Trivium wollen weder zurückblicken noch sich künstlich neu erfinden
Nach mehr als zwei Jahrzehnten Bandgeschichte steht Trivium vor einem Problem, das viele langjährige Metalbands irgendwann erreicht: Wie entwickelt man den eigenen Sound weiter, ohne entweder nur noch die Vergangenheit zu kopieren oder plötzlich etwas vollkommen anderes zu spielen?
Genau diese Frage bildet den Ausgangspunkt von „Crown In The Grave“. Bassist Paolo Gregoletto beschreibt das elfte Album als Versuch, den Raum zwischen beiden Extremen zu finden. Die Band wolle alles nutzen, was sie im Laufe ihrer Karriere gelernt habe und was Trivium unverwechselbar mache – diese Elemente aber auf eine Weise präsentieren, die es bisher noch nicht gegeben habe.
Das Ergebnis erscheint am 20. November über Roadrunner Records und folgt auf das 2021 veröffentlichte Studioalbum „In The Court Of The Dragon“ sowie die 2025 erschienene EP „Struck Dead“.
Japanisches Kino prägt die komplette Atmosphäre
Besonders stark wird die neue Ära von japanischer Filmkunst beeinflusst. Ausgangspunkt war ausgerechnet der Titelsong „Crown In The Grave“. Gregoletto nennt Akira Kurosawas „Throne of Blood“ als wichtige Inspiration. Der Film von 1957 überträgt Shakespeares „Macbeth“ in das feudale Japan und verbindet Macht, Verrat und Untergang mit einer ausgesprochen düsteren Bildsprache.
Von dort aus tauchte die Band immer tiefer in japanischen Horror und Filmklassiker der 1950er-, 60er- und 70er-Jahre ein. Aus diesen Einflüssen entwickelte sich nach Angaben von Trivium eine dunkle und fast geisterhafte Atmosphäre, die schließlich nicht nur einzelne Texte beeinflusste, sondern zum gestalterischen Rahmen für das gesamte Album wurde.
Musik, Lyrics, Artwork und visuelle Identität sollen dadurch stärker als zusammenhängende Welt funktionieren. Das sieht man bereits im Video zum Titelsong: Schwerter, Dojo-Ästhetik und weitere Elemente japanischer Kultur treffen dort auf die gewohnt wuchtige Trivium-Inszenierung.
Der Titeltrack zeigt, wie das neue Album klingen soll
Mit „Crown In The Grave“ hat die Band inzwischen auch den titelgebenden Song veröffentlicht. Der Track verbindet harte Riffs und aggressive Passagen mit jener melodischen Seite, die Trivium seit Jahren auszeichnet.
Statt die Band musikalisch komplett umzubauen, scheint das Album eher unterschiedliche Phasen ihrer bisherigen Karriere zusammenzuführen. Metalcore, Thrash-Einflüsse, große Melodien, technische Gitarrenarbeit und Matt Heafys Wechsel zwischen klarem Gesang und Screams bleiben zentrale Bestandteile.
Genau das entspricht Gregolettos Beschreibung: Die Platte soll vertraut wirken, ohne wie eine Kopie früherer Alben zu klingen. Für Fans dürfte das eine angenehmere Aussicht sein als eine künstlich erzwungene musikalische Neuerfindung nur um des Überraschungseffekts willen.
„Dead Inside Of Me“ hatte die neue Ära bereits angekündigt
Schon vor der offiziellen Albumenthüllung veröffentlichte Trivium „Dead Inside Of Me“. Der Song machte klar, dass ein größerer neuer Zyklus bevorsteht und war der erste deutliche Vorgeschmack auf das kommende Album.
Inzwischen ist er als dritter Track auf „Crown In The Grave“ bestätigt. Zusammen mit dem Titelstück liefert er einen ersten Eindruck davon, wie breit Trivium die Platte aufziehen wollen: aggressiv genug für die härtere Seite der Band, gleichzeitig aber mit den großen melodischen Momenten, die spätestens seit Alben wie „Shogun“ oder „In Waves“ zu ihrem Markenzeichen gehören.
Die offizielle Trivium-Seite führt „Dead Inside Of Me“ inzwischen prominent als aktuelle Veröffentlichung und präsentiert auch das dazugehörige Video.
Zwölf Songs umfasst das neue Album
Die offizielle Trackliste von „Crown In The Grave“ umfasst zwölf Stücke. Schon die Titel passen auffällig gut zu der angekündigten düsteren Atmosphäre:
- Jorōgumo
- Crown In The Grave
- Dead Inside Of Me
- The Terror
- The Haunting Never Ends
- Lie of It All
- Blackout the Dawn
- Paradise Of Sinners
- Death Throes
- The Agony
- Devour Your Dreams
- Serpents in The Flames
Besonders der Opener „Jorōgumo“ passt zur japanischen Ausrichtung. Der Begriff stammt aus der japanischen Folklore und bezeichnet ein übernatürliches Wesen, das häufig als Frau beziehungsweise Spinnenwesen dargestellt wird. Allein dieser Einstieg deutet darauf hin, dass die Kino- und Horrorinspiration nicht nur für das Artwork verwendet wird.
Zum ersten Mal entsteht ein Trivium-Album im eigenen „The Hangar“
Auch hinter den Kulissen verändert sich einiges. „Crown In The Grave“ ist das erste vollständige Trivium-Album, das im bandeigenen Studio „The Hangar“ in Orlando, Florida, aufgenommen wurde.
Die Band hatte sich diesen Ort bewusst geschaffen, um nicht permanent unter dem Zeitdruck eines gemieteten Studios arbeiten zu müssen. Dadurch konnten Matt Heafy, Corey Beaulieu, Paolo Gregoletto und das übrige Team länger an Arrangements, Sounds und Details arbeiten, ohne ständig auf die Uhr schauen zu müssen.
Gregoletto beschreibt genau diese Freiheit als wichtigen Teil der Entstehung. Trivium wollten genügend Zeit haben, um überhaupt herauszufinden, wie ein elftes Album der Band klingen sollte. „Crown In The Grave“ sei die Antwort, bei der sie schließlich angekommen seien.
Josh Wilbur bleibt ein wichtiger Partner
Trotz des eigenen Studios haben Trivium nicht komplett auf externe Erfahrung verzichtet. Produziert wurde das Album gemeinsam mit Josh Wilbur, der bereits mit Bands wie Lamb of God und Korn gearbeitet hat und Trivium seit Jahren begleitet.
Die Zusammenarbeit dürfte ein Grund dafür sein, dass die Band ihren etablierten Klang nicht vollkommen verliert, obwohl Aufnahmeort und personelle Situation neu sind. Wilbur kennt die musikalischen Stärken der Band und hat bereits an früheren Trivium-Veröffentlichungen mitgewirkt.
Das eigene Studio bot damit Freiheit, während ein vertrauter Produzent dafür sorgen konnte, dass diese Freiheit nicht automatisch in endlosen Experimenten endet.
Alex Rüdinger spielt erstmals auf einem kompletten Trivium-Album
„Crown In The Grave“ markiert außerdem einen wichtigen personellen Wechsel. Es ist das erste vollständige Studioalbum mit Schlagzeuger Alex „Rudi“ Rüdinger.
Für eine Band wie Trivium ist das keine kleine Veränderung. Das Schlagzeug spielt bei ihren Songs eine zentrale Rolle: schnelle Doublebass-Passagen, komplexe Taktwechsel und präzise Übergänge bilden häufig die Grundlage für die technisch anspruchsvollen Gitarrenarrangements.
Rüdinger ist in der Metalszene längst kein Unbekannter und bringt umfangreiche Erfahrung aus technisch anspruchsvollen Projekten mit. Jetzt kann erstmals über ein komplettes Album hinweg gehört werden, welchen Einfluss sein Stil auf Trivium hat.
Für Matt Heafy wurde die Platte auch persönlich wichtig
Hinter der düsteren Ästhetik steckt gleichzeitig eine deutlich persönlichere Geschichte. Matt Heafy sprach rund um die Albumankündigung über psychische Belastungen, Verletzungen und starke Ängste, mit denen er während dieser Phase umgehen musste.
Seine zentrale Erkenntnis beschreibt er sinngemäß damit, dass die Konfrontation mit sich selbst die letzte große Aufgabe sei. Er habe sich bewusst entschieden, sich von der ständigen Sorge zu lösen und beim Singen weniger über äußere Erwartungen nachzudenken.
Das passt auffällig gut zum allgemeinen Konzept des Albums. „Crown In The Grave“ beschäftigt sich nicht nur ästhetisch mit Dunkelheit und Bedrohung. Hinter einigen Songs scheint tatsächlich eine Phase zu stecken, in der sich die Musiker mit ihren eigenen Grenzen beschäftigen mussten.
Dabei hätten Trivium allen Grund, einfach nur auf die Vergangenheit zu setzen
Trivium verfügen inzwischen über einen Backkatalog, mit dem sie problemlos jahrelang auf Tour gehen könnten, ohne überhaupt noch neue Musik aufnehmen zu müssen. „Ascendancy“, „Shogun“, „In Waves“, „The Sin And The Sentence“ und „In The Court Of The Dragon“ haben jeweils eigene Fangenerationen geprägt.
Gerade das macht ein elftes Album schwierig. Bei einer Band mit einer so langen Geschichte möchte ein Teil der Fans möglichst genau den Sound eines bestimmten Lieblingsalbums zurück. Die einen wollen „Ascendancy 2“, andere ein zweites „Shogun“, während wieder andere die moderneren Platten bevorzugen.
Trivium scheint diesen Erwartungen diesmal bewusst nicht hinterherlaufen zu wollen. „Crown In The Grave“ soll die Vergangenheit respektieren, ohne darin zu leben.
Mehrere aufwendige Vinylvarianten begleiten den Release
Für Sammler fällt die Veröffentlichung entsprechend umfangreich aus. Neben der regulären CD bietet Trivium verschiedene Doppelvinyl-Versionen an. Dazu gehören eine Goldenrod-Ausgabe, eine Samurai Blade Splatter Vinyl sowie eine signierte Blue & Pink Agony-Version.
Besonders auffällig ist die limitierte Oni Pop-Up LP auf Pink-Paradise-Vinyl. Beim Öffnen des Gatefolds entfaltet sich eine Oni-Darstellung – also ein weiterer direkter Bezug zur japanisch geprägten visuellen Welt des Albums.
Roadrunner Records bietet zusätzlich eine exklusive rote Vinylvariante an. Das Albumkonzept wird damit deutlich stärker als zusammenhängende visuelle Ära inszeniert als bei einer simplen Standardveröffentlichung.
2027 geht es auch nach Deutschland
Die neue Albumphase bleibt natürlich nicht auf Streamingdienste und Plattenregale beschränkt. Im Frühjahr 2027 kommen Trivium gemeinsam mit In Flames, Paleface Swiss und VOLA nach Europa.
Für Deutschland sind gleich mehrere große Termine angekündigt. Am 9. April spielt die Band in der Sporthalle Hamburg, einen Tag später folgt Dresden. Am 11. April steht das Berliner Velodrom auf dem Plan. Weitere Konzerte gibt es am 16. April in der Frankfurter Festhalle, am 17. April in Düsseldorf sowie am 23. April in Stuttgart, am 24. April im Münchner Zenith und am 25. April in Bamberg.
Damit bekommt Deutschland einen besonders großen Teil der Europatour ab. Gerade die Kombination mit In Flames dürfte für Metal-Fans interessant werden – zwei Bands, die moderne Metal-Strömungen auf sehr unterschiedliche Weise geprägt haben.
Vor Europa wartet zunächst Nordamerika
Noch vor der Europatour gehen Trivium ab Anfang November 2026 auf eine umfangreiche nordamerikanische Headlinetour. Dort sind unter anderem In Flames, Orbit Culture, Fit For An Autopsy und Frozen Soul bei verschiedenen Terminen beteiligt.
Besonders ungewöhnlich ist der Zeitpunkt: Die Tour beginnt bereits am 5. November, während „Crown In The Grave“ erst am 20. November erscheint. Einige Fans werden neue Songs also live erleben, bevor das komplette Album offiziell erhältlich ist.
Das passt zur selbstbewussten Haltung der Band. Trivium scheint das Material nicht langsam in einem sicheren Releasefenster testen zu wollen. Die neuen Stücke sollen direkt auf die Bühne.
Das elfte Album soll gleichzeitig Rückkehr und Aufbruch sein
Vielleicht fasst genau das „Crown In The Grave“ am besten zusammen. Es ist keine Nostalgieplatte, die einfach versucht, frühere Erfolgsrezepte nachzubauen. Gleichzeitig soll es nicht jene Art Album werden, bei der eine etablierte Metalband unbedingt beweisen möchte, dass sie plötzlich völlig anders sein kann.
Stattdessen suchen Trivium nach dem Punkt dazwischen. Die technische Präzision bleibt. Die schweren Riffs bleiben. Melodie und Aggression bleiben. Aber japanisches Horrorkino, eine deutlich stärkere visuelle Welt, ein neuer Drummer und das erstmals genutzte eigene Studio geben dieser Phase eine eigene Identität.
„Crown In The Grave“ erscheint am 20. November 2026 über Roadrunner Records.
Nach mehr als zehn Alben scheint Trivium damit nicht herausfinden zu wollen, wie sie ihren bisherigen Sound hinter sich lassen können.
Die spannendere Frage lautet offenbar:
Wie weit kann man Trivium noch entwickeln, ohne aufzuhören, Trivium zu sein?
Und genau darauf soll Album Nummer elf die Antwort liefern.
Quellen
Trivium – offizieller Store: „Crown In The Grave“
Der Bandshop bestätigt den 20. November 2026 als Veröffentlichungstermin und führt die offizielle zwölf Songs umfassende Trackliste. Dort sind außerdem mehrere CD- und Vinylvarianten erhältlich. Trivium
Trivium – Crown In The Grave
Trivium – offizielle Musik- und Videoseiten
Die Band führt „Dead Inside Of Me“ als aktuelle Veröffentlichung samt offiziellem Musikvideo. Trivium
Trivium – offizielle Website
Kerrang! – „Trivium announce new album, Crown In The Grave“, 8. Oktober 2026
Bestätigt das elfte Studioalbum, den Release über Roadrunner, die japanischen Film- und Horroreinflüsse, das eigene The-Hangar-Studio, Alex Rüdinger als neuen Albumdrummer sowie die Europa- und Deutschlandtermine 2027. Kerrang!
Kerrang!: Trivium kündigen Crown In The Grave an
Revolver – „Trivium announce new album ‘Crown In The Grave’“, 8. Oktober 2026
Weitere Aussagen von Paolo Gregoletto und Matt Heafy zur kreativen Ausrichtung des Albums, zu Akira Kurosawas „Throne of Blood“, Heafys persönlichen Belastungen und zur Produktion mit Josh Wilbur. Revolver Magazine
Revolver: Crown In The Grave
Roadrunner Records – offizieller Store
Roadrunner bestätigt „Crown In The Grave“ als aktuelle Trivium-Veröffentlichung und bietet eine eigene exklusive rote Vinylversion an.