Rockstar Games war schon immer ziemlich gut darin, alte Songs plötzlich wieder modern wirken zu lassen. Genau das passiert jetzt erneut mit „Devil Woman“ von Cliff Richard.
Der Song aus dem Jahr 1976 ist mehrere Minuten lang in „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ zu hören. Das rund 27-minütige Special erschien Ende August und zeigte umfangreiche neue Spielszenen aus Vice City – begleitet von einer ungewöhnlich breit aufgestellten Musikauswahl.
Für Cliff Richard entwickelte sich daraus unerwartet ein richtiges Streaming-Comeback.
„Devil Woman“ bekommt plötzlich ein völlig neues Publikum
Nach Veröffentlichung der Präsentation stiegen die Abrufe zahlreicher darin verwendeter Songs deutlich an.
Bei „Devil Woman“ fiel der Effekt besonders stark aus. Nach Zahlen, die Spotify an Medien weitergab, legten die weltweiten Streams zeitweise um 1.290 Prozent zu.
Noch interessanter ist, wer den Titel plötzlich hört: Die Zahl der Gen-Z-Hörer, die den Song neu entdeckten, stieg um 325 Prozent.
Aus einem 50 Jahre alten Pop-Rock-Song wurde damit innerhalb weniger Tage wieder ein Titel, über den eine deutlich jüngere Generation spricht.
Eine Million Streams in einer Woche
Andere Auswertungen zeigen denselben Trend aus einem etwas anderen Blickwinkel.
Vor der „GTA 6“-Präsentation soll „Devil Woman“ auf ungefähr 96.000 wöchentliche Spotify-Streams gekommen sein. In der Woche rund um das Special überschritt der Song anschließend die Marke von einer Million Abrufen.
Auch Cliff Richards gesamte Reichweite profitierte davon. Seine monatlichen Spotify-Hörer sollen innerhalb einer Woche um mehr als 230.000 gestiegen sein.
Für einen Künstler, dessen Karriere bereits Ende der 1950er-Jahre begann, ist das eine ziemlich außergewöhnliche Entwicklung.
Fast drei Minuten Cliff Richard in Vice City
„Devil Woman“ wird in „An Extended Look“ nicht nur kurz im Hintergrund angespielt.
Der Song setzt ungefähr bei Minute 16:49 ein und läuft fast drei Minuten lang. Zu sehen sind währenddessen Szenen rund um Jason, Lucia und ihre kriminellen Aktivitäten in Leonida.
Damit bekommt der Titel deutlich mehr Raum als viele andere lizenzierte Songs der Präsentation.
Gerade diese lange Verwendung dürfte dazu beigetragen haben, dass viele Zuschauer den Song überhaupt bewusst wahrgenommen haben.
Cliff Richard wusste kaum, was „GTA 6“ ist
Die vielleicht schönste Geschichte rund um das Comeback kommt allerdings von Cliff Richard selbst.
Der mittlerweile 86-Jährige erzählte in einem Gespräch, dass er über seine Familie von der neuen Aufmerksamkeit erfahren habe. Die Kinder seines Neffen seien aufgeregt zu ihrem Vater gelaufen, nachdem sie Richards Stimme in Verbindung mit „GTA 6“ gehört hatten.
Richard selbst war anschließend allerdings etwas unsicher, was dieses „GTA 6“ eigentlich genau ist.
Er fragte sinngemäß, ob es sich dabei um eine Gameshow beziehungsweise eine große Fernsehsendung handle.
Nein, Cliff.
Es ist ein Videospiel.
Und zwar vermutlich eines der wenigen Spiele, bei denen gerade Millionen Menschen freiwillig einen Song von 1976 entdecken.
Die Reaktion gefällt ihm trotzdem
Die Verwechslung bedeutet allerdings nicht, dass Richard die neue Aufmerksamkeit nicht zu schätzen weiß.
Im Gegenteil: Er freut sich darüber, dass jüngere Menschen durch den Titel auf seine Musik aufmerksam werden.
Besonders wichtig scheint ihm dabei zu sein, nicht ausschließlich als Musiker aus einer längst vergangenen Zeit wahrgenommen zu werden.
Und genau darin liegt eigentlich der interessante Teil dieser Geschichte.
„Devil Woman“ wurde nicht neu aufgenommen.
Es gab keinen Remix.
Keine TikTok-Kampagne.
Keinen neuen Gaststar.
Der Song ist im Grunde derselbe wie 1976.
Nur der Kontext ist plötzlich ein völlig anderer.
1976 war „Devil Woman“ bereits ein internationaler Hit
Ganz unbekannt war der Song natürlich nie.
„Devil Woman“ erschien 1976 auf Richards Album „I’m Nearly Famous“ und entwickelte sich zu einem seiner größten internationalen Erfolge.
In Großbritannien erreichte der Song Platz neun der Charts. In den USA schaffte er es sogar bis auf Platz sechs der Billboard Hot 100.
Gerade in Amerika war das bemerkenswert, da Cliff Richard dort nie denselben Superstar-Status erreichte wie in Großbritannien und weiten Teilen Europas.
Der Song klingt für Cliff Richard ungewöhnlich düster
„Devil Woman“ unterscheidet sich außerdem deutlich von vielen Songs, mit denen Richard häufig verbunden wird.
Statt freundlichem Pop oder klassischem Rock’n’Roll erzählt der Titel eine mysteriöse Geschichte rund um eine Frau, einen Fluch und eine unheimliche Begegnung.
Musikalisch klingt das Ganze entsprechend dunkler und leicht bedrohlich.
Genau deshalb funktioniert „Devil Woman“ erstaunlich gut in der Welt von „Grand Theft Auto“.
Vice City, Kriminalität, nächtliche Straßen – und dazu Cliff Richard.
Eine Kombination, mit der vermutlich vor einigen Jahren kaum jemand gerechnet hätte.
Schon „I, Tonya“ brachte den Song zurück
Es ist nicht einmal das erste kleine Comeback von „Devil Woman“.
2017 wurde der Song prominent im Film „I, Tonya“ mit Margot Robbie verwendet und bekam dadurch bereits eine neue Aufmerksamkeit.
„GTA 6“ hebt diesen Effekt allerdings noch einmal auf eine völlig andere Größenordnung.
Denn kaum ein kommendes Unterhaltungsprodukt erreicht derzeit eine vergleichbare Aufmerksamkeit.
Auch andere alte Songs profitieren enorm
Cliff Richard ist mit seinem Streaming-Comeback nicht allein.
Rockstars Musikauswahl hat bei mehreren Songs aus dem „Extended Look“ für massive Sprünge gesorgt.
„People Are People“ von Depeche Mode verzeichnete deutliche Zuwächse. Prefab Sprouts „Cars and Girls“ wurde ebenfalls von vielen jüngeren Hörern neu entdeckt.
Besonders extrem fiel der Effekt bei Captain & Tennille aus. Ihr kaum bekannter Song „But I Think It’s a Dream“ legte nach Medienberichten um mehr als 100.000 Prozent zu.
Rockstar hat damit praktisch innerhalb weniger Minuten mehrere alte Musikarchive wieder geöffnet.
Das ist bei „GTA“ längst Tradition
Eigentlich gehört genau das schon lange zur Identität der Reihe.
Die fiktiven Radiosender von „Grand Theft Auto“ sind seit Jahrzehnten ein zentraler Bestandteil der Spiele. Rockstar kombiniert aktuelle Hits, obskure Albumtracks und jahrzehntealte Klassiker oft so geschickt, dass Songs durch das Spiel einen völlig neuen Kontext bekommen.
Viele Spieler verbinden bestimmte Titel heute untrennbar mit Autofahrten durch Vice City, San Andreas oder Los Santos.
„GTA 6“ scheint diese Tradition fortzusetzen.
Und diesmal beginnt der Effekt sogar schon vor Veröffentlichung des Spiels.
Ein Song wird nach 50 Jahren noch einmal neu
Vielleicht ist genau das die interessanteste Zahl:
50 Jahre.
So lange liegt die Veröffentlichung von „Devil Woman“ inzwischen zurück.
Der Song ist älter als ein großer Teil der Eltern vieler heutiger „GTA“-Spieler – und trotzdem wird er gerade von Menschen entdeckt, die beim ursprünglichen Release noch Jahrzehnte von ihrer Geburt entfernt waren.
Cliff Richard muss dafür nicht einmal wissen, was „Grand Theft Auto“ genau ist.
Seine Musik hat es jedenfalls längst herausgefunden.
Quellen
NME, September/Oktober 2026 – Streaming-Effekt des „GTA 6 Extended Look“: „Devil Woman“ mit 1.290 Prozent mehr Streams und 325 Prozent mehr Gen-Z-Entdeckungen.
NME, 28. Oktober 2026 – Cliff Richards Reaktion auf das Streaming-Comeback und seine Verwechslung von „GTA 6“ mit einer Gameshow.
The Independent, 20. Oktober 2026 – Comeback von „Devil Woman“, ursprüngliche Chartplatzierungen und erneutes Interesse jüngerer Hörer.
ComingSoon, 28. Oktober 2026 – Entwicklung von rund 96.000 auf mehr als eine Million wöchentliche Streams sowie Zuwachs bei Cliff Richards monatlichen Hörern.
GTA6-Life – Luminate-/Billboard-Daten zum Streaminganstieg unmittelbar nach „An Extended Look“.