Bei Take That darf diesmal Howard nach vorne
Es gibt bei Take That Rollen, an die man sich über Jahrzehnte ziemlich gut gewöhnt hat.
Gary Barlow steht meistens am Mikrofon.
Mark Owen bekommt regelmäßig seine eigenen großen Momente.
Und Howard Donald?
Der gehört selbstverständlich genauso zur Band – übernimmt beim Leadgesang aber deutlich seltener das komplette Rampenlicht.
Genau deshalb fällt die neue Single sofort auf.
„Higher“ ist da – und Howard Donald singt den Lead.
Der Song wurde am heutigen Donnerstagmorgen erstmals von Vernon Kay bei BBC Radio 2 präsentiert und ist der mittlerweile fünfte Vorgeschmack auf Take Thats neues Album „Dreamers“.
Und falls jemand beim Titel gerade kurz an „Higher Than Higher“ von 2014 gedacht hat:
Nein.
Das hier ist ein komplett neuer Song.
Take That haben einfach beschlossen, dass es offenbar noch nicht genügend Möglichkeiten gibt, musikalisch nach oben zu wollen.
Diesmal geht es deutlich Richtung Disco
Musikalisch unterscheidet sich „Higher“ ziemlich deutlich von einigen bisherigen Songs der aktuellen Albumphase.
Der Track setzt auf einen Disco-inspirierten Sound.
Treibender Rhythmus.
Groove.
Tanzbarer Pop.
Und deutlich mehr Dancefloor als große Klavierballade.
Damit zeigen Take That eine weitere Seite ihres kommenden Albums.
„Dreamers“ soll bewusst nicht ausschließlich aus einem einzigen Stil bestehen.
Die Band kündigt eine Mischung aus Radiopop, Folk, House, klassischen Klavierballaden und groß angelegtem Orchesterpop an.
„Higher“ übernimmt dabei offenbar den Job, die Discokugel anzuschalten.
Und Howard Donald bekommt die Schlüssel.
Howard Donald als Leadsänger ist immer etwas Besonderes
Dass Donald den kompletten Leadgesang übernimmt, dürfte vor allem langjährige Fans freuen.
Denn obwohl er seit der Gründung Anfang der 1990er untrennbar zu Take That gehört, stand er gesanglich häufig etwas hinter Gary Barlow und Mark Owen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass er nie eigene Songs gesungen hätte.
Gerade seit dem großen Comeback der Band Mitte der 2000er bekam Donald immer wieder deutlich mehr Raum.
Auf „The Circus“ von 2008 sang er beispielsweise „Here“.
Bei „Progress“ teilte er sich auf „Happy Now“ Teile des Leads mit Robbie Williams.
Auch auf späteren Alben wurde der Gesang innerhalb der Gruppe zunehmend stärker verteilt.
Trotzdem:
Eine neue Single, die so klar von Howard Donald angeführt wird, bleibt ungewöhnlich genug, um sofort aufzufallen.
Und ehrlich gesagt passt Disco ziemlich gut zu ihm
Ganz zufällig dürfte die Wahl nicht sein.
Donald besitzt seit vielen Jahren eine starke Verbindung zu elektronischer Musik und DJ-Kultur.
Auch außerhalb von Take That arbeitete er immer wieder als DJ und spielte House-Sets.
Dass ausgerechnet ein Disco-inspirierter Track jetzt zu seiner großen Lead-Single wird, wirkt deshalb ziemlich passend.
„Higher“ fühlt sich weniger danach an, als hätte man irgendwann im Studio entschieden:
„Howard braucht auch noch einen Song.“
Sondern eher nach einem Track, der bewusst zu seiner musikalischen Seite passt.
Und genau deshalb funktioniert die Rollenverteilung besonders gut.
Es ist bereits die fünfte Single aus „Dreamers“
Take That haben ihr neues Album inzwischen erstaunlich großzügig vorgestellt.
„Higher“ ist bereits die fünfte Single daraus.
Den Anfang machte im März „You’re A Superstar“.
Der Song war die erste komplett neue Take-That-Musik seit dem Album „This Life“ von 2023 und wurde zuvor bereits in der Netflix-Dokumentation über die Band vorgestellt.
Danach folgten weitere Songs aus der neuen Ära.
Dazu gehört unter anderem der Titelsong „Dreamers“.
Und im September veröffentlichten Gary Barlow, Mark Owen und Howard Donald gemeinsam mit Michael Patrick Kelly die Single „Feel My Love“.
Jetzt kommt mit „Higher“ eine musikalisch deutlich tanzbarere Variante hinzu.
Michael Patrick Kelly gehört sogar fest zum Album
Die Zusammenarbeit mit Michael Patrick Kelly war dabei nicht einfach irgendein einmaliger Remix.
„Feel My Love with Michael Patrick Kelly“ gehört regulär zur Trackliste von „Dreamers“.
Die Verbindung funktionierte in Deutschland besonders sichtbar:
Am 4. September standen Take That und Kelly bei der Goldenen Henne 2026 gemeinsam auf der Bühne und spielten den Song dort erstmals live im deutschen Fernsehen.
Im Anschluss bekamen Take That außerdem den Ehrenpreis Musik International.
Das neue Album entwickelt dadurch inzwischen tatsächlich so etwas wie eine eigene kleine Geschichte.
Netflix-Dokumentation.
Neue Singles.
Sommer-Tour.
Kollaborationen.
Und jetzt Howard Donald mit Disco.
2026 ist für Take That ziemlich voll.
„Dreamers“ erscheint am 20. November
Das komplette Album folgt am 20. November 2026.
„Dreamers“ ist das zehnte Studioalbum der Band.
Die Standardversion umfasst zwölf Songs:
„Wonderkids“
„You’re A Superstar“
„Best Heartbreak“
„Sweet July“
„Higher“
„Who Do You Think You Are“
„Dreamers“
„Feel My Love with Michael Patrick Kelly“
„Change of Season“
„My Love Is Yours“
„Saint“
und „Masterpiece“.
Schon die bislang veröffentlichten Stücke zeigen, dass Take That diesmal bewusst verschiedene Poprichtungen miteinander verbinden wollen.
Die Band selbst beschreibt das Album als Verbindung dessen, was Take That früher ausgemacht hat, mit ihrem heutigen Sound.
Und ja: Nummer zehn ist tatsächlich schon erreicht
Dass „Dreamers“ erst das zehnte Studioalbum ist, wirkt bei einer Karriere von mehr als 30 Jahren fast ein bisschen wenig.
Doch Take That hatten bekanntlich eine längere Pause.
Nach ihrer Trennung 1996 dauerte es bis 2005, bevor die Band offiziell wieder zusammenkam.
Das Comeback entwickelte sich anschließend überraschend erfolgreich.
„Beautiful World“.
„The Circus“.
„Progress“ mit Robbie Williams.
„III“.
„Wonderland“.
„Odyssey“ als Greatest-Hits-Neuinterpretation.
Und zuletzt „This Life“.
Die heutige Trio-Besetzung aus Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen arbeitet inzwischen ebenfalls seit vielen Jahren zusammen.
Robbie Williams verfolgt weiter seine Solokarriere.
Jason Orange zog sich 2014 komplett aus der Band zurück.
Aus der klassischen Fünfer-Boyband ist damit längst etwas anderes geworden.
Eigentlich wirken Take That inzwischen mehr wie eine klassische Popband
Gerade die neue Musik zeigt ziemlich gut, wie weit sich Take That von ihrer ursprünglichen Boyband-Schublade entfernt haben.
Natürlich bleiben große Refrains wichtig.
Natürlich ist Pop weiterhin das Zentrum.
Aber die Band experimentiert seit Jahren mit unterschiedlichen Genres und verteilt das Songwriting und den Gesang breiter.
Genau deshalb passt eine Howard-Donald-Disco-Single heute völlig selbstverständlich ins Bild.
1993 hätte ein solcher Song wahrscheinlich noch als ungewöhnliches Soloexperiment gewirkt.
2026 fühlt es sich einfach wie Take That an.
Der Sommer war bereits riesig
Die Band kommt außerdem gerade aus einer ziemlich erfolgreichen Livesaison.
Mit ihrer „The Circus Live“-Tour 2026 knüpften Take That an eine ihrer bekanntesten Konzertphasen an.
17 Stadionshows führten sie durch Großbritannien und Irland.
Nach Angaben rund um die neue Single sahen mehr als 700.000 Zuschauer die Konzerte.
Das Ganze war bewusst als Rückblick auf eine der spektakulärsten Tourneen ihrer Karriere angelegt.
Also riesige Bühnen.
Aufwendige Inszenierungen.
Große Hits.
Und ziemlich viel Nostalgie.
Parallel dazu bereiteten sie allerdings längst das nächste Kapitel vor.
Netflix hat ebenfalls noch einmal zurückgeblickt
Anfang des Jahres erschien außerdem die Netflix-Dokumentation „TAKE THAT“.
Die Produktion startete am 27. Januar und beschäftigte sich mit der gesamten Geschichte der Band.
Von den ersten Boyband-Jahren.
Über den riesigen Erfolg der 1990er.
Robbie Williams’ Ausstieg.
Die Trennung.
Bis zum Comeback und der heutigen Dreierbesetzung.
Die Dokumentation erreichte nach Angaben der Band beziehungsweise ihres Umfelds Platz eins der entsprechenden Netflix-Charts.
Damit war 2026 ohnehin bereits stark von Rückblicken geprägt.
„Dreamers“ soll jetzt bewusst wieder nach vorne schauen.
Und 2027 geht es durch Europa
Lange Pause machen Gary, Howard und Mark anschließend offenbar nicht.
Für den Sommer 2027 ist bereits die große „Dreamers – Summer 2027 European Tour“ angekündigt.
Die Tour führt durch 16 europäische Länder.
Auch mehrere Deutschland-Termine gehören dazu.
Gespielt werden sollen neue Songs aus „Dreamers“ gemeinsam mit den großen Hits aus mehr als drei Jahrzehnten Take That.
Damit dürfte „Higher“ ziemlich schnell auch seine natürliche Umgebung finden.
Große Bühne.
Abends.
Ein paar tausend Menschen.
Disco-Beat.
Howard Donald vorne.
Das klingt zumindest nach einem Song, der nicht dafür produziert wurde, leise im Hintergrund eines Cafés zu laufen.
„Higher“ zeigt außerdem, dass Take That ihre Stimmen bewusst unterschiedlich einsetzen
Einer der interessanteren Aspekte der heutigen Band ist ohnehin, dass die drei Mitglieder nicht mehr versuchen müssen, jedes Lied nach demselben Muster aufzubauen.
Gary Barlow bleibt die bekannteste Hauptstimme.
Aber Mark Owen besitzt einen völlig anderen Klang.
Howard Donald ebenfalls.
Dadurch kann sich ein Song bereits allein dadurch anders anfühlen, wer ihn singt.
„Higher“ nutzt das gezielt.
Der Disco-Sound und Donalds Stimme geben dem Track eine andere Persönlichkeit als etwa einer klassischen Barlow-Ballade.
Und für ein Album mit zwölf Songs ist genau diese Abwechslung ziemlich hilfreich.
Vielleicht ist das sogar der überraschendste Punkt der neuen Take-That-Phase
Take That müssten eigentlich gar keine neuen Alben mehr machen.
Sie könnten problemlos jedes zweite Jahr eine Greatest-Hits-Tour spielen.
„Back for Good“.
„Never Forget“.
„Patience“.
„Rule the World“.
„Shine“.
„The Flood“.
Genug große Songs wären vorhanden.
Stattdessen erscheint im November Album Nummer zehn.
Und die Band veröffentlicht daraus fünf Singles, bevor das Ding überhaupt im Laden steht.
Das wirkt nicht wie eine Gruppe, die ausschließlich ihre Vergangenheit verwalten möchte.
Howard darf diesmal die Tanzfläche übernehmen
Und damit sind wir wieder bei „Higher“.
Der vielleicht interessanteste Punkt an der Single ist am Ende gar nicht, dass Take That jetzt Disco machen.
Tanzbarer Pop gehört schließlich schon lange zur Geschichte der Gruppe.
Interessanter ist, wer diesmal im Mittelpunkt steht.
Howard Donald gehört seit mehr als drei Jahrzehnten zu Take That.
Er tanzt.
Er singt.
Er schreibt mit.
Er produziert.
Er legt als DJ auf.
Und trotzdem ist es meistens Gary Barlow, dessen Stimme zuerst mit einem neuen Take-That-Song verbunden wird.
Bei „Higher“ ist das anders.
Diesmal steht Howard vorne.
Und während Gary und Mark ihm den Raum lassen, zeigt die Band ganz nebenbei, warum diese Dreierbesetzung inzwischen so lange funktioniert:
Nicht jeder muss immer denselben Job machen.
„Higher“ ist ab sofort verfügbar.
Das Album „Dreamers“ erscheint am 20. November 2026.
Und wenn der Rest der Platte tatsächlich so viele unterschiedliche Richtungen einschlägt wie die bisherigen Singles, dürfte Album Nummer zehn zumindest eines nicht werden:
langweilig.
Quellen
Take That – offizielle Website / „Dreamers“
Offizielle Angaben zum zehnten Studioalbum, Veröffentlichung am 20. November 2026 sowie zur aktuellen Tour. Take That
Universal Music Deutschland – „Take That: Pre-Order für Dreamers startet“, 1. Oktober 2026
Bestätigung des Veröffentlichungstermins am 20. November sowie Einordnung des Albums als zehntes Studioalbum. www.universal-music.de
Official Charts – New Releases, 15. Oktober 2026
Bestätigung von „Higher“ als fünfter Single aus „Dreamers“ und der Premiere bei Vernon Kay auf BBC Radio 2. Offizielle Charts
Frontstage Magazine – „Take That veröffentlichen Single ‘Higher’ aus dem kommenden Album ‘Dreamers’“, 15. Oktober 2026
Angaben zum Disco-Sound, Howard Donald als Leadsänger, den zwölf Songs des Albums sowie zur Circus-Tour mit mehr als 700.000 Zuschauern. frontstage-magazine.de
Take That Official Store – „Dreamers“
Vollständige Trackliste der zwölf Songs der Standardversion, darunter „Higher“ und „Feel My Love with Michael Patrick Kelly“. Take That
Universal Music Deutschland – Take That
Informationen zu „You’re A Superstar“, „Feel My Love“, der Goldenen Henne sowie der angekündigten „Dreamers – Summer 2027 European Tour“. www.universal-music.de