Es gibt Alben, die erfolgreich sind.
Und es gibt Alben, die irgendwann anfangen, für eine ganze Generation zu stehen.
„The Black Parade“ gehört ziemlich eindeutig zur zweiten Kategorie.
Am 23. Oktober 2006 erschien das dritte Studioalbum von My Chemical Romance. Genau 20 Jahre später veröffentlicht die Band nun „The Black Parade (20th Anniversary Deluxe Edition)“ und bündelt dabei erstmals das Originalalbum mit Material, das während dieser Phase entstanden ist.
Für Fans bedeutet das deutlich mehr als nur eine neue Vinylfarbe.
Das komplette Album bleibt natürlich dabei
Das Herzstück der Jubiläumsausgabe ist weiterhin das Originalalbum mit seinen 14 Titeln.
Dazu gehören:
The End.
Dead!
This Is How I Disappear
The Sharpest Lives
Welcome To The Black Parade
I Don’t Love You
House of Wolves
Cancer
Mama
Sleep
Teenagers
Disenchanted
Famous Last Words
Blood (A Brief Intermission)
Damit bleibt die komplette Geschichte rund um The Patient erhalten – jene Figur, die im Konzept des Albums auf ihr Leben zurückblickt und sich dem Tod beziehungsweise dem Übergang ins Jenseits nähert.
Sechs zusätzliche Songs erweitern die Geschichte
Spannender wird es bei den Bonusstücken.
Die Deluxe Edition ergänzt das Album um insgesamt sechs Tracks:
Heaven Help Us
Kill All Your Friends
My Way Home Is Through You
Dead! (Live)
The Sharpest Lives (Live)
Someone Out There Loves You (Live)
Die ersten drei Songs dürften langjährigen Fans bereits bekannt vorkommen. Sie erschienen ursprünglich verteilt auf verschiedene Veröffentlichungen und Sondereditionen rund um die „Black Parade“-Ära.
Jetzt werden sie erstmals gemeinsam mit dem kompletten Album in einer offiziellen Jubiläumsausgabe gebündelt.
„Someone Out There Loves You“ erscheint erstmals offiziell
Der interessanteste Bonus dürfte allerdings „Someone Out There Loves You“ sein.
Der Song war innerhalb der Fangemeinde längst kein vollständiges Geheimnis mehr.
My Chemical Romance spielten ihn bereits live, eine reguläre offizielle Veröffentlichung fehlte bislang allerdings.
Für die Jubiläumsausgabe wird nun eine Liveaufnahme veröffentlicht, die 2007 im Maxwell’s in Hoboken entstand.
Damit bekommt ein Stück aus der „Black Parade“-Zeit nach fast zwei Jahrzehnten doch noch einen offiziellen Platz im Katalog der Band.
Das Konzert fand vor gerade einmal 200 Menschen statt
Besonders spannend ist die Herkunft der drei Liveaufnahmen.
Sie stammen von einem Konzert am 24. Oktober 2007 im Maxwell’s in Hoboken, New Jersey.
Der Club fasste nur etwa 200 Besucher.
Das ist rückblickend fast absurd.
Zu diesem Zeitpunkt war „The Black Parade“ längst ein internationaler Erfolg und My Chemical Romance spielten normalerweise deutlich größere Hallen.
Das Maxwell’s-Konzert bot deshalb eine ungewöhnliche Gelegenheit, die Band während ihrer größten damaligen Phase noch einmal in einer extrem kleinen Location zu erleben.
„The Sharpest Lives“ erstmals regulär im Streaming
Eine dieser Aufnahmen ist „The Sharpest Lives“.
Die Liveversion war zwar bereits auf der DVD zu „The Black Parade Is Dead!“ zu sehen, wurde aber nun erstmals regulär für Streamingdienste veröffentlicht.
Damit wird das Jubiläum gleichzeitig zu einer kleinen Archivöffnung.
Und genau diesen Punkt hebt die Band selbst hervor.
My Chemical Romance erklären, dass nun erstmals alles, was während der damaligen Sessions fertiggestellt wurde, in einer Sammlung zusammengeführt werde.
James Jean kehrt ebenfalls zurück
Auch optisch greift die Jubiläumsausgabe auf ihre eigene Vergangenheit zurück.
Der Künstler James Jean, der bereits eng mit dem visuellen Erscheinungsbild der ursprünglichen „Black Parade“-Ära verbunden war, wurde von der Band erneut beauftragt.
Für die 20th Anniversary Edition schuf er drei neue Kunstwerke mit Figuren aus der Welt des Albums.
Damit soll die Neuauflage nicht einfach nur das Cover von 2006 wiederverwenden.
Die bekannte visuelle Welt wird vielmehr erweitert.
Gerade bei „The Black Parade“ spielt das eine große Rolle, weil Musik, Kostüme, Bühnenbild und Artwork von Anfang an stark miteinander verbunden waren.
Vinyl, CD, Kassette und sogar Audiophile Edition
Wer das Album physisch kaufen möchte, bekommt entsprechend viel Auswahl.
Im offiziellen Store sind unter anderem angekündigt:
Deluxe Edition auf Doppelvinyl
„Bloodline Red“-Vinyl
Baby-Pink-Vinyl
CD
Kassette
Concrete-Grey-Vinyl
eine aufwendige One Step Audiophile Edition auf 180-Gramm-Doppelvinyl
verschiedene limitierte Tour- und Sonderpressungen
Einige signierte Varianten waren bereits kurz nach der Ankündigung ausverkauft.
Sammler können sich also ziemlich tief in das Jubiläum hineinsteigern.
2006 wurde aus Emo plötzlich Stadiongröße
Als „The Black Parade“ erschien, waren My Chemical Romance keineswegs unbekannt.
Mit „Three Cheers for Sweet Revenge“ hatten sie bereits einen großen Erfolg gelandet.
Aber das dritte Album veränderte die Größenordnung komplett.
Die Band verwandelte ihren Emo- und Alternative-Rock-Sound in etwas deutlich Theatralischeres.
Streicher.
Piano.
Marschmusik.
Gitarrenwände.
Schwarze Uniformen.
Und mittendrin Gerard Way als eine Art Zeremonienmeister des eigenen Todesmarsches.
Das Ergebnis klang weniger wie ein gewöhnliches Rockalbum und teilweise eher wie ein düsteres Musical.
„Welcome To The Black Parade“ wurde zur Hymne
Ein Song steht bis heute besonders stark für das Album.
„Welcome To The Black Parade“.
Schon die ersten Klaviertöne reichen bei vielen Fans wahrscheinlich aus, um den Rest des Songs automatisch im Kopf weiterlaufen zu lassen.
Die Single verbindet Ballade, Rockhymne, Marschrhythmus und fast schon Musical-artige Dynamik miteinander.
Sie erreichte unter anderem Platz eins der britischen Singlecharts und entwickelte sich langfristig zum wahrscheinlich bekanntesten Song der Band.
Dabei funktioniert „The Black Parade“ gerade deshalb so gut, weil das Album weit mehr enthält als diese eine Hymne.
„Cancer“ zeigt die andere Seite des Albums
Ein gutes Beispiel dafür ist „Cancer“.
Der Song ist fast vollständig auf Gesang und Piano reduziert und gehört zu den emotional ruhigsten Momenten des Albums.
„Mama“ dagegen wirkt wie ein groteskes Kriegstheater.
„Teenagers“ geht stärker in Richtung Glam- und Alternative Rock.
„Famous Last Words“ wird zum großen Finale.
Und „Blood“ versteckt nach einer langen Pause am Ende noch einen makabren Nachschlag.
Diese Mischung sorgt dafür, dass „The Black Parade“ auch zwei Jahrzehnte später nicht wie eine Aneinanderreihung identischer Emo-Rocksongs klingt.
Tod war das Konzept – aber nicht das eigentliche Thema
Das Album erzählt oberflächlich vom Sterben.
Gerard Way erklärte die Grundidee einst so, dass der Tod einen Menschen in Form seiner frühesten und stärksten Erinnerung abholen könnte.
Bei The Patient ist diese Erinnerung eine Parade, die er als Kind erlebt hat. Genau daraus entsteht die „Black Parade“.
Aber das Album beschäftigt sich genauso stark mit Angst, Krankheit, Erinnerung, Schuld, Liebe und dem Wunsch, etwas zu hinterlassen.
Vielleicht funktioniert es deshalb bis heute.
Man muss keine schwarze Uniform tragen und sich der Emo-Szene verbunden fühlen, um diese Themen zu verstehen.
Die Band feiert das Jubiläum auch live
Die Jubiläumsausgabe erscheint außerdem mitten in einer großen Livephase.
My Chemical Romance touren 2026 erneut mit „The Black Parade“ und spielen das Album bei ausgewählten Shows in einem aufwendigen Konzept.
Aktuell ist die Band beim Abschluss ihrer großen US-Tour in Los Angeles angekommen.
Am 21. Oktober startete eine mehrtägige Residency im Hollywood Bowl. Weitere Shows folgen unter anderem heute, am 23. Oktober, sowie am 24. Oktober.
Damit fällt die Veröffentlichung der Jubiläumsausgabe genau zwischen mehrere riesige „Black Parade“-Konzerte.
Im Hollywood Bowl wird das Album zur großen Bühnenshow
Die aktuelle Liveproduktion geht dabei deutlich über eine gewöhnliche Jubiläumstour hinaus.
My Chemical Romance inszenieren die „Black Parade“-Welt mit Figuren, Uniformen, politischen Symbolen und einer stark theatralischen Handlung.
Beim ersten Hollywood-Bowl-Abend sorgte die Band unter anderem während „Teenagers“ mit einer bizarren Cheerleader-Inszenierung für Aufmerksamkeit.
Das passt ziemlich gut zu einem Album, das schon 2006 nie nur Musik sein wollte.
„The Black Parade“ war immer auch Bühne, Kostüm und Kunstwelt.
Und vielleicht kommt sogar noch ein neues Album
Das Jubiläum könnte gleichzeitig nicht das Ende der aktuellen My-Chemical-Romance-Phase sein.
Gerard Way deutete bei einem Konzert in San Antonio zuletzt an, dass die Band grundsätzlich Lust auf ein weiteres Album hätte.
Er sagte dem Publikum sinngemäß, die Fans hätten ein neues Album verdient und die Band würde gerne eines machen.
Eine offizielle Albumankündigung ist das allerdings ausdrücklich noch nicht.
Trotzdem ist die Aussage bemerkenswert.
Denn seit „Danger Days: The True Lives of the Fabulous Killjoys“ aus dem Jahr 2010 hat My Chemical Romance kein reguläres neues Studioalbum mehr veröffentlicht.
20 Jahre später marschiert die Parade immer noch
Als My Chemical Romance „The Black Parade“ 2006 veröffentlichten, konnte niemand wissen, welche Bedeutung das Album zwei Jahrzehnte später noch haben würde.
Die Band selbst schreibt zum Jubiläum, sie habe damals lediglich gewusst, dass etwas Verrücktes entstanden sei, das man unbedingt in die Welt bringen wollte.
Heute gehört das Album zu den wichtigsten Rockveröffentlichungen der 2000er-Jahre.
Songs daraus laufen weiterhin.
Neue Generationen entdecken sie.
Konzerthallen und Stadien sind voll.
Und jetzt erscheint das Material erstmals in einer Edition, die die wichtigsten fertigen Aufnahmen dieser Ära zusammenführt.
20 Jahre nach seinem ersten Marsch ist The Patient also noch immer unterwegs.
Und offenbar hat niemand vor, die Parade so schnell zu beenden.
Quellen
My Chemical Romance – offizielles Statement zur 20th Anniversary Edition, Bonusmaterial, neue Artworks von James Jean und aktuelle Veröffentlichungsformate.
Warner Records / offizieller MCR Store – Veröffentlichung am 23. Oktober 2026 und verschiedene Vinyl-, CD- und Kassetteneditionen.
NME, 10. September 2026 – Ankündigung der erweiterten Jubiläumsausgabe mit sechs Bonusstücken und Maxwell’s-Liveaufnahmen.
Rock Sound – vollständige Bonus-Trackliste und Statement der Band zum Jubiläum.
NME, 16. Oktober 2026 – Veröffentlichung des zuvor unveröffentlichten „Someone Out There Loves You“.
Consequence – Hintergrund zu den Maxwell’s-Aufnahmen sowie zur aktuellen Hollywood-Bowl-Residency.