Inzwischen gehört der Moment fast genauso zuverlässig zum November wie die ersten Weihnachtsmärkte. Sobald Halloween endet, veröffentlicht Mariah Carey ihren jährlichen Clip und gibt mit ihrem berühmten „It’s Time!“ den Startschuss für die Weihnachtszeit.
Auch 2026 hält sie daran fest. Nur die Inszenierung wird jedes Jahr aufwendiger – und diesmal gräbt Carey dafür sogar ein nahezu vergessenes Kapitel ihrer eigenen Karriere aus.
Erst Punkrock, dann Weihnachten
Der neue Clip beginnt mit einer Einblendung:
New York City, 31. Oktober.
Die Uhr zeigt 23:58 Uhr. Statt einer verschneiten Landschaft sehen wir eine dunkle Bar, Halloweenstimmung und Mariah Carey in einem deutlich ungewohnteren Look.
Mit Punk-Make-up, Leder, auffälligen Farben und einer härteren Bühnenästhetik steht sie vor Publikum und singt einen Alternative-Rock-Song.
Damit wirkt zunächst überhaupt nichts nach „All I Want for Christmas Is You“.
Und genau das ist der Witz.
Mariah Carey singt „Hermit“
Der Song heißt „Hermit“ und stammt aus einem der ungewöhnlichsten Projekte ihrer Karriere.
Mitte der 1990er arbeitete Carey heimlich an einem Alternative-Rock-Album namens „Someone’s Ugly Daughter“. Das Projekt erschien 1995 unter dem Bandnamen Chick.
Carey schrieb und produzierte an den Songs mit und sang Hintergrundstimmen. Ihre Freundin Clarissa Dane übernahm damals offiziell den Leadgesang.
Dass eine der größten Pop- und R&B-Sängerinnen der 1990er parallel ein Alternative-Rock-Album aufnahm, blieb jahrzehntelang weitgehend unbekannt.
Erst 2020 erzählte sie öffentlich davon
Mariah Carey sprach erst in ihrer 2020 veröffentlichten Autobiografie „The Meaning of Mariah Carey“ ausführlicher über dieses Projekt.
Die Aufnahmen entstanden ungefähr zur Zeit ihres Albums „Daydream“. Während sie tagsüber an auf Hochglanz produzierten Popsongs arbeitete, nahm sie parallel deutlich rauere Rockmusik auf.
Der Kontrast könnte kaum größer sein.
Und ausgerechnet diese beinahe geheime musikalische Vergangenheit nutzt sie nun als Auftakt für Weihnachten 2026.
Um Mitternacht kommt der große Wechsel
Im Video nähert sich der Countdown schließlich Mitternacht.
Mariah beendet den Punkauftritt und wirft sich sogar ins Publikum. Dann wird der Bildschirm schwarz.
Die Uhr springt auf Mitternacht.
Und plötzlich ist sie wieder da:
die Weihnachts-Mariah.
Mit ihrem charakteristischen hohen Pfeifregister singt sie „It’s time!“ – und wenige Sekunden später beginnt natürlich „All I Want for Christmas Is You“.
Mariah wird selbst zum Weihnachtsbaum-Schmuck
Die Weihnachtswelt ist diesmal entsprechend übertrieben.
Carey erscheint in einem roten, glitzernden Weihnachtsoutfit und wird schließlich als Spitze eines riesigen Weihnachtsbaums inszeniert.
Schnee, Weihnachtsdekoration und weitere festliche Figuren ersetzen innerhalb weniger Sekunden die dunkle Punkrock-Bar.
Genau dieser harte Stilwechsel macht den Clip aus.
Von Halloween zu Weihnachten.
Von Alternative Rock zu Weihnachts-Pop.
Von „Hermit“ zu „All I Want for Christmas Is You“.
Das jährliche „It’s Time“ ist längst eine eigene Tradition
Mariah Careys Weihnachtssaison beginnt seit einigen Jahren nicht mehr einfach damit, dass ihr Song wieder häufiger gestreamt wird.
Sie inszeniert den Start inzwischen bewusst als eigenes Ereignis.
Jedes Jahr am 1. November erscheint eine neue Variante des mittlerweile berühmten „It’s Time“-Moments.
Und jedes Jahr stellt sich weniger die Frage, ob Mariah Weihnachten eröffnet.
Sondern eher:
Wie macht sie es diesmal?
2025 wollte Billy Eichner Weihnachten abschaffen
Im vergangenen Jahr spielte beispielsweise Billy Eichner einen frustrierten Weihnachtselfen.
Der wollte Weihnachten praktisch absagen, nachdem die Elfen genug von ihrem Arbeitsstress hatten. Carey ließ sich davon erwartungsgemäß nicht beeindrucken und verwandelte die Situation schließlich wieder in ihre gewohnte Weihnachtswelt.
2024 spielte der Clip dagegen zunächst mit einer düsteren Morticia-Addams-Optik, bevor Carey wieder in ihre klassische Weihnachtsrolle wechselte.
2023 musste Mariah erst auftauen
Besonders bekannt wurde die Version von 2023.
Dort war Mariah Carey buchstäblich in einem großen Eisblock eingefroren und musste zum Beginn der Weihnachtszeit erst wieder aufgetaut werden.
Dieses Motiv entwickelte sich anschließend fast zu einem eigenen Internet-Meme.
Seitdem wird jedes Jahr scherzhaft davon gesprochen, dass Mariah Carey nach Halloween wieder „aufgetaut“ werde.
2026 verzichtet sie auf das Eis.
Diesmal muss erst die Punkrock-Mariah verschwinden.
„All I Want for Christmas Is You“ erschien bereits 1994
Der gesamte jährliche Aufwand dreht sich natürlich um einen Song, der mittlerweile mehr als drei Jahrzehnte alt ist.
„All I Want for Christmas Is You“ erschien 1994 auf Mariah Careys erstem Weihnachtsalbum „Merry Christmas“.
Damals war der Titel bereits erfolgreich.
Seine heutige Dimension entwickelte sich allerdings erst über viele Jahre.
Streaming, Weihnachtsplaylists und Social Media machten aus dem Song schließlich einen Titel, der jedes Jahr erneut in die internationalen Charts zurückkehrt.
Der Song wurde Jahrzehnte später erst zur US-Nummer-eins
Besonders ungewöhnlich ist die amerikanische Chartgeschichte.
Obwohl „All I Want for Christmas Is You“ bereits 1994 erschien, erreichte der Song erstmals 2019 Platz eins der Billboard Hot 100.
Seitdem kehrt er regelmäßig dorthin zurück.
Bis Anfang 2026 sammelte der Titel insgesamt 22 nicht aufeinanderfolgende Wochen auf Platz eins und hielt damit zeitweise den Rekord für die meisten Nummer-eins-Wochen eines Songs in der Geschichte der US-Charts.
Diesen Rekord hat sie inzwischen verloren
2026 passierte allerdings etwas, womit vor einigen Jahren kaum jemand gerechnet hätte.
Ella Langleys „Choosin’ Texas“ überholte Careys Weihnachtsklassiker und erreichte insgesamt 25 Wochen auf Platz eins.
Damit ist „All I Want for Christmas Is You“ aktuell nicht mehr alleiniger Rekordhalter.
Ob Mariah sich den Spitzenplatz irgendwann wieder zurückholen kann, bleibt offen.
Und jetzt beginnt genau die Jahreszeit, in der das überhaupt möglich wäre.
2024 und 2025 war Weihnachten wieder vier Wochen lang Mariah-Zeit
In beiden vergangenen Jahren stand „All I Want for Christmas Is You“ erneut jeweils mehrere Wochen an der Spitze der US-Charts.
Sobald Radio, Streamingdienste und Playlists Ende November und im Dezember zunehmend auf Weihnachtsmusik umstellen, steigen die bekannten Klassiker wieder massiv.
Careys Song gehört dabei inzwischen fast automatisch zu den stärksten Titeln.
Das neue „It’s Time“-Video ist deshalb gleichzeitig Unterhaltung und Marketingauftakt für eine inzwischen gewaltige jährliche Weihnachtsmaschine.
Mariah Carey hat Weihnachten praktisch zu einer eigenen Saison gemacht
Dabei nimmt sie ihren Ruf als „Queen of Christmas“ längst mit viel Selbstironie.
Der jährliche Clip lebt gerade davon, dass jeder weiß, was passieren wird.
Halloween endet.
Mariah erscheint.
Jemand oder irgendetwas versucht Weihnachten aufzuhalten.
Sie sagt:
„It’s Time!“
Und der Song beginnt.
Die Überraschung besteht nur noch darin, wie absurd der Weg dorthin diesmal ausfällt.
2026 verbindet sie dafür zwei völlig unterschiedliche Versionen ihrer Karriere
Gerade deshalb ist die diesjährige Variante besonders interessant.
Mariah Carey benutzt nicht einfach Halloween als Kontrast zur Weihnachtszeit.
Sie zeigt eine musikalische Seite von sich, die viele Gelegenheitsfans überhaupt nicht kennen.
Bevor die Sängerin wieder zum Inbegriff des Weihnachts-Pop wird, erinnert sie für einige Sekunden daran, dass sie Mitte der 1990er heimlich Alternative Rock gemacht hat.
Punk-Mariah gegen Christmas-Mariah.
Beides gehört tatsächlich zu derselben Künstlerin.
Nach 32 Jahren ist der Song größer denn je
Vielleicht erklärt genau das auch, warum „All I Want for Christmas Is You“ jedes Jahr wieder funktioniert.
Carey behandelt den Song inzwischen nicht wie einen alten Hit, den sie zwangsläufig jedes Weihnachten noch einmal hervorholen muss.
Sie baut jedes Jahr eine neue Geschichte darum.
Ein neuer Clip.
Neue Memes.
Neue Bilder.
Und immer derselbe Moment, auf den alles hinausläuft.
Halloween ist vorbei – Mariah hat entschieden
Ob man persönlich bereits Anfang November Weihnachtsmusik hören möchte, spielt dabei eigentlich keine Rolle.
Mariah Carey hat die Entscheidung längst getroffen.
Am 1. November um Mitternacht hat sie die Punkrock-Bar verlassen, ist auf einen riesigen Weihnachtsbaum gestiegen und wieder ihren größten Weihnachtshit angestimmt.
Damit gilt für 2026 offiziell wieder:
It’s time.
Quellen
Mariah Carey – offizielle Website und offizieller Kanal, 1. November 2026: Veröffentlichung von „It’s Time!!!! (2026)“ und aktueller Weihnachtssaison-Start.
Entertainment Weekly, 1. November 2026 – „Hermit“, das Chick-Projekt „Someone’s Ugly Daughter“, Wechsel in die Weihnachtswelt und Hintergründe zur jährlichen Tradition.
RTL, 1. November 2026 – Veröffentlichung um Mitternacht, New-York-Punk-Auftritt und deutscher Überblick über den Clip.
Just Jared, 1. November 2026 – Countdown ab 23:58 Uhr, Punkauftritt, Stage Dive und Übergang zu „All I Want for Christmas Is You“.
Entertainment Weekly / Yahoo – aktuelle Chartgeschichte von „All I Want for Christmas Is You“, 22 nicht aufeinanderfolgende Nummer-eins-Wochen und neuer Rekord von Ella Langley.