung, dass Davids Geschichte abgeschlossen ist, sowie Kai Ikarashi als Regisseur und Bartosz Sztybor als Showrunner. CD PROJEKT RED Press Center
- Cyberpunk.net, 29. Juni 2026: Angaben zum neuen Trailer und zu „You Can't Run From Me“ von Rico Nasty sowie Tsuneo Imahoris Score. Cyberpunk 2077 Hub