Für Rollenspielfans endet damit eine Ära. BioWare hat am 21. Oktober 2026 offiziell bestätigt, dass das Studio geschlossen wird. In derselben Mitteilung erklärte das Unternehmen, dass auch die frühe Entwicklung des nächsten „Mass Effect“-Projekts beendet wird.
Damit findet eine Studiogeschichte ihr Ende, die sich über mehr als drei Jahrzehnte erstreckt und einige der prägendsten Rollenspiele der Branche hervorgebracht hat.
BioWare bestätigt das Ende selbst
In einem Beitrag im offiziellen BioWare-Blog blickt das Studio auf seine Geschichte zurück und nennt dabei unter anderem „Baldur’s Gate“, „Neverwinter Nights“, „Star Wars: Knights of the Old Republic“, „Dragon Age“, „Mass Effect“ und „Anthem“.
Die Botschaft an die Fans fällt entsprechend emotional aus. BioWare spricht von mehr als 30 Jahren gemeinsamer Abenteuer und bedankt sich bei den Spielern, die die Welten, Figuren und Entscheidungen über all diese Jahre begleitet haben.
Gleichzeitig gibt es keinen Zweifel daran, dass die Schließung endgültig gemeint ist: BioWare wird geschlossen und die frühe Entwicklung des nächsten „Mass Effect“-Projekts endet.
Das nächste „Mass Effect“ war noch in einer frühen Phase
Der nächste Teil der Science-Fiction-Reihe befand sich offenbar noch nicht in einer weit fortgeschrittenen Produktion. EA bezeichnete das Projekt gegenüber Mitarbeitern als frühe Entwicklung.
Ein neuer „Mass Effect“-Teil war bereits 2020 mit einem Teaser angekündigt worden. Konkrete Informationen zum Spiel blieben seitdem allerdings rar. Einen Veröffentlichungstermin hatte es nie gegeben. Noch Anfang 2025 hatte BioWare erklärt, dass erfahrene Entwickler aus dem Umfeld der ursprünglichen Trilogie am Projekt beteiligt seien.
Mit der Schließung des Studios endet dieses Projekt nun vollständig.
Ob Electronic Arts die Marke „Mass Effect“ langfristig ruhen lässt oder später bei einem anderen Studio wieder aufgreift, ist aktuell nicht bekannt. Bestätigt ist lediglich, dass das derzeitige Projekt nicht weiterentwickelt wird.
Rund 400 Stellen sollen wegfallen
Die BioWare-Schließung ist Teil einer größeren Umstrukturierung bei Electronic Arts.
Nach übereinstimmenden Berichten plant EA, rund 400 Stellen zu streichen. Das entspricht ungefähr drei Prozent der gesamten Belegschaft. Rund 50 der betroffenen Stellen sollen BioWare zugeordnet sein.
EA will Mitarbeitern nach eigenen Angaben helfen, andere Positionen innerhalb des Konzerns zu finden.
Damit steht die Schließung nicht isoliert da. Electronic Arts reduziert gleichzeitig weitere Teams und Projekte und richtet sein Portfolio stärker auf eine kleinere Zahl großer Marken aus.
Weitere Projekte werden gestrichen oder verkleinert
Nicht nur „Mass Effect“ ist von dem Umbau betroffen.
Auch ein neues „The Sims“-Projekt mit dem internen Codenamen „Project Lotus“ wurde eingestellt. Stattdessen soll EA ein anderes Projekt mit dem Namen „Project Evergreen“ priorisieren.
Die Entwicklung von „skate.“ läuft weiter, allerdings mit einem verkleinerten Team.
Gleichzeitig will Electronic Arts weiterhin in große bestehende Marken investieren. Dazu gehören unter anderem „Battlefield“, „Apex Legends“, die Sportspiele des Publishers sowie das nächste „Star Wars Jedi“.
Auch das bei Motive entstehende „Iron Man“-Spiel soll weiterentwickelt werden.
Von „Baldur’s Gate“ bis „Mass Effect“
BioWare wurde 1995 im kanadischen Edmonton gegründet und entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zu einem der wichtigsten Namen im Rollenspielgenre.
Mit „Baldur’s Gate“ und „Baldur’s Gate II“ schuf das Studio Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre zwei Titel, die westliche Computerrollenspiele nachhaltig beeinflussten.
Es folgten Spiele wie „Neverwinter Nights“, „Jade Empire“ und „Star Wars: Knights of the Old Republic“.
2007 wurde BioWare von Electronic Arts übernommen. Unter EA entstanden anschließend vor allem die Serien „Mass Effect“ und „Dragon Age“, die BioWare endgültig zu einem der bekanntesten Rollenspielstudios weltweit machten.
BioWare hatte zuletzt schwierige Jahre
Die vergangenen Jahre verliefen für das Studio allerdings deutlich unruhiger.
„Mass Effect: Andromeda“ erschien 2017 und konnte nicht an die Begeisterung für die ursprüngliche Trilogie anknüpfen. Zwei Jahre später folgte mit „Anthem“ ein ambitioniertes Online-Spiel, das die Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen konnte.
2024 veröffentlichte BioWare schließlich „Dragon Age: The Veilguard“. Auch dieses Spiel blieb laut EA hinter den erwarteten Verkaufszahlen zurück. Danach wurde das Studio bereits deutlich verkleinert.
Trotzdem arbeitete ein kleines Team weiter am nächsten „Mass Effect“. Mit der aktuellen Entscheidung endet nun auch dieser letzte größere BioWare-Entwicklungszweig.
Ein Name, der das Rollenspiel geprägt hat
Die Bedeutung von BioWare lässt sich dabei kaum nur an Verkaufszahlen messen.
Gerade mit seinen erzählerischen Rollenspielen etablierte das Studio eine Spielweise, bei der Dialogentscheidungen, Beziehungen zu Begleitfiguren und moralische Konsequenzen eine zentrale Rolle spielten.
„Mass Effect“ machte dieses Prinzip später auch außerhalb klassischer Fantasy-Rollenspiele populär. Entscheidungen konnten teilweise sogar von einem Spiel in den nächsten Teil übernommen werden.
Auch die Romanzen mit Begleitfiguren, umfangreiche Dialogsysteme und stark charakterorientierte Geschichten wurden zu einem Markenzeichen des Studios.
Viele dieser Elemente sind heute in modernen Rollenspielen selbstverständlich.
Was passiert mit „Mass Effect“ und „Dragon Age“?
Das ist derzeit die größte offene Frage.
Electronic Arts hat nicht erklärt, dass die Marken selbst eingestellt werden. Lediglich das aktuell entwickelte „Mass Effect“-Projekt wurde beendet.
Theoretisch könnten „Mass Effect“ und „Dragon Age“ deshalb irgendwann bei anderen Studios weitergeführt werden. Dafür gibt es momentan allerdings keine bestätigten Pläne.
Für Fans bedeutet das zunächst vor allem eines: Mit einem neuen „Mass Effect“ ist auf absehbare Zeit nicht mehr zu rechnen.
Ende einer mehr als 30-jährigen Geschichte
Dass ein traditionsreiches Studio geschlossen wird, ist in der Spielebranche längst kein einmaliges Ereignis. Bei BioWare trifft es allerdings einen Namen, der mehrere Generationen von Rollenspielen mitgeprägt hat.
Vom ersten „Baldur’s Gate“ über „Knights of the Old Republic“ und „Dragon Age“ bis zur „Mass Effect“-Trilogie zieht sich eine Studiogeschichte, die für viele Spieler eng mit erzählerischen Rollenspielen verbunden ist.
Nun endet diese Geschichte mit einer Nachricht, die sich BioWare-Fans vermutlich lange nicht vorstellen wollten: Das Studio schließt – und das nächste „Mass Effect“ endet noch vor seiner eigentlichen Veröffentlichung.
Quellen
BioWare, 21. Oktober 2026 – offizielles Statement zur Studioschließung und zum Ende des nächsten „Mass Effect“-Projekts.
Reuters, 21. Oktober 2026 – EA-Umstrukturierung, rund 400 Stellenstreichungen und BioWare-Schließung.
Associated Press, 22. Oktober 2026 – BioWare-Schließung und Einstellung des nächsten „Mass Effect“.
Golem, 22. Oktober 2026 – Hintergrund zu BioWare, „Mass Effect“ und der Studioschließung.
Gematsu, 21. Oktober 2026 – weitere EA-Projektstreichungen und Umstrukturierungen.