Wer Ryan Gosling musikalisch zuletzt hauptsächlich mit „I’m Just Ken“ aus „Barbie“ oder seinen Songs aus „La La Land“ verbunden hat, bekommt jetzt eine ganz andere Seite des Schauspielers zurück.
Am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Dead Man’s Bones ihre neue Single „Lost In The Night“. Es ist die erste neue Veröffentlichung des Duos seit dem selbstbetitelten Debütalbum von 2009.
Dead Man’s Bones sind nach 17 Jahren tatsächlich wieder da
Dead Man’s Bones bestehen aus Ryan Gosling und dem Drehbuchautor und Produzenten Zach Shields. Das Projekt entwickelte über die Jahre fast Kultstatus, obwohl die beiden nur ein einziges Album veröffentlicht hatten.
Seit 2009 gab es keine neue Musik mehr. Zwar tauchten die alten Songs weiterhin in Filmen, Serien und Halloween-Playlists auf, das Duo selbst blieb musikalisch aber weitgehend verschwunden.
Mit „Lost In The Night“ endet diese Pause nun ziemlich plötzlich.
Die Rückkehr wurde kurz vor Halloween „beschworen“
Ganz ohne passende Inszenierung ging es natürlich nicht.
Ryan Goslings Partnerin Eva Mendes begann wenige Tage vor der Veröffentlichung in sozialen Netzwerken scherzhaft damit, neue Musik von Dead Man’s Bones „heraufzubeschwören“. Kurz darauf erschien gemeinsam mit dem neu eingerichteten Band-Account ein mysteriöser Hinweis auf den 27. Oktober.
Das passte perfekt zu einer Band, deren gesamte Ästhetik schon immer von Geistern, Monstern, Friedhöfen und alten Horrorfilmen geprägt war.
Und diesmal funktionierte die Beschwörung offenbar.
„Lost In The Night“ klingt vertraut – aber nicht wie 2009 eingefroren
Der neue Song behält die dunkle Atmosphäre von Dead Man’s Bones bei, klingt aber gleichzeitig moderner.
Atmosphärische Gitarren treffen auf Drumcomputer, Synthesizer und einen deutlich stärker ausgeprägten Post-Punk-Einschlag. Das Label beschreibt die Aufnahme als düster, aber gleichzeitig hoffnungsvoll.
Andere Einordnungen hören darin sogar eine Mischung aus der rohen Maschinenästhetik von Suicide und der großen, hymnischen Weite von Bruce Springsteen.
Das klingt zunächst nach einer seltsamen Kombination.
Bei Dead Man’s Bones funktioniert seltsam allerdings traditionell ziemlich gut.
Die perfekte Studioaufnahme entstand ausgerechnet nicht im Studio
Besonders interessant ist die Entstehungsgeschichte.
Gosling und Shields hatten zuvor verschiedene Studios in Los Angeles ausprobiert, fanden dort aber offenbar nicht den Klang, nach dem sie suchten.
Also machten sie es deutlich einfacher.
Sie nahmen zwei Gitarren, zwei Drumcomputer und zwei Synthesizer mit auf eine Farm außerhalb von Los Angeles.
Dort entstand „Lost In The Night“ innerhalb eines einzigen Tages.
Produzent Tim Anderson ist ebenfalls wieder dabei
Ganz bei null musste das Duo dabei nicht anfangen.
Produziert wurde die Single gemeinsam mit Tim Anderson, der schon beim ersten Dead-Man’s-Bones-Album eine zentrale Rolle gespielt hatte.
Damit verbindet der neue Song die alte Bandgeschichte mit einer deutlich reduzierteren Aufnahmesituation.
Kein großes Hollywood-Studio.
Keine riesige Produktion.
Eine Farm, ein paar Instrumente und ein Tag Zeit.
Inhaltlich ist der Song überraschend romantisch
Wer bei Dead Man’s Bones automatisch mit Geistern, Tod und Monsterromantik rechnet, liegt diesmal nur teilweise richtig.
Die musikalische Atmosphäre bleibt dunkel, der Text von „Lost In The Night“ ist dagegen deutlich romantischer. Im Zentrum steht die Sehnsucht nach einer Person und die Hoffnung, gemeinsam etwas Dunkles hinter sich lassen zu können.
Dadurch entsteht ein interessanter Gegensatz:
Die Musik klingt nach Mitternacht auf einem verlassenen Friedhof.
Der eigentliche Song ist fast ein Liebeslied.
Das Musikvideo beginnt trotzdem auf einem Friedhof
Natürlich können Dead Man’s Bones ihre Horrorwurzeln nicht komplett ignorieren.
Das Schwarz-Weiß-Video zu „Lost In The Night“ beginnt auf einem Friedhof und zeigt anschließend zwei junge Menschen, die gemeinsam durch die Nacht ziehen.
Die Hauptrollen übernehmen Rain Spencer und Noah Jupe.
Statt klassischem Horror entwickelt sich der Clip allerdings zunehmend zu einer romantischen nächtlichen Geschichte.
Auch hier gilt also:
erst Friedhof.
Dann Liebe.
Sehr Dead Man’s Bones.
Die Geschichte der Band begann mit Disneyland
Dass Ryan Gosling überhaupt einmal eine Gothic-Band gegründet hat, klingt für viele wahrscheinlich noch immer überraschend.
Gosling und Zach Shields lernten sich über ihre gemeinsame Begeisterung für düstere Geschichten und insbesondere die Haunted Mansion in Disneyland besser kennen.
Aus dieser Faszination entstand schließlich die Idee für Dead Man’s Bones.
Ursprünglich sollte das Projekt sogar wesentlich größer werden.
Eigentlich sollte es ein Theaterstück über Monster und Geister werden
Die Musik war zunächst als Soundtrack für ein Theaterstück gedacht.
Im Mittelpunkt sollte eine Liebesgeschichte zwischen übernatürlichen Figuren stehen. Das Projekt wurde allerdings immer aufwendiger und kostspieliger, sodass Gosling und Shields die Theaterpläne schließlich aufgaben.
Die bereits entstandenen Songs wollten sie trotzdem nicht verwerfen.
Also wurde daraus ein Album.
2009 erschien „Dead Man’s Bones“.
Ein Kinderchor machte das Debüt noch ungewöhnlicher
Für das Album arbeiteten Gosling und Shields mit dem Silverlake Conservatory Children’s Choir zusammen.
Das Silverlake Conservatory of Music wurde unter anderem von Red-Hot-Chili-Peppers-Bassist Flea mitgegründet. Die Kinderstimmen gaben den Songs eine Mischung aus Unschuld, Grusel und alter Halloween-Schallplatte.
Gerade dieser Kontrast wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Sounds.
Gothic Folk traf auf Doo-Wop, Rock ’n’ Roll, Orgeln, Chöre und Horrorfilm-Atmosphäre.
Auch auf Tour nahmen sie die Choridee mit
Bei ihren Konzerten 2009 und 2010 blieb es nicht bei einem festen Begleitchor.
Dead Man’s Bones arbeiteten teilweise mit lokalen Kinderchören in den jeweiligen Städten zusammen.
Dadurch konnte sich jede Show etwas anders anfühlen und gleichzeitig die ungewöhnliche Atmosphäre des Albums beibehalten.
Danach wurde es allerdings still.
Sehr still.
Ryan Gosling hatte inzwischen ein paar andere Dinge zu tun
Die Erklärung dafür ist zumindest teilweise offensichtlich.
Ryan Gosling entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem der bekanntesten Schauspieler Hollywoods. „Drive“, „The Place Beyond the Pines“, „The Big Short“, „La La Land“, „Blade Runner 2049“ und später „Barbie“ sorgten dafür, dass seine Zeit wahrscheinlich nicht unbedingt nach einer zusätzlichen Gothic-Folk-Tour verlangte.
Musik verschwand trotzdem nie vollständig aus seiner Karriere.
Besonders „La La Land“ zeigte 2016 ausführlich, dass Gosling selbst singt und Klavier spielt.
Dann kam „I’m Just Ken“
2023 wurde seine musikalische Seite plötzlich sogar zum weltweiten Popkultur-Thema.
Als Ken sang Gosling in „Barbie“ „I’m Just Ken“ und brachte den Song später auch bei den Oscars auf die Bühne.
Für viele jüngere Zuschauer war das vermutlich das erste Mal, dass sie Ryan Gosling überhaupt als Musiker wahrnahmen.
Dead-Man’s-Bones-Fans wussten dagegen längst:
Ken ist nicht das seltsamste Musikprojekt in diesem Lebenslauf.
Nicht einmal annähernd.
Zach Shields blieb ebenfalls im Filmgeschäft
Auch Shields war in der langen Bandpause nicht untätig.
Er arbeitete als Autor und Produzent an verschiedenen Filmprojekten und schrieb unter anderem an Produktionen aus dem „Godzilla“-Universum.
Aktuell arbeitet er zudem am kommenden „Weapons“-Prequel „Gladys“.
Damit kommen bei Dead Man’s Bones weiterhin zwei Menschen zusammen, deren eigentliche Hauptkarrieren stark im Filmgeschäft liegen.
Vielleicht erklärt gerade das, warum die Musik so cineastisch wirkt.
Das Debüt hat die Pause erstaunlich gut überlebt
Obwohl Dead Man’s Bones 17 Jahre lang nichts Neues veröffentlichten, verschwand das Album nie komplett.
Songs wie „In the Room Where You Sleep“, „Pa Pa Power“ oder „Lose Your Soul“ entwickelten über die Jahre eine treue Hörerschaft.
Besonders zur Halloweenzeit taucht die Musik regelmäßig wieder auf Playlists und sozialen Plattformen auf.
„In the Room Where You Sleep“ schaffte es außerdem in den Horrorfilm „The Conjuring“.
Cat Power coverte „Pa Pa Power“
Auch andere Künstler hielten die Musik am Leben.
Cat Power veröffentlichte 2022 eine eigene Version von „Pa Pa Power“ auf ihrem Album „Covers“.
Dass ein Projekt mit nur einem Album nach mehr als einem Jahrzehnt noch immer gecovert und weiterentdeckt wird, zeigt ziemlich gut, warum die aktuelle Rückkehr so viel Aufmerksamkeit bekommt.
Dead Man’s Bones waren nie eine riesige Mainstream-Band.
Aber sie wurden auch nie vollständig vergessen.
Kommt jetzt ein zweites Album?
Das ist momentan die entscheidende Frage.
Ein neues Album haben Ryan Gosling und Zach Shields noch nicht angekündigt.
Genau das sollten wir also auch nicht behaupten.
Allerdings endete die Ankündigung der neuen Single mit einem ziemlich interessanten Hinweis:
„More coming soon.“
Das klingt zumindest danach, als würde „Lost In The Night“ nicht einfach ein einmaliges Halloween-Lebenszeichen bleiben.
Was genau folgt, ist noch offen.
Vielleicht war die Pause länger als die eigentliche Karriere
Das Kuriose an Dead Man’s Bones ist ohnehin die Zeitrechnung.
Die Band veröffentlichte ihr Debüt 2009.
Spielte anschließend einige Konzerte.
Und verschwand dann für 17 Jahre.
Die Pause dauerte damit inzwischen deutlich länger als die aktive erste Phase des Projekts.
Trotzdem reicht offenbar ein einziger neuer Song, und die Band fühlt sich sofort wieder erstaunlich vertraut an.
Ryan Gosling ist wieder da – aber nicht als Ken
Natürlich bleibt Ryan Gosling in erster Linie Schauspieler.
Niemand weiß momentan, ob Dead Man’s Bones künftig wieder regelmäßig veröffentlichen, ein zweites Album aufnehmen oder sogar auf die Bühne zurückkehren.
Aber „Lost In The Night“ beweist zumindest eines:
Das Projekt ist nicht tot.
Was für eine Band namens Dead Man’s Bones vermutlich die passendste Nachricht überhaupt ist.
Nach 17 Jahren sind Ryan Gosling und Zach Shields wieder musikalisch unterwegs.
Und diesmal versprechen sie sogar:
Da kommt noch mehr.
Quellen
ANTI- Records – „Lost In The Night“ erschien am 27. Oktober 2026; erste neue Musik seit dem Debüt von 2009 sowie Hintergründe zur eintägigen Aufnahme auf einer Farm.
Pitchfork, 27. Oktober 2026 – Rückkehr nach 17 Jahren, Produktion mit Tim Anderson und Musikvideo mit Noah Jupe und Rain Spencer.
Rolling Stone, 27. Oktober 2026 – Sound der neuen Single, Entstehung, Comeback und Hinweis „More coming soon“.
VISIONS, 27. Oktober 2026 – Einordnung zwischen Gothic Folk und Post-Punk sowie Hintergründe zur Geschichte von Dead Man’s Bones.
Pitchfork, 23. Oktober 2026 – Eva Mendes’ Comeback-Teaser und Geschichte des Debütalbums mit dem Silverlake Conservatory Children’s Choir.