Wer Mobilfunktarife in Deutschland vergleicht, landet normalerweise ziemlich schnell bei denselben Namen. Telekom, Vodafone und Telefónica betreiben die großen Netze, daneben gibt es zahlreiche Marken und Discounter, die deren Infrastruktur nutzen.
Seit dem 16. Juni 2026 gibt es allerdings einen weiteren Anbieter: Spusu.
Der Name klingt zunächst ungewöhnlich, ist aber schlicht eine Abkürzung für „Sprich und surf“. Gegründet wurde Spusu bereits 2015 in Österreich.
Spusu kommt aus Österreich
Hinter Spusu steht die österreichische Mass Response rund um Gründer Franz Pichler.
Das Unternehmen startete vor elf Jahren auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt und gibt inzwischen an, mehr als eine Million Kunden zu betreuen. Deutschland war dabei schon lange ein Ziel.
Der Markteintritt dauerte allerdings deutlich länger als ursprünglich geplant. Spusu versuchte nach eigenen Angaben bereits seit rund zehn Jahren, Zugang zum deutschen Mobilfunkmarkt zu bekommen. Erst regulatorische Veränderungen machten den tatsächlichen Start 2026 möglich.
Welches Netz nutzt Spusu?
Auf den ersten Blick lautet die Antwort einfach:
Vodafone.
Spusu verwendet in Deutschland das Funknetz von Vodafone – also dessen Mobilfunkmasten und Funkfrequenzen für 4G und 5G.
Technisch gibt es allerdings einen wichtigen Unterschied zu vielen klassischen Mobilfunkdiscountern.
Hinter den Vodafone-Antennen steckt Spusus eigene Technik
Spusu betreibt ein eigenes Mobilfunk-Kernnetz.
Vereinfacht gesagt: Das Smartphone verbindet sich über die Vodafone-Antennen mit dem Mobilfunknetz, anschließend übernimmt jedoch Spusus eigene technische Infrastruktur einen großen Teil der weiteren Verarbeitung.
Dadurch ist Spusu mehr als eine Marke, die einfach nur einen bestehenden Tarif unter anderem Namen verkauft. Der Anbieter kann bestimmte Funktionen und Tarifmodelle selbst steuern und ist technisch unabhängiger vom Netzpartner als viele gewöhnliche Mobilfunkdiscounter.
5G mit bis zu 200 Mbit/s
Bei den aktuellen Tarifen ist 5G bereits inklusive.
Spusu nennt maximal 200 Mbit/s im Download und 75 Mbit/s im Upload. Das gilt auch für vergleichsweise günstige Tarife.
Natürlich bedeutet eine Maximalgeschwindigkeit von 200 Mbit/s nicht, dass dieser Wert jederzeit erreicht wird. Standort, Auslastung, Gebäude und die lokale Vodafone-Abdeckung spielen weiterhin eine Rolle.
Ein Praxistest von teltarif erreichte kurz nach dem Deutschlandstart allerdings nahezu die angegebenen 200 Mbit/s.
Die Preise fallen ziemlich aggressiv aus
Spusu versucht vor allem über ein simples Preis-Leistungs-Verhältnis aufzufallen.
Stand 29. Oktober 2026 gibt es beispielsweise:
5 GB für 4,90 Euro monatlich
30 GB für 9,90 Euro monatlich
100 GB im Tarif „spusu legendär“ für 12,90 Euro monatlich
130 GB für 13,90 Euro monatlich
Alle genannten Tarife enthalten 5G, eine Telefon- und SMS-Flatrate innerhalb Deutschlands und sind ohne langfristige Mindestvertragsdauer erhältlich.
Gerade die größeren Datenpakete positionieren Spusu preislich ziemlich offensiv gegen etablierte Discounter.
Keine klassischen Zwei-Jahres-Verträge
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Laufzeit.
Spusu verzichtet auf die typischen 24-Monats-Verträge. Die Mobilfunktarife können zum Monatsende gekündigt werden.
Das Smartphone kann zwar auf Wunsch ebenfalls über Spusu gekauft werden, der Gerätekauf wird aber nicht künstlich mit einer langen Mobilfunkvertragslaufzeit verbunden.
Damit gehört die bekannte Frage „Wie lange bin ich eigentlich noch an meinen Vertrag gebunden?“ zumindest bei den reinen Spusu-Tarifen weitgehend der Vergangenheit an.
Ungenutztes Datenvolumen kann mitgenommen werden
Interessant ist außerdem das sogenannte „daten.trans.fair“.
Nicht verbrauchtes Datenvolumen verschwindet am Monatsende nicht automatisch. Stattdessen kann es für spätere Monate angespart werden.
Beim 30-GB-Tarif können beispielsweise bis zu 60 zusätzliche Gigabyte angesammelt werden. Beim aktuellen 130-GB-Tarif sind es bis zu 260 GB Reservevolumen. Dieses angesparte Volumen kann anschließend zusätzlich zum normalen Datenpaket innerhalb Deutschlands verwendet werden.
Für Menschen mit stark schwankendem Datenverbrauch ist das deutlich praktischer als ein Tarif, bei dem am Monatsende alles verfällt.
Auch die Schweiz gehört beim Datenroaming dazu
Beim Roaming gibt es ebenfalls eine ungewöhnliche Besonderheit.
Spusu lässt das enthaltene Datenvolumen nicht nur innerhalb der EU nutzen, sondern nach eigenen Angaben auch in Großbritannien und der Schweiz.
Gerade die Schweiz ist interessant, weil sie nicht zum EU-Roaming gehört und bei vielen deutschen Mobilfunktarifen zusätzliche Kosten verursacht.
Vor einer Reise sollte man trotzdem immer die aktuelle Preisliste prüfen – insbesondere bei Telefonaten oder Verbindungen außerhalb der inkludierten Länder.
1.000 Minuten von Deutschland in andere EU-Länder
Eine weitere Besonderheit betrifft Auslandsgespräche.
Aktuelle Spusu-Tarife enthalten 1.000 Minuten pro Monat für Anrufe von Deutschland in andere EU-Länder sowie nach Großbritannien.
Das ist nicht dasselbe wie EU-Roaming.
Roaming bedeutet, dass man sich selbst im Ausland befindet. Hier geht es dagegen darum, beispielsweise von Deutschland aus eine österreichische, französische oder italienische Telefonnummer anzurufen. Solche Gespräche sind bei vielen deutschen Mobilfunktarifen nicht Bestandteil einer normalen Allnet-Flatrate.
SIM-Karte oder eSIM
Bei der Bestellung können Kunden zwischen einer klassischen SIM-Karte und einer eSIM wählen.
Die physische Karte wird kostenlos zugeschickt. Wer ein kompatibles Smartphone besitzt und die eSIM verwendet, kann den Tarif dagegen unmittelbar nach der Bestellung aktivieren.
Interessant ist außerdem: Spusu gibt Kunden nach der Bestellung bis zu sechs Monate Zeit, die SIM zu aktivieren. Die monatliche Abrechnung startet erst mit der Aktivierung.
Das ist beispielsweise praktisch, wenn der bestehende Vertrag erst einige Monate später endet.
Spusu will sogar den alten Vertrag kündigen
Auch beim Anbieterwechsel versucht Spusu, möglichst viel Arbeit abzunehmen.
Auf Wunsch übernimmt das Unternehmen die Kündigung des bisherigen Mobilfunkvertrags und organisiert die kostenlose Rufnummernmitnahme.
Das ist zwar technisch keine Revolution, senkt aber gerade für Menschen, die nur selten ihren Mobilfunkanbieter wechseln, die Hürde deutlich.
Der Kundenservice soll ausdrücklich von Menschen kommen
Vielleicht der ungewöhnlichste Teil des gesamten Konzepts ist allerdings nicht der Tarif.
Es ist der Kundenservice.
Spusu wirbt ausgesprochen offensiv damit, keine Chatbots als Ersatz für Servicemitarbeiter einzusetzen. Kunden können das Unternehmen telefonisch, per E-Mail oder WhatsApp erreichen.
Firmengründer Franz Pichler gab zum Deutschlandstart an, dass Anrufe im Schnitt innerhalb von ungefähr zehn Sekunden von Mitarbeitern entgegengenommen werden sollen. Bei WhatsApp-Anfragen nennt das Unternehmen rund zwei Minuten als Ziel.
Ob solche Zeiten auch bei deutlich wachsender Kundenzahl dauerhaft gehalten werden können, wird sich erst zeigen.
Erste Tests loben gerade diesen Service
Zumindest zum Deutschlandstart fiel die Resonanz in ersten Praxistests überwiegend positiv aus.
teltarif berichtete beispielsweise von einer schnellen Aktivierung und gut erreichbarem Kundenservice. Auch die grundlegende Telefonie und mobile Datennutzung funktionierten problemlos.
Auf Trustpilot liegt Spusu Deutschland derzeit bei 4,2 von 5 Punkten. Viele Bewertungen loben insbesondere Preis-Leistung, Wechsel und Support. Gleichzeitig gibt es auch Kritik an Empfang, Roaming und einzelnen technischen Problemen. Solche Nutzerbewertungen sind allerdings subjektiv und bei einem noch jungen Anbieter nur begrenzt repräsentativ.
Ganz ohne Kinderkrankheiten lief der Start nicht
Der ungewöhnliche technische Aufbau bringt nämlich auch Besonderheiten mit sich.
In frühen Tests unmittelbar nach dem Deutschlandstart mussten beispielsweise einige Einstellungen für 5G, VoLTE oder Hotspot-Nutzung bei bestimmten Smartphones teilweise manuell vorgenommen werden.
Auch die Mailbox und einzelne netzspezifische Funktionen verhalten sich bei Spusu teilweise anders als bei einem direkten Vodafone-Vertrag.
Das heißt nicht, dass Spusu grundsätzlich problematisch funktioniert. Es zeigt aber, dass „nutzt das Vodafone-Netz“ nicht automatisch bedeutet „funktioniert technisch exakt wie ein Vodafone-Vertrag“.
Genau dieser Unterschied ist wichtig
Wer zu Spusu wechselt, nutzt die Funkabdeckung von Vodafone.
Aber Spusu ist kein Vodafone-Tarif mit grünem Logo.
Das eigene Kernnetz bedeutet, dass Datenverbindungen, Telefoniefunktionen, Roaming und bestimmte technische Dienste anders umgesetzt sein können.
Für die meisten Nutzer dürfte davon im Alltag wenig zu bemerken sein. Wer allerdings besondere Netzwerkfunktionen benötigt oder ein ungewöhnliches Smartphone verwendet, sollte vorher prüfen, ob alle gewünschten Funktionen unterstützt werden.
Bastian Schweinsteiger erklärt den Deutschen Spusu
Beim Marketing setzt der österreichische Anbieter auf einen Namen, den in Deutschland praktisch jeder kennt:
Bastian Schweinsteiger.
Der ehemalige Fußball-Nationalspieler ist das zentrale Werbegesicht für den Deutschlandstart und erklärt in der aktuellen Kampagne unter anderem das Tarifmodell und die Marke.
Damit tritt ein vergleichsweise unbekannter Mobilfunkanbieter von Beginn an ziemlich selbstbewusst auf.
Kann Spusu den deutschen Mobilfunkmarkt wirklich verändern?
Das wird sich vermutlich erst in einigen Jahren beantworten lassen.
Preislich ist die Ausgangslage interessant: hohe Datenpakete, 5G mit bis zu 200 Mbit/s, keine langfristige Vertragsbindung, Datenmitnahme und ein ungewöhnlich umfangreiches Roaming-Angebot.
Technisch besitzt Spusu durch sein eigenes Kernnetz außerdem deutlich mehr Kontrolle als ein gewöhnlicher Mobilfunkdiscounter.
Der vielleicht wichtigste Test kommt allerdings noch.
Guter Service ist einfach – solange man klein ist
Aktuell kann Spusu noch mit kurzen Antwortzeiten und persönlichem Kontakt werben.
Spannend wird es, wenn die Kundenzahl in Deutschland deutlich wächst.
Denn genau dann muss sich zeigen, ob das Versprechen vom schnellen persönlichen Kundenservice auch mit hunderttausenden zusätzlichen Verträgen funktioniert.
In Österreich scheint das Konzept bislang aufzugehen.
Deutschland ist allerdings ein deutlich größerer Markt.
Ein ungewöhnlich ernstzunehmender Neuling
Spusu ist deshalb interessanter als eine weitere neue Discountmarke.
Der Anbieter bringt mehr als zehn Jahre Erfahrung aus Österreich mit, betreibt eigene Netztechnik und versucht, sich nicht ausschließlich über den niedrigsten Preis zu definieren.
Ob daraus langfristig ein großer deutscher Mobilfunkanbieter wird, bleibt offen.
Aber Konkurrenz tut einem Markt selten weh.
Und wenn ein neuer Anbieter dafür sorgt, dass andere Provider plötzlich über günstigere Tarife, flexiblere Verträge, Datenmitnahme und besseren Kundenservice nachdenken müssen, profitieren am Ende möglicherweise auch Menschen, die niemals zu Spusu wechseln.
Quellen
Spusu Deutschland – aktuelle Tarife, 5G, daten.trans.fair, Roaming, Wechselservice und Kundenservice.
CHIP, 16. Juni 2026 – Deutschlandstart, Unternehmensgeschichte, Vodafone-Kooperation und Servicekonzept.
teltarif.de, 16. Juni 2026 – Deutschlandstart nach langer Vorbereitung, eigenes Kernnetz, Auslandstelefonie und Kundenservice.
ComputerBase, 16. Juni 2026 – technischer Aufbau mit Vodafone-Funknetz und eigenem Mobilfunk-Core.
teltarif.de, Juni/Juli 2026 – erste Praxistests zu Geschwindigkeit, Aktivierung, Roaming und technischen Besonderheiten.