Mehr als ein Jahrzehnt nach dem ursprünglichen Episodenstart kehrt eines der bekanntesten Telltale-Adventures in einer technisch deutlich überarbeiteten Fassung zurück.
„The Wolf Among Us Remastered“ soll dabei ausdrücklich kein Remake werden. Geschichte, Dialoge und zentrale Inszenierungsentscheidungen bleiben unangetastet. Stattdessen hat Telltale praktisch die gesamte technische Präsentation überarbeitet und zusätzliche Inhalte aus der ursprünglichen Entwicklung wieder hervorgeholt.
Fabletown wird komplett schwarz-weiß
Die auffälligste Neuerung ist der Noir Mode.
Mit ihm kann die komplette Geschichte in einer reinen Schwarz-Weiß-Darstellung gespielt werden. Anders als beim ähnlichen „Shadows Mode“ der Telltale-Batman-Spiele bleiben diesmal keine einzelnen Farben erhalten.
Das Ziel ist eine möglichst konsequente klassische Film-Noir-Optik.
Spieler können den Modus jederzeit aktivieren oder wieder zur vollständig farbigen Remaster-Darstellung wechseln. Dadurch lässt sich sogar innerhalb einer einzelnen Szene zwischen beiden Varianten umschalten.
In Schwarz-Weiß wirkt Fabletown noch düsterer
Game Director Matt Saia beschreibt den Noir-Modus nicht einfach als Farbfilter.
Das Team habe Kontraste und Charakterdarstellung gezielt angepasst, damit das Spiel weiterhin wie eine lebendige Graphic Novel funktioniert. Gerade Schatten und dunkle Bereiche wirken dadurch noch stärker als in der ohnehin schon sehr düsteren Originalfassung.
Das passt erstaunlich gut zum Kern von „The Wolf Among Us“: Mordermittlungen, zwielichtige Figuren, nächtliche Straßen, moralisch schwierige Entscheidungen und ein Detektiv, der selbst alles andere als unschuldig ist.
Jede Szene wurde neu beleuchtet
Auch außerhalb des Noir-Modus steckt deutlich mehr Arbeit im Remaster, als ein einfacher Auflösungs-Boost vermuten lässt.
Telltale erklärt, dass jede Szene des Spiels neu beleuchtet wurde. Die ursprüngliche Engine wurde zunächst auf eine modernere Version gebracht, die unter anderem bereits bei den Batman-Spielen des Studios zum Einsatz kam.
Anschließend entstanden neue Shader, verbesserte Umgebungen, überarbeitete Animationen und komplett neu aufgebaute Charaktermodelle.
Bigby und die anderen Figuren wurden neu aufgebaut
Gerade bei den Charakteren wollte das Team die ursprüngliche Comic-Ästhetik erhalten.
Bigby Wolf, Snow White und die übrigen Bewohner Fabletowns sehen deshalb nicht plötzlich realistischer aus. Stattdessen wurden Modelle, Details und Animationen modernisiert, ohne das markante gezeichnete Erscheinungsbild aufzugeben.
Telltale beschreibt die Neuauflage ausdrücklich als Versuch, das Original zu bewahren und gleichzeitig die technisch bestmögliche Version davon zu entwickeln.
Fünf gestrichene Szenen sind erstmals spielbar
Für Fans des Originals dürfte allerdings ein anderer Punkt mindestens genauso interessant sein.
Die Remastered-Version enthält fünf bisher unveröffentlichte gestrichene Szenen, die diesmal tatsächlich spielbar sind.
Dabei handelt es sich nicht einfach um Konzeptzeichnungen oder Videomaterial, sondern um Szenen aus der ursprünglichen Entwicklung, die nun erstmals selbst erlebt werden können. Sie sollen zusätzliche Perspektiven auf Bigbys erste Ermittlung liefern.
Mehr als eine Stunde Material hinter den Kulissen
Zusätzlich gibt es einen umfangreichen Bonusbereich.
Telltale spricht von mehr als 60 Minuten Behind-the-Scenes-Interviews und Videos. Dazu kommt eine große Galerie mit Konzeptzeichnungen, Charakterstudien, Umgebungsbildern und Produktionsmaterial aus dem Originalspiel und dem Remaster.
Ein Teil dieser Inhalte wurde bislang nie veröffentlicht.
Auch der Sound wurde überarbeitet
Nicht nur die Grafik wurde angefasst.
Das Team hat auch die Audiospuren gereinigt und die Musik neu gemischt. Die grundlegende Tonalität bleibt allerdings dieselbe – genauso wie Geschichte und Dialoge.
Gerade das war den Entwicklern wichtig: Das Remaster soll keine neue Interpretation von „The Wolf Among Us“ sein, sondern eine technisch modernisierte Version genau des Spiels, das Fans kennen.
Alle fünf Episoden sind enthalten
Wie zu erwarten, enthält die Neuauflage die komplette ursprüngliche Geschichte.
„The Wolf Among Us“ erschien ab 2013 zunächst episodisch und umfasst insgesamt fünf Kapitel. Spieler übernehmen die Rolle von Bigby Wolf, dem Sheriff von Fabletown.
Dort leben Figuren aus Märchen und Legenden versteckt unter gewöhnlichen Menschen. Als ein brutaler Mord geschieht, beginnt eine Ermittlung, die Bigby immer tiefer in die Geheimnisse der Gemeinschaft führt.
Dabei entscheidet der Spieler regelmäßig selbst, wie Bigby mit Verdächtigen, Zeugen und Verbündeten umgeht. Diese Entscheidungen verändern Dialoge und Beziehungen und können Konsequenzen für spätere Situationen haben.
Grundlage ist die Comicreihe „Fables“
Die Welt stammt ursprünglich aus Bill Willinghams Comicreihe „Fables“, die bei DC beziehungsweise Vertigo erschien.
Telltales Spiel erzählt dabei eine Vorgeschichte und nutzt bekannte Märchenfiguren in einer düsteren modernen Großstadtwelt.
Der große böse Wolf ist hier nicht einfach der Bösewicht.
Er ist Sheriff.
Und muss ausgerechnet dafür sorgen, dass andere sich an Regeln halten.
Entscheidungen sollen sogar für Teil 2 eine Rolle spielen
Eine besonders interessante Angabe findet sich auf der offiziellen Produktseite von PM Studios.
Dort heißt es, dass wichtige Entscheidungen aus „The Wolf Among Us Remastered“ in „The Wolf Among Us 2“ übernommen werden können.
Damit bekommt die Neuauflage möglicherweise noch eine zusätzliche Funktion: Sie könnte für neue Spieler gleichzeitig der Einstieg in die kommende Fortsetzung werden.
Nintendo bekommt „The Wolf Among Us“ erstmals
Auch bei den Plattformen gibt es eine Premiere.
Das Remaster erscheint digital für PC über Steam und Epic Games Store, PlayStation 5, Xbox One und Nintendo Switch. Auf Xbox Series X|S läuft die Xbox-One-Version über Abwärtskompatibilität.
Besonders bemerkenswert ist die Switch-Version: Laut Telltale erscheint die Reihe damit zum ersten Mal überhaupt auf einer Nintendo-Plattform.
Eine physische Version folgt 2027
Wer das Spiel lieber im Regal stehen haben möchte, muss sich noch etwas gedulden.
Die heutige Veröffentlichung ist zunächst ausschließlich digital. Eine physische Handelsversion soll im ersten Quartal 2027 folgen.
Weitere Details zu Editionen und genauen Veröffentlichungsterminen sollen später bekannt gegeben werden.
Die Geschichte selbst bleibt tabu
Vielleicht ist genau das die wichtigste Designentscheidung des Remasters.
Telltale hätte Figuren verändern, Dialoge neu aufnehmen oder Szenen komplett anders inszenieren können.
Genau das wollte das Team ausdrücklich nicht.
Game Director Matt Saia bezeichnet die Story, Regieentscheidungen und den ursprünglichen Kunststil sinngemäß als etwas, das für die Entwickler unangetastet bleiben sollte. Das Remaster versteht sich deshalb eher als Restaurierung als als Neuerfindung.
Fabletown funktioniert erstaunlich gut ohne Farbe
Und dann ist da natürlich der Noir-Modus.
Das Original lebte eigentlich stark von seinen Neonfarben – pinke Straßenschilder, grüne Schatten, violette Nächte und harte Farbkontraste gehörten zum unverwechselbaren Stil.
Dass ausgerechnet dieses Spiel nun vollständig auf Farbe verzichten kann, klingt zunächst fast widersprüchlich.
Doch genau darin liegt der Reiz.
Plötzlich wirkt Fabletown nicht mehr nur wie eine düstere Graphic Novel.
Sondern wie ein Detektivfilm aus einer Welt, in der Märchenfiguren rauchen, lügen, sich prügeln und gelegentlich ermordet werden.
Und der große böse Wolf muss herausfinden, wer es getan hat.
Quellen
Telltale Games – Veröffentlichung am 29. Oktober, Noir Mode, Plattformen, Bonusmaterial und physische Ausgabe 2027.
PlayStation Blog Deutschland – Interview mit Game Director Matt Saia über neue Beleuchtung, Charaktermodelle, Engine und Noir-Modus.
PM Studios – fünf spielbare gestrichene Szenen, Behind-the-Scenes-Material und Übernahme wichtiger Entscheidungen in „The Wolf Among Us 2“.
Telltale Games – technische Überarbeitung und Philosophie hinter dem Remaster.
VGTimes – Interview zu Audio-Remastering und Umsetzung des Schwarz-Weiß-Modus.