Mercedes hat beim Auftakt zum Großen Preis von Aserbaidschan auf dem Baku City Circuit ein Ausrufezeichen gesetzt. Auf dem anspruchsvollen Straßenkurs sicherte sich George Russell am Donnerstag in beiden Freien Trainings die Bestzeit. Besonders in der zweiten Session untermauerte das Team seine starke Form auf der schnellen Runde, während die direkte Konkurrenz mit der Abstimmung ihrer Fahrzeuge kämpfte.
Doppel-Bestzeit für Russell auf dem verwinkelten Kurs von Baku
George Russell erwischte einen Einstand nach Maß. Bereits im ersten Freien Training setzte sich der Brite mit einer Rundenzeit von 1:45,387 Minuten an die Spitze des Feldes. Zu Beginn der Session präsentierte sich der Stadtkurs in Aserbaidschan gewohnt staubig und rutschig, was mehrere Piloten zu Fahrfehlern zwang und in die Auslaufzonen drängte. Russell blieb davon weitgehend unbeeindruckt und bestätigte die Performance seines Wagens auch unter verbesserten Streckenbedingungen am Nachmittag.
Im zweiten Freien Training Steigerte Russell das Tempo deutlich. Auf den weichen Reifen bracht er eine Zeit von 1:43,347 Minuten auf den Asphalt und sicherte sich erneut den ersten Platz. Trotz der klaren Bestzeit warnte der Mercedes-Pilot im Anschluss vor voreiligen Schlüssen. Russell betonte nach den Einheiten ausdrücklich, dass die Rennpace von Mercedes, McLaren und Red Bull deutlich enger zusammenliege, als es die Abstände auf einer einzelnen schnellen Runde vermuten lassen.
Hydraulikdefekt und furiose Aufholjagd von Kimi Antonelli
Für Russells Teamkollegen Kimi Antonelli begann der Donnerstag auf dem Straßenkurs mit einem Rückschlag. Der Italiener zeigte im ersten Freien Training zu Beginn eine starke Leistung und lag zeitweise an der Spitze der Zeitenliste. Nach etwa 25 Minuten erlitt sein Fahrzeug jedoch ein Hydraulikproblem, das ihn zum vorzeitigen Abbrechen der Session zwang.
In der Pause zwischen den beiden Einheiten stand in der Mercedes-Garage eine intensive Reparaturphase an. Das Team entschied sich vorsorglich für einen Wechsel der Power Unit am Fahrzeug des Nachwuchsfahrers, um Folgeschäden zu vermeiden. Antonelli konnte pünktlich zum zweiten Training wieder eingreifen und machte die verlorene Fahrzeit umgehend wett. Mit einem Rückstand von 0,552 Sekunden auf Russell fuhr er auf den zweiten Rang und machte die Mercedes-Doppelführung am ersten Trainingstag komplett.
Abstimmungssorgen bei Red Bull, Ferrari und McLaren
Hinter dem Mercedes-Duo reihte sich Weltmeister Max Verstappen im Red Bull ein. Der Niederländer landete im zweiten Freien Training auf dem dritten Platz, wies jedoch bereits einen deutlichen Rückstand von 0,827 Sekunden auf die Bestzeit von Russell auf. Verstappen beklagte während der Session wiederholt Probleme mit dem Fahrverhalten seines Autos und passte sich vor allem an der unruhigen Hinterachse ab.
Ebenfalls mit sichtbaren Abständen folgten die Verfolger von Ferrari und McLaren:
- Charles Leclerc (Ferrari): Landete im zweiten Freien Training auf Rang vier, hatte jedoch einen Rückstand von über 1,1 Sekunden auf die Spitze.
- Lewis Hamilton (Ferrari): Belegte in FP2 den fünften Platz hinter seinem Teamkollegen.
- Lando Norris (McLaren): Hatte mit technischen Problemen am Fahrzeug zu kämpfen und kam im zweiten Training nicht über Rang sechs hinaus.
- Oscar Piastri (McLaren): Wegen technischer Einschränkungen an beiden McLaren-Autos reichte es für den Australier am Nachmittag nur zu Platz acht.
Unterbrechung durch Rot und geänderter Wochenend-Zeitplan
Die Tücken des engen Stadtkurses zeigten sich im Verlaufe des Nachmittags deutlich. Für die einzige längere Unterbrechung des Tages sorgte Arvid Lindblad. Der Pilot von Racing Bulls touchierte in der extrem engen Burgpassage die Begrenzungsmauer und beschädigte sein Fahrzeug schwer. Die Rennleitung unterbrach das zweite Freie Training daraufhin für elf Minuten mit der roten Flagge, um die Strecke von Trümmerteilen zu reinigen.
Nur kurz nach dem Wiederanpfiff folgte die nächste Hiobsbotschaft für ein Kundenteam: Ollie Bearman musste seinen Haas-Rennwagen vorzeitig am Streckenrand abstellen. Grund dafür war ein Motorproblem, das die Session des Briten beendete.
Das Rennwochenende in Baku folgt in diesem Jahr einer besonderen Terminierung. Aufgrund eines aserbaidschanischen Gedenktags am Sonntag wurde der gesamte Zeitplan der Formel 1 um einen Tag nach vorne verschoben. Nach den Freien Trainings am Donnerstag findet das Qualifying am Freitag statt. Das Hauptrennen auf dem Baku City Circuit wird am Samstag, den 26. September, um 15:00 Uhr Ortszeit gestartet.